19. Mai 1906
BAUZEITUNG
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Pokale an den Verein, eines goldenen seitens des Bauwerkmeisters
Alb. Brinzinger-Eßlingen und eines silbernen
durch Direktor Dessecker-Heilbronn namens der Heilbronner
Kollegen. Für die wertvollen Gaben drückte
der Vorstand seinen Dank aus und widmete den Stiftern
den Ehrentrunk. An das Festmahl schloß sich ein Bankett,
das, durch einen Prolog eröffnet, einen frohen und gemüt-Brunnen
im Platanenhain zu Darmstadt von Professor Olbrich
(Aus Kochs „Darmstadt, eine Stätte moderner Kunstbestrebungen“)
liehen Verlauf nahm. Den Höhepunkt der Unterhaltung
bildete ein von W. Krems verfaßtes Festspiel „Die Vorbildungsfrage“.
Der Singchor der „Bauhütte“ trug durch
seine trefflichen Vorträge zum Gelingen des Abends bei,
dessen Abschluß ein Ball machte. Der Verfasser des
Festspiels hatte auch seine schriftstellerische Begabung
Skizze zu einem kleinen Bassin in geneigten Terrain, ausgefiihrt in
Stein mit polychromem Bassinboden. (Aus „Olbrichs Ideen“, Verlag
Baumgärtner - Leipzig)
durch die Verfassung der Festschrift betätigt, die der
Verein aus Anlaß seines Jubiläums in würdiger Ausstattung
erscheinen ließ und den Fcstteilnehmern als
Erinnerung widmete. Die Festschrift, mit den Bildern
der seitherigen Vereinsvorstände (Brinzinger-Eßlingen,
Clemens-Tübingen, Dessecker-Heilbronn, Rebmann-Stuttgart)
sowie denjenigen der seitherigen Ehrenmitglieder
des Vereins (Hofbaudirektor v. Egle, VI ünsterbauraeister
Professor Dr. v. Beyer, Baurat Professor Stahl, Oberbaurat
Professor Walter) geschmückt, enthält eine ausführliche
Geschichte des Vereins, Verzeichnisse der Mitglieder
der Landes- und Kreisausschüsse, eine Uebersicht
über die Landesversammlungen und eine Totenliste
des Vereins.
Den geschäftlichen Beratungen, die im großen
Saal des Bürgermuseums stattfanden, war der Montagvormittag
gewidmet. Landesvorstand Rebmann begrüßte
die zahlreich erschienenen Teilnehmer, insbesondere den
als Vertreter der Kgl. Zentralstelle für Gewerbe und
Handel anwesenden Oberregierungsrat v. Mayer, und gedachte
der im letzten Jahre dahingeschiedenen Kollegen,
namentlich des Ehrenmitglieds Oberbaurat Walter. Mit
Genugtuung wurde die Mitteilung entgegengenommen,
daß in die zu errichtende Kgl. Beratungsstelle für das
Baugewerbe 4 bis 5 Mitglieder des Vereins berufen werden
sollen, ebenso zur Gewerbelehrerfrage mit Befriedigung
von der Absicht der Regierung Kenntnis genommen, zu
Gewerbelehrern hauptsächlich Techniker zu ernennen.
Nachdem der Vorsitzende über die weiteren Vorgänge
des Vereinsjahrs kurz berichtet, nahm Oberregierungsrat
v. Mayer das Wort, um dem Verein namens der Zentralstelle
und ihres Präsidenten v. Mosthaf herzliche Glückwünsche
zum Jubiläum auszusprechen. Er schloß mit
dem Wunsch, daß der Verein weiterblühen und gedeihen
möge nicht nur zum Segen für die Ausführenden, sondern
auch zu Nutz und Frommen der Baulustigen. Dem Dank
des Vorsitzenden an den Regierungsvertreter folgte die
Bekanntgabe des Kassenberichts durch den Landeskassier
E. Kühler-Göppingen, dem der Dank für seine Mühewaltung
ausgesprochen wurde. Zur Frage der Herbeiführung
einer Verbindung und gemeinsamen Verwaltung
des Bauwerkmeister-Vereins und des Bautechniker-Verbands
Württembergs, die aus den Kreisen der Mitglieder,
die gleichzeitig dem Bautechniker-Verband angehören,
angeregt wurde, ward zur weiteren Vorberatung eine
Kommission eingesetzt. Einen weiteren Gegenstand der
Beratung bildete der Bezug der „Bauzeitung“ für alle
Mitglieder. Nach längerer Aussprache wurde ein Antrag
des Landesausschusses angenommen, einer Kommission
die entsprechenden Verhandlungen mit dem Herausgeber
zu überlassen. Die Neuwahl des Landesausschusses ergab
die einstimmige Wiederwahl des bisherigen Vorstands
Rebmann-Stuttgart sowie des seitherigen Schriftführers
Ortsbaumeister Kreß-Feuerbach und des Landeskassiers
E. Kühler-Göppingen. Als Ort der nächsten Landesversammlung
wurde Hall bestimmt. Nachmittags fand
eine Festfahrt durch die Stadt und Umgebung über
Degerloch, Möhringen und Vaihingen nach der Solitude
statt, womit die ganze Feier, die auch vom
Wetter begünstigt war, einen hochbefriedigenden Abschluß
nahm.
Wir schließen unsern Bericht in der Hoffnung, daß
die bei dem Jubiläumsfeste zum Ausdruck gekommenen
Wünsche möglichst in Erfüllung gehen und die dabei
bekundete Einigkeit sich immer mehr festigen möge zum
AVohle des gesamten mittleren Technikerstandes! F.
Reiseskizzen
von Architekt Franz Köokle -Stuttgart
Interessante, leicht hingeworfene ßeiseskizzen hat uns
der Verfasser aus seinem Skizzenbuche freundlichst zur
Verfügung gestellt; wir glauben, daß dieselben manche
Anregung bringen werden. Gerade unsre heutige Zeit sucht
ja nach malerischen Motiven, die wir in diesen Skizzen in
reicher Anzahl finden. Ein paar bescheidene, doch originelle
und freundliche Kapellen veröffentlichen wir heute
(siehe Seite 160 und 161), weitere Abbildungen werden
wir folgen lassen.