Full text : Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

92

BAUZEITUNG

NE.  12

schimmernde  Töne
eigentlich  noch  weit
besseren  Reiz  als  das
„echte“  Grün.  Zudem ­
  geht  alles  Grün
der  Anlagen  vortrefflich ­
  in  der  Farbe
damit  zusammen,  der
wilde  Wein  zum
Beispiel  ganz  wunderschön ­
  sowohl  in
seinem  Sommer-  wie
in  seinem  Herbstgewand. ­
  Der  Geist
des  Ockers  macht
aber  vor  den  Türen
nicht  Halt,  er  verbrüdert ­
  sich  nur
mit  „Lehmgelb“  und
„Steingrau“,  um
durch  die  Treppenausgänge ­
  bis  in  die
„Säle“  zu  dringen,  wo  ihn  höchstens  die  schwächlich  gebrochenen ­
  Rosa-  oder  Resedatöne  ahlösen.  Und  die  Möbel?
Nußbaumimitation  und  Eichenimitation,  wenn  man  das
Ergebnis  wilden  Herumfahrens  mit  einem  Pinsel  voll  Ruß
auf  einem  dunkleren  oder  helleren  Grunde  so  nennen  kann
Wie  selten,  daß  man  das  Holz  in  seiner  natürlichen
Schönheit  sehen  läßt  oder  aber  es  mit  einem  ruhigen  und
schönen  Earbentone  ehrlich  zndeckt!
Möge  man  dort,  wo  die  Macht  ist,  unsre  bescheidene
Anregung  nicht  unbeachtet  lassen.  Worauf  wir  hinaus
wollen,  das  ist  hier  so  gut  wie  anderswo  nicht  nur  ästhetische, ­
  sondern  auch  ethische  Kultur,  sofern  die  Beachtung
aller  Seiten  des  Berufes  zur  ethischen  Kultur  gehört,
In  unserm  Falle:  des  ärztlichen  Berufes,  denn  das  ruhige
Behagen,  das  eine  harmonisch  schöne  Farhenstimmung
verbreitet,  auch  wenn  man  nicht  weiß,  woher  sie  kommt,
gehört  zur  Hygiene.  Wenn  erst  mehr  Krankenhäuser
so  ausgestattet  sind,  wird  man  kaum  mehr  begreifen
können,  daß  man  den  bisherigen  Unfug  so  lange  ertrug.
Und  noch  eins:  warum  ist  ein  plastisches  Kunstwerk  in
unsern  Krankenhäusern  geradezu  eine  Seltenheit?  Gesetzt,
daß  sich’s  um  eine  fromme  Stiftung  handle:  wo,  beispielsweise, ­
  kann  ein  schöner  segnender  Christus  stärker  wirken
als  am  Ende  eines  langen  Wandelganges  im  Krankenhause? ­
  Und  wenn  Gestalten  aus  dem  biblischen  Kreise
nicht  am  Platze  scheinen,  warum  stiftet  so  selten  ein
Kunstfreund  irgendeine  andre  Skulptur  einem  Krankenhause ­
  dorthin,  wo  die  Erholungsuchenden  mit  guter  Muße
lange  und  immer  wieder  in  ihrer  Nähe  verweilen  würden?
Ernste  und  vielleicht  mehr  noch  heitere  plastische  Figuren
und  Gruppen  gehören  in  die  Gänge  und  in  die  Gärten
unsrer  Anstalten.  Es  brauchten  auch  keine  Originalwerke, ­
  es  könnten  sogar  fürs  erste  ganz  wohl  Abformungen ­
  in  billigem  Material  sein.  Aber  Abformungen
guter  Werke,  z.  B.  die  bemalten  Kopien  nach  den  Reliefs
von  Deila  Robbia,  die  jetzt  gut  und  billig  zu  haben  sind.
Nicht  etwa  die  bei  Piepenbrinks  so  beliebten  Zwerge
oder  Rehe  oder  Pilze  aus  Ton,  wie  ich  aller  Vorsicht
halber  ja  noch  betonen  möchte.  W.  R.
DAS  LAGERHAUS  IN  STUTTGART-OSTHEIM
ARCHITEKT:  PROF.  THEODOR  FISCHER-STUTTGART
Das  Eisenwarenfabriklager  Ostheim  wurde  von  Professor
Theodor  Fischer  in  Stuttgart  erbaut  und  nach  dessen  Entwurf ­
  und  Plänen  durch  die  Firma  Luipold  &  Schneider,
Zivilingenieure,  technisches  Bureau  und  Unternehmung  für
Eisenbetonbau  Stuttgart  und  Lindau,  in  Eisenbetonkonstruktion ­
  ausgeführt.  Der  Bau  dient  als  Lager  für
Eisenwaren.  Das  Erdgeschoß  enthält  die  Bureaus  und
den  Packraum  mit  Verladerampe.  Die  Waren  lagern  inGefächern,

  welche  bis
unter  die  Decke  reichen. ­
  Die  äußere  Gestaltung ­
  des  Baues
entsprang  dem  inneren ­
  Zwecke.  Die
Stockwerkshöhen
wurden  so  niedrig
bemessen,  daß  die
obersten  Gefächer
unter  der  Decke  noch
bequem  zu  erreichen
sind.  Bei  dem  System
der  Fächer  war  die
Lichtfragebesonders
schwierig;  dieselbe
wurde  durch  die
laternenartige  Anordnung ­
  der  Fenster
zweckmäßig  gelöst.
Deren  Anbringung
dicht  unter  der  Decke
ermöglichte  es,  einerseits  die  Außenwände  für  Wandfächer
auszunutzen,  und  anderseits  begünstigte  sie  den  Lichteinfall. ­
  Das  eigenartige,  zweimal  zurückgesetzte  Dach
gestattete  dessen  größtmöglichste  Ausnutzung  und,  ohne
die  zulässige  Gebäudehöhe  zu  überschreiten,  konnten  in
demselben  zwei  Stockwerke  untergebracht  werden.  Daß
es  dem  Architekten  gelang,  trotz  der  Raumausnutzung
das  unästhetische,  bei  Fabrik-  und  Lagerbauten  leider
besonders  üblich  gewordene  flache  Dach  mit  der  Plattform ­
  zu  vermeiden,  dürfte  ein  besonderes  Verdienst  sein.
Die  äußere  Behandlung  des  Baues  besteht  aus  Putz.  Die
Bauzeit  betrug  D/a  Monate,  der  Kubikmeter  umbauten
Raumes  stellte  sich  auf  14  M.  (Schluss  folgt)
DIE  BAUGEWERBLICHE  AUSSTELLUNG  IM
LANDESGEWERBEMUSEUM  ZU  STUTTGART
Das  „Gewerbeblatt  aus  Württemberg,  herausgegeben
von  der  Kgl.  Zentralstelle  für  Handel  und  Gewerbe“
teilt  über  diese  Ausstellung  folgendes  mit:
„Neben  einer  Reihe  andrer  Sonderausstellungen  wurde
von  der  Zentralstelle  in  den  letzten  Wochen  auch  eine
solche  für  das  Baugewerbe  im  Landesgewerbemuseum
eingerichtet.  Die  Ausstellung,  welche  dauernd  ist,  wurde
nach  den  Entwürfen  von  Prof.  Paul  Schmohl,  dem
Vorstand  der  /Beratungsstelle  für  das  Baugewerbe',  ausgeführt. ­
  Diese  hat  die  Ergänzung  und  Weiterführung
der  Ausstellung  zu  besorgen;  auch  wird  von  ihr  jederzeit
bereitwilligst  Auskunft  erteilt  über  die  ausgestellten
Materialien  und  Konstruktionen.
Wie  bei  allen  derartigen  Ausstellungen,  so  war  es  auch
hier  nicht  möglich,  nur  völlig  Neues,  noch  nie  Dagewesenes
zur  Vorführung  zu  bringen.  Ganz  besonders  ist  es  nicht
möglich,  solchen  Architekten  und  Baumeistern  hier  Neues
vorzuzeigen,  die  das  Feld  ihrer  Tätigkeit  in  der  Großstadt ­
  haben  und  für  die  es  eine  Leichtigkeit  ist,  sich  mit
dem  Neuesten,  was  auf  ihrem  Gebiet  geboten  wird,  bekannt ­
  zu  machen.  Für  sie  ist  die  Ausstellung  auch  nicht
gedacht,  sondern  für  diejenigen  Baumeister  und  sonstigen
Baugewerbetreibenden,  die  abseits  von  der  Großstadt
ihren  Beruf  ausüben  und  für  die  es  schon  Schwierigkeiten ­
  bereitet,  über  neue  Materialien  und  deren  Verwendung ­
  zuverlässig  unterrichtet  zu  werden,  ja  für  die
es  oft  geradezu  unmöglich  ist,  neue  Konstruktionen
während  der  Ausführung,  das  heißt  in  einem  Stadium,  in
welchem  der  Gang  der  Konstruktion  klar  zu  erkennen  ist,
zu  besichtigen.  Meist  lernen  sie  Neuerungen  nur  durch
Anpreisungen  der  Fabrikanten  kennen,  die  ja  naturgemäß
einseitig  sind.  Was  die  äußeren  Gebäudeformen  und  die
technische  Behandlung  des  hier  verwendeten  Materials
anlangt,  so  ist  auf  Reisen  in  größeren  Städten  allerdings

Lagerhaus  Stuttgart-Ostheim.  Architekt  Professor  Th.  FiscHBR-Stuttgart.  Eisenbetonkonstruktionen
  und  Bauausführung:  Civilingenieure  Lüipold  &  ScHNBiDEK-Stuttgart
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.