Title:
Das K. Württembergische Landes-Gewerbemuseum in Stuttgart
Creator:
Württemberg. Landesgewerbeamt Gaupp, Robert Gärttner, Oskar von Dolmetsch, Heinrich Knoblauch, August Petzendorfer, Ludwig
Shelfmark:
1Aa 147
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1484296054802/138/
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hier nichts besonderes; sie wurde ebenso der Eigenart der auszustellenden 
Gegenstände als der Form der Säle angepasst. Die Zweckmässigkeit der 
eisernen Querstangen unter den Gesimsen der Pfeiler hat sich hier wie im 
ganzen Hause sehr erprobt. 
Nun folgt der Flügel der Hospitalstrasse. In der ersten Abteilung findet 
man Holzwaren aller Art, auch feinere Möbel, darunter ein ganz prachtvolles 
Kabinett mit Elfenbein-Einlagen von England, Kassetten, Schnitzereien, 
Elfenbein- und Hornwaren, Lederwaren, gepresste Papiere, 
japanische Papiere, Tapeten, Bucheinbände. Die Natur dieser Gegen 
stände gestattet teilweise die Ausstellung ausserhalb Schränken in den beiden 
Ecken, an den Fensterpfeilern und an Ständern. In diesem Saal fällt ein 
grosser Rokoko-Spiegel mit Konsole, ein Geschenk des Herrn Kommerzienrat 
Eugen Hummel in Stuttgart, besonders in die Augen. 
Den Schluss der Museumssammlungen bildet in diesem Stockwerk die 
graphische Abteilung. Unter den gewerblichen Künsten hat in den 
letzten Jahrzehnten kaum ein anderer Zweig so viele und so durchgreifende 
Umwälzungen erfahren, als die Vervielfältigungstechnik, die graphischen 
Künste. Bei der hohen Bedeutung, welche diese Künste für Württemberg, 
speziell aber für Stuttgart als buchgewerblichem Hauptplatz haben, war es 
ein fühlbares Bedürfnis, in dieser Richtung für die Belehrung des Publikums 
und namentlich auch heranwachsender Fachleute zu sorgen. Von seiten 
des Präsidiums der K. Zentralstelle wurde demgemäss vor wenigen Jahren die 
Schaffung einer besonderen Abteilung hiefür in Angriff genommen. Die Wahr 
heit des Satzes, dass durch Anschauung in wenigen Minuten oft mehr ge 
lernt werden kann, als durch langwieriges Bücherstudium, tritt nicht leicht 
so klar zu tage, als wenn jemand über das Wesen der graphischen Künste 
sich unterrichten will. Waren die Vervielfältigungsarten seit Guttenbergs 
genialer Erfindung durch Hinzukommen des Kupferstiches mit seinen ver 
schiedenen Varietäten, dann durch die vielgestaltige Lithographie schon zu 
einer stattlichen Anzahl herangewachsen, so brachten gar die Photographie 
und die Galvanoplastik einen gänzlichen Umschwung im Illustrationswesen 
hervor und die Reproduktionsverfahren schossen pilzartig hervor, eines das 
andere überbietend an Schnelligkeit und Wohlfeilheit der Herstellung. 
Die nämliche Sache wurde unter verschiedenen Namen öfter erfunden 
und gegenwärtig stehen wir vor einer Legion von Vervielfältigungsarten, 
welche alle in ihrem Wesen zu beherrschen nur wenigen Fachleuten be- 
schieden ist. 
In diesem graphischen Wirrsal sich zurechtfinden lernen, die Herstellung 
und bildliche Wirkung der verschiedenen »Graphien« und »Typien« dem 
Beschauer vorzuführen, ist der Zweck unserer graphischen Sammlung, die 
weder ein Kupferstichkabinett noch eine Sammlung graphischer Seltenheiten 
sein will und auch die historische Seite der Sache nur insoweit berücksichtigt, 
als zum Verständnis der Technik nötig ist. Es hat recht schwer gehalten, 
in kurzer Zeit das zusammenzubringen, was die Sammlung bei ihrer Eröffnung
        

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