Title:
Das K. Württembergische Landes-Gewerbemuseum in Stuttgart
Creator:
Württemberg. Landesgewerbeamt Gaupp, Robert Gärttner, Oskar von Dolmetsch, Heinrich Knoblauch, August Petzendorfer, Ludwig
Shelfmark:
1Aa 147
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1484296054802/16/
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sondern auch erlaubt werden, einzelne Stücke, die sie als Muster benützen 
wollen, auf kurze Zeit und gegen Sicherheitsleistung für Zurückgabe in 
unverdorbenem Zustand in ihre Werkstätten zu nehmen. Die Muster von 
Geflechtwaren sodann könnten für die Zentralleitung des Wohlthätigkeits- 
Vereins zum Gebrauch für die Industrieschulen von Interesse sein, und endlich 
die lackierten Holzwaren könnten mehreren Gewerbetreibenden, namentlich 
in Esslingen, dienlich und im übrigen wie die Teppichmuster zu behandeln 
sein. Den nächsten Vorteil der Mustersammlung erblickte der Ausschuss 
darin, dass sie den Sinn und Eifer für geschmackvollere und sorgfältigere 
Arbeit zu wecken geeignet sei. 
»Was jetzt hauptsächlich ins Auge zu fassen sein möchte,« berichtet 
der Ausschuss weiter, »ist Vorbereitung für einen — wie wir hoffen nicht 
sehr fernen — besseren Zustand, Vorbereitung durch Erhaltung und Be 
lebung der bestehenden Industrie durch Förderung gründlicher Bildung, 
welche den Sinn und die Fähigkeiten für Industrie in grösserem Umfang 
entwickelt und durch das Bemühen der h. Zollvereins-Regierungen, den bis 
her einzelnen Warengattungen zugestandenen Zollschutz auch den übrigen 
Artikeln zu teil werden zu lassen, um den Absatz nach aussen auf gleiche 
Weise, wie es von den Staaten geschieht, mit deren Erzeugnissen die deutsche 
Industrie zu konkurrieren hat, zu erleichtern und zu sichern.« — 
In die gleiche Zeit fällt auch der Vorschlag des Professors der Tech 
nologie, Dr. Volz an der Universität Tübingen, dahin gehend, es sollen, 
da es den Gewerben des Landes hauptsächlich an der rechten Geschmacks 
bildung fehle, von der Gesellschaft für Beförderung der Gewerbe in Ver 
bindung mit den Lokalgewerbevereinen Muster von Fabrikaten angeschafft 
werden, welche nach wechselndem Turnus das Land zu durchwandern hätten 
und nach zurückgelegtem Turnus an ebenfalls wechselnden Orten zu ver 
steigern wären; dabei wurden zugleich einzelne Gegenstände zu solchen 
Musteranschatfungen empfohlen. 
Der Ausschuss der Gesellschaft für Beförderung der Gewerbe berichtete 
hierauf am 6. September 1845,*) dass darüber kein Zweifel bestehe, dass die 
Anschauung trefflicher Muster von grösstem Nutzen für den Gewerbetreiben 
den sei, selbst in dem Falle noch, wenn es ihm an gründlicher theoretischer 
Vorbildung fehle, und dass Zeichnungen nie dasselbe gewähren, dass man 
sich aber von dieser Anschauung guter Vorbilder so lange nur einen halben, 
vielleicht zum Teil gar keinen Nutzen versprechen könne, als der Be 
schauende nicht zugleich auf die Vorzüge und Schönheiten des Gegenstandes 
aufmerksam gemacht oder seine Meinung, es liege hier etwas Unerreichbares 
vor, nicht glücklich bekämpft werden könne. Von guten Mustern lasse sich 
nur dann eine glückliche ausgedehnte Wirksamkeit erwarten, wenn sie von 
zweckmässigen, berichtigenden und anregenden Erläuterungen Solcher begleitet 
*) Anm. Wir gehen auf diesen Bericht näher ein, weil er zeigt, wie schon damals die Klagen 
des Gewerbes und die Ratschläge, wie denselben abzuhelfen wäre, dieselben waren, wie heute.
        

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