Title:
Das K. Württembergische Landes-Gewerbemuseum in Stuttgart
Creator:
Württemberg. Landesgewerbeamt Gaupp, Robert Gärttner, Oskar von Dolmetsch, Heinrich Knoblauch, August Petzendorfer, Ludwig
Shelfmark:
1Aa 147
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1484296054802/59/
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der hervorragendsten Publikationen in russischer Sprache eine deutsche Ueber- 
setzung des ehemaligen ungarischen Generals v. Görgei in Handschrift an 
gebunden ist. Die Grenzen in Bezug auf die Fächer der für die Kunst 
bibliothek anzuschaffenden Werke waren weit gesteckt; Zeichnungen und 
als Vorbilder sich eignende Publikationen für alle Gewerbe und Künste, 
Kostüme u. s. w. fanden eine ihrer Nutzbarmachung dienende Stätte hier 
ebenso wie Reisewerke und solche über Naturwissenschaft, welche den 
Künstlern und graphischen Gewerben Anregung zu geben geeignet waren. 
Freilich durften die Schätze nicht ängstlich gehütet werden wie dies 
bei Bibliotheken von mehr konservierender Tendenz der Fall ist; im Gegen 
teil war es nur durch liberale Bedingungen und möglichste Erleichterung 
der Ausleiheformalitäten möglich, die Gewerbetreibenden an die Benützung 
und Zurateziehung der Kunstbibliothek zu gewöhnen. Manchen Bibliothekar 
mag ein gelindes Grausen beschleichen, wenn er vernimmt, dass eines der 
teuersten Werke, das seit dem Jahre 1857 im Erscheinen begriffen und leider 
heute noch nicht vollständig ist, »Niccolini, Le Case ed i Monumenti di 
Pompei« mit seinem ersten Bande bereits im dritten Einband sitzt. Wer 
aber die Sache vom praktischen Standpunkt ansieht, der wird sich sagen, 
dass hier ein eklatanter Fall vorliegt, wie die emsige Forscherarbeit der 
Archäologen ihren praktischen Nutzen bringt. Das Exemplar in unserer 
Bibliothek hat infolge seiner Ausbeutung durch die Dekorationsmaler mehr 
zur Popularisierung pompeianischen Lebens und Stiles beigetragen, als 
20 Exemplare, welche sorgsam gehütet in den Schränken anderer Biblio 
theken stehen und nur manchmal durch einen Gelehrten für kurze Zeit 
ihrer Ruhe entrissen werden. Besonders wichtige Werke wurden auch in 
mehreren Exemplaren angeschafft. 
Damit aber kennzeichnet sich am besten die Art der Wirksamkeit 
unserer Bibliothek und wenn auch infolge des Anwachsens des Verkehrs 
und der Nachfrage manche Konzessionen, die früher den Bibliothekbenützern 
unbedenklich zugestanden werden konnten, heutzutage bestimmteren Satzungen 
weichen mussten, so ist die Tendenz im allgemeinen doch die gleiche ge 
blieben. 
1876 erschien ein Katalog der Kunstbibliothek im Druck. 
Lehrmittelsammlung. Die Weltausstellung zu London im Jahre 
1851 wirkte belebend auf alle industriellen Verhältnisse Deutschlands und 
in erster Linie ist es Württemberg, das sich die jenseits des Kanales gefun 
denen Schätze zu erwerben und für das eigene Land fruchtbar zu machen 
wusste. Aber nicht nur in industrieller Beziehung war London eine Fund 
grube wertvoller Vorbilder, sondern auch die dort ausgestellten Unterrichts 
mittel zeigten den deutschen gegenüber eine Ueberlegenheit, die sie der 
Nachahmung wert erscheinen Hess. So wurde bei jener Gelegenheit nament 
lich eine Anzahl von Wandbildern für den Anschauungsunterricht erworben, 
deren praktische Bedeutung von den Engländern bereits anerkannt war,
        

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