Title:
Das K. Württembergische Landes-Gewerbemuseum in Stuttgart
Creator:
Württemberg. Landesgewerbeamt Gaupp, Robert Gärttner, Oskar von Dolmetsch, Heinrich Knoblauch, August Petzendorfer, Ludwig
Shelfmark:
1Aa 147
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1484296054802/79/
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wurde, herzustellen, und andererseits den Gipsformator mehr als bisher für 
die kunstgewerblichen Abteilungen der Sammlung der Gipsabgüsse arbeiten 
lassen. 
Um auch das Imitieren farbiger Gegenstände zu erlernen, 
wurde der Formator an die Modellierwerkstätte des K. K. österreichischen 
Museums für Kunst und Industrie in Wien gesandt, und hat seitdem dieses 
Verfahren schon an einer stattlichen Anzahl unserer Sammlungsmodelle aus 
geführt und zwar in anerkannt vollkommener Weise. Wir heben aus der 
grossen Zahl der neueren Arbeiten nur folgende hervor, und zwar zunächst 
von Metallgegenständen: eine grössere Zahl orientalischer Watfen und 
Gefässe aus einer berühmten Privatsammlung, den Abguss des im Besitze 
der Stadt Kirchheim u. T. befindlichen, höchst eigenartigen gotischen Pokals 
von Konrad Wiederhold, die Kopie eines mit Metallbeschläg überzogenen 
Teils einer Thüre der Weissgerberkirche in Wien nach den Entwürfen des 
J Dombaumeisters Freiherrn Fr. v. Schmidt. Als ganz hervorragende Arbeit 
gilt aber die in Gemeinschaft mit dem Landeskonservator zur Ausführung 
gebrachte Kopie des berühmten in Goldblech und reichstem Emailschmuck 
ausgeführten romanischen Antependiums in der Klosterkirche des Schlosses 
zu Komburg bei Schwäbisch Hall. Aus der Zeit der Renaissance endlich 
wurde ein interessanter heraldischer Fries von einem aus der Hand des 
Peter Vischer herrührenden bronzenen Grabdenkmale in Ansbach wieder 
gegeben. 
Unter den nach Holzskulpturen geformten Abgüssen sind zwei 
lebensgrosse Figuren, zwei Brustbilder und eine Büste, sowie sonstige einzelne 
Teile von dem berühmten spätgotischen Hochaltäre der Stadtkirche zu Besig 
heim, der Kopf und das Lendentuch eines alten in Holz geschnitzten Kruzi- 
fixus in der Kirche zu Uhlbach, ein der Renaissancezeit angehöriger, aus 
elf einzelnen Reliefs bestehender biblischer Bildercyklus aus dem ober 
schwäbischen Kloster zu Ochsenhausen und endlich verschiedene figürliche 
und ornamentale Abgüsse von Möbelteilen aus verschiedener Zeit, besonders 
von Stuhllehnen aus dem 17. und 18. Jahrhundert zu nennen. Nach Stein 
skulpturen wurden geformt: Die oberste Kreuzblume auf dem Turmhelm 
der Frauenkirche in Esslingen und eine grosse Anzahl von Krabben und 
kleineren Kreuzblumen, Konsolen, Knäufen u. dergl. von demselben Bauwerk, 
die interessantesten Gewölbeschlusssteine in der Stuttgarter Stiftskirche — 
die letzteren mit Ueberwindung grosser technischer Schwierigkeiten —, ver 
schiedene Köpfe des f Bildhauers Rösch, welche sich für den Zeichen- und 
Modellierunterricht vorzüglich eignen. Schliesslich ist zu erwähnen die 
Herbeiziehung von Arbeiten der talentvollsten Lehrlinge aus ihrem Schul 
unterricht im Modellieren (so z. B. das württembergische Wappen in Hoch 
relief von dem Lehrling Bezner). 
So hat sich das Institut allmählich aus einer Formerei für Herstellung 
von Schulmodellen zu einer nach verschiedenen Richtungen selbständig 
thätigen Werkstätte entwickelt.
        

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