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Auf Grund der mir zugekommenen Mitteilungen ergibt sich nun folgendes
Bild (siehe auch die Kartenskizze S. 15):
Um Tuttlingen und bis Spaichingen einzelne kleinere und größere
Inseln. Ein zusammenhängendes Vorkommen an den Steilhängen des
Nordwestrands vom Dreifaltigkeitsberg bei Spaichingen bis zum Dreifürstenstein
(südwestlich von Mössingen) und den Hängen südlich Talheim
(OA. Rottenburg). Von hier schreitet die natürliche Aüusbreitung z. Zt. in
Richtung auf den Bolberg (nordwestlich von Willmandingen) fort. — Von
besonderem Interesse sind die Grenzen albeinwärts gegen Südosten. In den
verschiedenen Flußgebieten sind folgende Punkte zu nennen. Beera:
östlich Egesheim. Nusplinger Beera: Vereinzeltes Vorkommen
bei Oberdigisheim. Eyach=Schmiecha: Grenze des zusammenhängenden
Vorkommens zwischen Laufen und Lautlingen. Vereinzeltes
Auftreten bei Pfeffingen, Margrethausen, Ebingen und nördlich Straßberg.
Starzel = Vehla: bei Burladingen. Lauchert: 2 inselartige
Vorkommen südlich Salmendingen—Melchingen, weitere bei Mariaberg—
Mägerkingen und östlich Trochtelfingen.
Betrachten wir die mit Tanne bestockten Standorte nach ihrer topographischen
Ausformung und Lage, so läßt sich für das zusammenhängende
Tannengebiet zwischen Dreifaltigkeitsberg und Dreifürstenstein feststellen,
daß es fast ausschließlich auf die Steilhänge beschränkt ist; an keiner Stelle
greift es nennenswert auf die Albhoch,,fläche‘“ über. Ein besonders schönes
Beispiel hiefür ist die Berghalbinsel von Böttingen. Ihr Steilabfall vom Dreifaltigkeitsberg
bis Egesheim ist vorwiegend mit Tannen bestockt, während
auf der Hochfläche von Böttingen die Tanne nicht vorkommt. — Aber
auch die am weitesten albeinwärts vorgeschobenen Vorposten weisen die
gleiche topographische Lage auf. Die beiden Inseln südlich Melchingen z. B.
liegen an den Hängen des Woogbaches, die Vorkommen um’ Mariaberg an
denen des Laucherttals, usw.
Was kann nun der Grund sein für dieses fast sklavische Meiden der
Hochfläche und die ausgesprochene Bevorzugung der Hanglagen? M. E.
kann er nur in der verschiedenen Frostgefährdung dieser Geländeformen
gesucht werden, ein Gedanke übrigens, dem DIETERICH * bei der Tagung
des Württ. Forstvereins (1930) in Wehingen schon Ausdruck gegeben hat.
„Wie die Böttinger Zahlen zeigen, wird ein tieferes Vordringen der Tanne
auf die Hochfläche weniger durch die Abnahme der Niederschläge als durch
den Wärmemangel aufgehalten. 162 Frosttage im Jahr müssen ja einer
frostempfindlichen Holzart gefährlich werden. Auch hier können wir
erkennen, wie stark die Verbreitung der Tanne von klimatologischen Grenzwerten
beeinflußt wird, die natürlich durch die edaphischen Faktoren eine
entsprechende Modifikation erfahren.“ — Es dürfte überflüssig sein,
an dieser Stelle die erhöhte Frostgefahr der Hochalb, die vielfach bis in den
Sommer hinein besteht, zahlenmäßig zu belegen; es sei in diesem Zusammenhang
nur an die klimatisch bevorzugte Lage von Schopfloch OA. Kirchheim
etwa im Vergleich zu Münsingen erinnert. — Betrachtet man die
erwähnten Tannenstandorte unter diesem Gesichtspunkt, so liegen sie,
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Bericht über die 37. Versammlung des Württ. Forstvereins. S. 22.