Full text: Das K. Württembergische Landes-Gewerbemuseum in Stuttgart

38 
der Punzierung des Leders mit Werkzeugen und Proben in den verschiedenen 
Stadien der Ausführung, eine Sammlung von Fabrikaten des Faponeisen- 
walzwerks L. Mannstädt & Co. in Kalk bei Köln. — Zur elektrischen Be 
leuchtung des Museums wurden in diesem Jahr mittelst 4 Dynamos 16 Bogen 
lampen von zusammen 8600 Kerzenstärke und 79 Glühlampen von zusammen 
2250 Kerzenstärke verwendet. 
Das Jahr 1891 brachte die Erwerbung der sog. Bälzschen Samm 
lung. Es ist dies die bekannte, mit bewunderungswürdiger Sorgfalt und 
Sachkenntnis zusammengetragene Sammlung alter und moderner japanischer 
Kunst- und Kunstgewerbe-Erzeugnisse des Geheimen Hofrats Dr. Erwin Bälz, 
eines geborenen Württembergers, Professors der Medizin an der Universität 
in Tokio, Japan, welche schon seit 1885 im Museum aufbewahrt gewesen 
(s. o. S. 29) und seitdem gleich den andern Museumsgegenständen mit grösster 
Liberalität des Eigentümers dem Publikum zur Verfügung gestellt, auch von 
allen Freunden des Kunstgewerbes immer mehr geschätzt und benützt worden 
war, nunmehr aber Dank der Liberalität der K. Staatsregierung und dem 
freundlichen, patriotischen und uneigennützigen Entgegenkommen des Pro 
fessors Bälz in das Eigentum des Landesgewerbemuseums übergegangen ist. 
Die zunächst erworbene Sammlung umfasst nahezu 3300 Nummern aus 
sämtlichen Gebieten der Kunstindustrie, auf welchen Japan sich auszeichnet, 
darunter sehr viele alte Erzeugnisse der besten Zeiten, wie sie jetzt kaum 
mehr zu erwerben sind, und deren Wert dadurch noch bedeutend erhöht ist, 
dass sie grossenteils von sachverständigen Seiten nach Herkunft und Alter 
bestimmt sind. Diese Sammlung enthält ungefähr 270 Fabrikate aus Porzellan, 
Steingut, Fayence (Satsuma Fayencen), 500 Fabrikate in Bronze und andern 
Metallen, in Email Cloisonne, mit Gold und Silber tauschiert, getrieben und 
ziseliert, 650 Waffen, Waffenteile und Rüstungsgeräte, 100 verschiedene 
Messergriffe, 300 reiche Lackarbeiten, 150 Gegenstände aus Elfenbein, Horn, 
Schildkrot, 220 Stück Spielzeuge, Puppen, 70 Kultusgegenstände, 150 alte 
Stickereien auf Seide, Goldbrokate, 500 Coupons verschiedener Gewebe, 
12 Druckformen u. a. m. 
Wie sehr diese Erzeugnisse durch ihre vollendete Ausführung schon bisher 
unserer Industrie als wertvolle Vorbilder gedient haben, ergiebt sich am besten 
aus der Thatsache, dass während der erst kurzen Dauer ihrer Ausstellung 
(1885—91) — neben der vielfachen Verwendung der einzelnen Stücke zum 
Studium im Museum selbst — nicht weniger als 4284 Ausleihungen davon 
an 240 Personen und 19 Gewerbevereine stattgefunden haben. 
Zur Erwerbung dieser Sammlung gesellte sich zwei Jahre später die 
Erwerbung der weiteren in ihrer Art ebenso bedeutenden Bälzschen Kunst 
sammlung, einer grossen, im ganzen nahezu 4000 Nummern umfassenden 
Sammlung japanischer Bilder und Handzeichnungen (Heiligenbilder, Götzen-, 
Drachen-, Tier-, Blumen-, Landschaftsbilder) auf Papier und Seide gemalt, 
sog. Kakemonos (an Stäben montierte Bilder) und Makimonos (Rollenbilder), 
teils aus uralten berühmten Malerschulen (Schule des Yamato, Shiübun,
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.