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Die Karolingerzeit
Bistümer und 16 bayrische Klöster, von außerbayrischen noch Ell—
wangen und St. Denis bei Paris zu)). Die Ellwanger Mönche traten
auch in Gebetsverbrüderung mit denen von St. Gallen und von Rei—
chenau“). Das St. Galler Buch ist 812 begonnen; das Kloster stand in
Verbindung mit 27 geistlichen Genossenschaften. In der Verbrüderungs—
liste werden aus Ellwangen neben den Äbten 36 priesterliche Mönche,
140 Diakonen und 1 Subdiakon namentlich angeführt. Wenn diese auch
nicht gleichzeitig im Kloster lebten, erweist doch die Menge der Verzeich—
neten die beträchtliche Zahl der Klosterbrüder. Zur Reichenauer Gebets—
gemeinschaft zählten gegen 100 Klöster und Stifter aus dem ganzen
fränkischen Reiche, aus Deutschland, Frankreich und Italien, darunter
auch Ellwangen und die diesem benachbarten Gotteshäuser Feucht-
wangen und Herrieden. Das Verbrüderungsbuch von Reichenau wurde
326 hergestellt und dann fortgesetzt. Ein Buch mit den Listen der Ver⸗
hrüderten muß auch in Ellwangen gewesen sein; es ist längst ver—
loren gegangen.
Hariolf war also jedenfalls noch im Jahre 7849 am Leben; er starb
an einem 12. oder 13. August und wurde in Ellwangen begraben. Sein
Gedächtnis blieb im Kloster hochgeehrt; Ermenrich, der später sein
Leben beschrieb, verfaßte auch eine poetische Grabschrift für ihn“). Ihm
folgten als Äbte Wictarp, der aufgefordert worden sein soll, Bischof
von Augsburg zu werden'), ferner Erfman und Sindolt GSindolf
oder Sinold) nach'?).
Jedenfalls blühte Ellwangen wie viele andere königliche Klöster
dieser Zeit wirtschaftlich auf. Als Kaiser Ludwig der Fromme nach den
) Mon. Germ. hist. Necrologia II2 p. 131, Eintrag von erster Hand unter den episcopi
vivi: Hariolfus epspiscopus) et c(ongregatio) ipsius. — * Libri contfraternitatum sSancti
Jalli aAugiensis Fabariensis IPfäfers] edidit Paulus Piper. Mon. Germ. hist., 1884, Spalte
111114 ISt. Gallen], 444445 sReichenau]. — 9) Nicht wahrscheinlich ist, daß er noch im
Jahr 814 eine Reise zu Kaiser Ludwig nach Aachen unternommen habe: die Urkunde
Wirt. Urk.B. I S. 79 Nr. 71 muß überarbeitet sein.
) Ppitaphium B. Hariolti: Clauduntur tumulo hoc Hariotti antistitis ossa. / Hunc
ui fundavit iure locum proprio, / Pluribus erexit felix feliciter annis, / Wieterhoque
bius liquid honoris onus. / Sic posstquam templi structuras istius almi. Jast uti cernen-
dum, sanxerat ad placitum, / Idihus Augusti resolutus somate plasti Psrchen dans
urano sarxea sicque sablo. / Presulis hec magni loca menbra fovent Narilolfi. / Qui
spernens mundum vertitur in monachum. Cal. et Necr. Elv.: August 12 Hariolti epis-
copi fundatoris huius loci. Franz Joseph Schwarz a. a. O. S. 11: „Bis zum 11. Juli 1663
ruhten seine und Erlolfs Gebeine mitten im Chor der Kirche. An diesem Tage wurden
sie, in einen hölzernen Schrein eingeschlossen, hinter einer Holzverschalung in der Chor—
nische deponiert, wo sie bis Dezember 1877 verblieben. Jetzt ruhen sie zu Füßen der sie
darstellenden Erztafel, in einem romanischen Steinsarkophag in dem linken Querschifflügel.“
*) Chronicon Elvacense: Post Hariolfum ahbas primus sanctus Viterhus in episcopum
Augustanum postulatus est, ut prior ipse Hariolfus in episcopum Lingoniensem post
obitum fratis Erlolti. — Cal. et Necr. Elv.“ März N Wiecterhus abhas obh. nostre congre-
gationis. August 13. Wiberti confessoris. odem die depositio Als Bischof von Auasbura
wird er sonst nicht erwähnt.
6) Libri confraternitatum Spalte 111: Sindoltus abb. Erfman abb. Spalte 422 XNo-
mina vero quae Liutbrandus archiepiscopus nobis transmisit: . . . Spalte 424 IHIarioltus
eps. Wicterp abb. Sindoltus abb. — Cal et Neécr. Elv.: Mära 5 Sindoltfus abbas ob
ndostre congregationis.