Full text: Das K. Württembergische Landes-Gewerbemuseum in Stuttgart

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2. Wie im letzten Dezennium die K. Zentralstelle durch Schöpfung und 
Erwerbung neuer Schulmodelle zur Hebung des Zeichenunterrichts thätig 
gewesen ist, so hat sie auch den Bedürfnissen der verschiedenen Gebiete 
des Kunsthandwerks in ihrer Sammlung der Gipsabgüsse nachzukommen 
sich bemüht. In dieser Richtung galt es vor allem, eine auf alle Einzel 
gebiete sich möglichst ausdehnende Ergänzung anzubahnen. 
Zur Durchführung solch grosser Aufgaben konnten jedoch die zur 
Verfügung stehenden mässigen Etatsmittel*) nicht ausreichen. Es blieb dem 
Präsidenten der K. Zentralstelle zur Erreichung des Zwecks, die Sammlung 
nach all den angegebenen Richtungen auszubilden, nichts anderes übrig, als 
mittelst allmählicher Ersparnisse von Zeit zu Zeit grössere Beträge für den 
fraglichen Zweck zu gewinnen. Hiedurch war es möglich, in Berlin, Paris, 
Wien, Genf, Dresden, München, Düsseldorf, Bremen, Hannover, Köln, Ulm, 
Stuttgart und anderen Orten grössere Einkäufe zu machen, die sich auf das 
Gebiet der architektonischen Dekoration, ganz besonders aber auf 
das der Kleinkunst erstreckten. Von der ersteren Gruppe erwähnen 
wir beispielsweise griechische und römische Kapitale, Akroterien, an mittel 
alterlichen Erwerbungen eine reiche Kollektion von Kapitalen, Konsolen, 
Friesen, Rosetten u. dergl. aus der im Uebergangsstil erbauten Pfarrkirche 
in Gelnhausen, sowie aus der frühgotischen Marienkirche zu Reutlingen 
und der Heiligkreuzkirche zu Schwäb. Gmünd hervor; ferner Repräsentanten 
von dekorativen Skulpturen französischer Kathedralen, sowie solche vom 
Kölner Dom, dem Stephansdom und der Votivkirche zu Wien, von der 
Stiftskirche in Stuttgart, von der Liebfrauenkirche zu Esslingen, der Kloster 
kirche in Blaubeuren, der Stadtkirche zu Schorndorf u. a. m. Auch die 
italienischen, französischen und deutschen Renaissance-Abteilungen wurden 
durch ornamentalen Schmuck verschiedenster Art bereichert, wovon einige 
nach den Aufnahmen des j- Architekten Karl Beisbarth polychrom be 
handelte Büsten und Konsolen des ehemaligen Lusthauses in Stuttgart 
hervorzuheben sind, deren Originale sich auf dem Schlosse Lichtenstein be 
finden; ferner Teile eines interessanten Kanzelpfostens von der Kirche zu 
Plochingen, zwei Karyatiden und dekorative Engelbrustbilder von der Stadt 
kirche zu Freudenstadt, Architekturstücke vom Schloss in Merseburg, wie 
auch eine grosse Kollektion Abgüsse von der reich geschnitzten Holzdecke 
im Schlosse zu Jever und von interessanten Schnitzwerken an einem Hause 
in Delft. Auch die Gebiete des Barock-, Rokoko-, Zopf- und Empire-Stils 
wurden durch viele Abgüsse nach alten Holz- und Stuckskulpturen ergänzt, 
darunter eine frühere Rokoko-Decke vom Schlosse in Tettnang. — Endlich 
wurde der ebenfalls im Programm der Sammlung stehenden modernen Ab 
teilung eine vielfache Bereicherung zugeführt, z. B. durch zwei interessante 
Hermen vom j- Gedon in München und eine Anzahl meisterhaft modellierter 
Ornamente des J- Bildhauers Rösch in Stuttgart. 
*) In Kapitel 38 Titel 9 des Hauptfinanzetats 1895/97 sind für die Sammlung der Gipsabgüsse 
jährlich nur 800 M. vorgesehen.
	        

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