Title:
Das K. Württembergische Landes-Gewerbemuseum in Stuttgart
Creator:
Württemberg. Landesgewerbeamt Gaupp, Robert Gärttner, Oskar von Dolmetsch, Heinrich Knoblauch, August Petzendorfer, Ludwig
Shelfmark:
1Aa 147
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1484296054802/17/
werden, zu welchen die Gewerbetreibenden Vertrauen haben, weshalb die 
Gesellschaft für Beförderung der Gewerbe auch auf Vermehrung von Lokal- 
und Bezirksgewerbevereinen, an welchen die Gewerbetreibenden selbst näheren 
Anteil nehmen, hinzuwirken trachte. 
Von allen Seiten erheben sich Klagen über sinkenden Wohlstand, be 
sonders in den Klassen der kleineren Gewerbsleute und dass dieselben nur 
allzu begründet seien, würde, auch wenn der Augenschein es nicht lehrte, 
aus dem traurigen Umstande zu entnehmen sein, dass ein beträchtlicher Teil 
dessen, was die Fabriken dem Handwerker nicht rauben, von der konkur 
rierenden Handwerkerindustrie des zollvereinten oder nicht zollvereinten 
Auslandes entzogen werde. Es wurde als Beispiel angeführt, dass die aus 
12 Meistern bestehende Stuttgarter Hutmacherzunft vor 5 oder 6 Jahren noch 
mit 30 Gesellen gearbeitet habe, diese Zahl aber infolge Andringens aus 
ländischer Hüte auf 5 bis 6 herabgegangen sei. Andere Mittel zu allmäh 
licher Beseitigung dieses bedauerlichen Zustandes werden sich wohl zunächst 
nicht auffinden lassen, als die eines mit wachsender Sorgfalt auf die tech 
nischen Gewerbe berechneten Schulunterrichts, der speziellen Pflege und 
Einwirkung auf einzelne besonders notleidende Gewerbe und etwa der 
Assoziation einzelner tüchtiger Gewerbsgenossen zu einem fabrikartigen 
Geschäftsbetrieb, wofern hiebei die notwendigen Garantieen sich vereinigt 
fänden. 
Wenn man nun speziell den Zweck der Pflege der Einwirkung auf 
einzelne Gewerbe hier ins Auge fasse, so werde dem Bestreben, den Ge 
werben durch Bekanntmachung mit guten Mustern zu Hilfe zu kommen, 
notwendig eine genaue Kognition der dermaligen Zustände derselben voran 
gehen müssen. Hiemit müsste ein dieser Aufgabe gewachsener Staatsdiener 
(als welcher M. Mohl bezeichnet wurde), welcher mit den Gewerbevereinen 
hiezu ins Benehmen zu treten hätte, durch eigene Anschauung und münd 
liche Besprechung sich die Kenntnis des dermaligen Zustandes unserer Ge 
werbe verschaffen, und auf der hiedurch gewonnenen Grundlage würden die 
Mittel gegen die bestehenden Gebrechen zu prüfen sein, und unter diesen 
würde sich die Herbeischaffung geeigneter Muster aus dem Auslande in 
erster Linie empfehlen. Eine derartige Mustersammlung würde aber zur 
Aufstellung ein Lokal in Anspruch nehmen, das bis jetzt nicht vorhanden 
sei, und es entstünde daher die Frage, ob die K. Regierung nicht eine zu 
solchem Zweck geeignete Räumlichkeit anweisen könnte, welche zugleich 
einen andern Gedanken, womit sich die Gesellschaft schon beschäftigt habe, 
herbeiführen würde, dass nämlich Gewerbetreibende des Landes jeweilig von 
ihren Erzeugnissen einzusenden aufgefordert würden, und man dadurch in 
den Stand gesetzt wäre, die gegenwärtige Stufe derselben zu beurteilen und 
auch auf deren Verbesserung Einfluss zu üben. 
Die in diesem Berichte des Gesellschafts-Ausschusses beantragte Unter 
suchung der betreffenden Gewerbe und ihrer Betriebsweisen durch einen 
Staatsbeamten hielten die K. Ministerien des Innern und der Finanzen nicht
        

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