Full text: Das K. Württembergische Landes-Gewerbemuseum in Stuttgart

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1860 erschien ein Nachtrag zum ersten Katalog, die Bibliothek wurde 
in das Erdgeschoss der Legionskaserne (Marienstrasse) verlegt und die Be 
stellung eines besonderen Bibliothekars (Göriz) erwies sich als notwendig. 
1867 erschien wieder ein neuer Katalog, dem eine erweiterte, die Be 
stände von 1848—73 umfassende zweite Auflage im Jahre 1874 folgte, nach 
dem der Nachtrag von 1870 vergriffen war. Dieser neue Katalog erhielt 
im Jahre 1889 wiederum einen Nachtrag. 
Kunstbibliothek. Bald nach dem ins Leben treten des Musterlagers 
hatte sich das Bedürfnis herausgestellt, den Industriellen des Landes eine 
Uebersicht über die aus alter und neuer Zeit vorhandenen Leistungen in 
Schaffung schöner Formen und zweckmässiger Einrichtungen vor Augen zu 
stellen und zu diesem Zweck eine Sammlung mustergültiger Vorlagen und 
Zeichenwerke zugänglich zu machen. Die Abonnements auf die in Paris 
herausgegebenen Werke: Album de sieges und Album de teintures sind als 
Grundlage zur Kunstbibliothek zu betrachten, die in der Folge eifrig ver 
mehrt und gepflegt wurde. Naturgemäss entwickelte sich dieser Zweig der 
K. Zentralstelle, der von dem seit 1852 an der Anstalt thätigen Inspektor 
Bär verwaltet wurde, anfangs langsam, da die Anschaffungen kostspielig 
waren, und mehrere Jahre lang war ein einziger Schrank, gefüllt mit dem 
nötigsten Material die Herberge der jetzt so bedeutenden Sammlung von 
Kunstwerken. Mit der Zeit aber drang die Kunde von der Existenz dieser 
ersten derartigen öffentlichen Sammlung in Deutschland in die Kreise der 
Antiquariatsbuchhandlungen und von allen Seiten —. namentlich auch aus 
England — kamen Angebote von geeigneten Kunstwerken zu Preisen, welche 
dem damaligen geringen Absatz entsprechend billig waren. Diese vorteil 
haften Kaufgelegenheiten wurden denn auch eifrig nach Massgabe der zur 
Verfügung stehenden Mittel benützt und wir verdanken jenen Zeiten einen 
grossen Teil der wertvollsten Schätze unserer Bibliothek. Wohl mochte 
manche dieser Erwerbungen damals Zweifel über ihre Verwertungsfähigkeit 
aufsteigen machen, aber der Erfolg hat gezeigt, dass das weitblickende Auge 
des Mannes, der an der Spitze der K. Zentralstelle stand, mit scharfem Blicke 
das sah, was andern verborgen blieb. So kann z. B. konstatiert werden, 
dass eine Anschaffung von Werken aus dem Gebiete der Länder- und 
Völkerkunde, die im Jahre 1860 stattfand, ganz ausserordentliche Wirkung 
gehabt hat. Jene Werke wurden damals und werden bis auf den heutigen 
Tag von Illustratoren häufig benützt; dieser Ausnützung der trefflichen 
Vorbilder kann z. B. die vorzügliche illustrative Ausstattung der Jugend 
schriften zugeschrieben werden, welche so grossen Anklang gefunden und 
dem Stuttgarter Verlag auf diesem Gebiete ein so weites Absatzfeld er 
öffnet hat. 
Wertvolle kunstwissenschaftliche Werke in fremden Sprachen wurden 
durch handschriftliche Uebersetzungen dem Sprachunkundigen näher gebracht 
und nicht uninteressant dürfte es sein, daran zu erinnern, dass z. B. einer
	        

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