Title:
Das K. Württembergische Landes-Gewerbemuseum in Stuttgart
Creator:
Württemberg. Landesgewerbeamt Gaupp, Robert Gärttner, Oskar von Dolmetsch, Heinrich Knoblauch, August Petzendorfer, Ludwig
Shelfmark:
1Aa 147
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1484296054802/67/
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Vorlagen das Hauptgewicht auf die ornamentalen Gebilde gelegt. Unter 
dieser Auffassung entstand in der Werkstätte der K. Zentralstelle eine 
Reihe von Ornamentmodell - Serien, welche auserlesene Motive aus den 
verschiedensten Stilarten darstellen. Dieselben erfreuten sich rasch einer 
wohlwollenden Aufnahme und eines Absatzes über die ganze Welt; waren 
sie doch viele Jahre hindurch die einzigen Lehrmittel dieser Art. Wenn 
dieselben heute noch in Benützung stehen, so ist dies ein Beweis, dass 
ihrer Schaffung ein pädagogisch richtiger Gedanke zu Grunde lag. 
Nun handelte es sich aber weiter darum, nicht bloss für vorgeschrittenere 
Schüler Vorlagen höherer Stufen, sondern auch für die verschiedenen ge 
werblichen Berufsklassen spezielle Vorbilder zu schaffen, um das ganze 
Material in der Sammlung der Gipsabgüsse zu ordnen. Hiebei ging man 
foUendermassen vor. Zunächst vereinigte man die ornamentalen Mo- 
delle (Kapitale, Säulenschäfte, Säulenfüsse, Friese und verzierte Gesimse, 
Konsolen, Rosetten, Füllungen, Baldachine, Krabben, Kreuzblumen etc.) in 
einer Hauptgruppe, welche nach Stilarten geordnet teils in einem Saal des 
ersten Obergeschosses der Legionskaserne in der Nähe des offenen Zeichen 
saals, teils in letzterem selbst untergebracht waren. Diese sog. Bauornamente 
sollten Architekten, Bautechnikern, Bildhauern, Modelleuren, Stukkatoren, 
Dekorationsmalern, Schreinern u. dergl. zum Gebrauch dienen, gleichzeitig 
aber auch den mit der dekorativen Kleinkunst zusammenhängenden Gebieten 
Anregung geben. 
Von.ganz besonderem Werte war auch die hier angereihte Sammlung 
von über Natur geformten Pflanzenabgüssen, welche nicht bloss zu 
vergleichenden Studien über die Beziehungen der Ornamentformen der ein 
zelnen Stilperioden zu den Naturformen, sondern auch zu einem eingehenden 
Studieren der letzteren selbst zu dienen geeignet sind. 
In der vorerwähnten Gruppe ornamentaler Modelle waren naturgemäss 
nur solche Gegenstände enthalten, welche einzelne Teile eines Ganzen bilden; 
die nächste Gruppe, »Gefässe und Geräte« führte die Gegenstände in 
ganzer Gestalt vor, wieder nach Stilarten geordnet. Derartige Ziergegen 
stände sollten dem Auge des Kunstgewerbetreibenden zeigen, wie durch 
massvolle Anwendung von Zierkunst ein sonst nüchterner Gebrauchsgegen 
stand unter Berücksichtigung seines Zweckes und der Eigenschaften seines 
Materials zu einem künstlerischen Gebilde erhoben werden kann. 
Wenn durch diese Gruppe den Bedürfnissen der Gold- und Silber 
schmiede, Graveure, Ziseleure, Bildhauer, Maler, Modelleure, Zeichner u. dergl. 
besondere Rechnung getragen wurde, so galt es weiter, den mit dem figür- 
lichen Gebiet sich beschäftigenden Bildhauern, Malern, Modelleuren, Stukka 
toren, Photographen, Lithographen, Holzschneidern, Zeichnern u. dergl. ein 
Vorbildermaterial vorzuführen, welches zwar nicht die hohe Kunst, aber das 
dekorativ-figürliche Gebiet aus allen Kunstperioden im allgemeinen umfassen 
soll. Dies führte zur Schaffung der Gruppe »Tiere« mit den Unterab 
teilungen »einzelne Tiere, Gruppen, Köpfe und Teile von Tieren, Relief
        

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