Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085.4-3,1906
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1906/183/
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Eingang des Friedhofs in Ilsfeld 
Zement und Eisen bezw. aus Eisen und Beton zu erbauen; 
für Ziegelsteine ist jedenfalls der Zementmörtel nicht 
geeignet. Außerdem bieten dünne Wandungen bei einem 
Schornstein überhaupt keinen Vorteil; man spart an 
Baumaterial und verschwendet um so mehr Brennmaterial. 
Halten die Wandungen wärmer, so wird der Schornstein 
besser ziehen und an Brennmaterial gespart werden. 
Durch offene Fugen bläst der Wind hindurch und be 
einträchtigt den Zug. 
Die Ausblühungen des Zementmörtels, welche auf 
vorhandene Salze, die bei der Fabrikation in den Zement 
gelangen, zurückzuführen sind, kann man an zahlreichen 
Verblendsteinfronten beobachten. Ich habe wiederholt 
in meiner Praxis diese Erfahrungen gemacht, glaubte 
aber damals, wie so viele, es müsse an dem verwendeten 
Kalk oder an den Steinen liegen. Heute weiß ich aller 
dings, daß es der Zement ist; denn an den mit Kalk 
gefugten Fronten hat sich das Hebel nicht gezeigt. Man 
kann häufig genug sehen, daß die Flecke sich von den 
Zementfugen aus auch über den Stein ausbreiten. Damit 
stimmt auch überein, was Hasak hinsichtlich der Berliner 
Stadtbahn berichtet. Jedem aufmerksamen Beobachter 
sind die Ausblühungen an den Stadtbahnmauern und die 
schnelle Zerstörung der Verblendsteine daselbst bekannt. 
Fortwährend blättern die Ziegelsteine ab, dann werden 
sie herausgestemmt und an ihre Stelle neue in Zement 
mörtel versetzt. Nach einem Jahre ist alles wieder weiß, 
und im dritten Jahre beginnt aufs neue das Losblättern 
und Äbspalten der Steine. Die Techniker der Stadt 
bahnbauten wissen also immer noch nicht, worum es sich 
handelt. Die in dem Mörtel enthaltenen Salze scheinen 
besonders schlimm zu wirken, wenn sie feucht werden. 
Die Stadtbahnmauern sind aber nicht nur dem Schlag 
regen ausgesetzt, vielmehr sickert auch das Wasser von 
oben in den Pfeilern abwärts, mag der Bahndamm auch 
zum Teil entwässert sein. Schon das Aufsuchen der 
Fehler in der Entwässerung oder Isolierung wäre mit 
sehr bedeutenden Kosten verknüpft. Die Steine ver 
tragen diese Salze nicht; diese befördern die Verwitterung 
des Steins. Selbst Granitpfeiler beginnen an den Fugen 
zu verwittern, wenn sie in Zement versetzt sind, wie man 
gleichfalls an der Stadtbahn beobachten kann. 
Es ist mit Hecht betont worden, daß nicht jeder 
Zement diese Eigenschaft des.Ausblühens besitzt. Unter 
andern wurde von einem Sachverständigen ein Zement 
empfohlen, der arm an Tonerde ist. Dieser Zement, der 
sogenannte Eisenzement, der an Stelle der Tonerde Eisen 
oxyd enthalte, könne derartige Ausblühungen nicht hervor- 
rufen. Es würde also darauf ankommen, die verschiedenen 
Zemente hinsichtlich ihrer besonderen Eigenschaften einer 
speziellen Untersuchung zu unterwerfen. 
Und das ist denn auch in Anregung ge 
bracht worden. Diese Untersuchungen 
werden schon deshalb erforderlich, um 
all die vielen Differenzen, welche schon 
durch die Ausblühungen des Backstein 
mauerwerkes zwischen Baumeistern,’ 
Stein-, Kalk- und Zementfabrikanten ent 
standen sind, aus der Welt zu schäften. 
A Süddeutscher Holzmarkt 
Die auf allen Gebieten des gewerb 
lichen Lebens liervortretende Belebung 
des Verkehrs ging auch bei der Holz 
industrie nicht unbeeinflußt vorüber. Es 
ist eine nicht hinwegzuleugnende Tat 
sache, daß sich der Begehr nach Holz 
sogar wesentlich in letzter Zeit erweiterte. 
Nicht nur den Sägewerken flössen reich 
liche Neubestellungen zu, auch bei den 
Hobelwerken liefen Aufträge und Ab 
rufungen in befriedigender Zahl ein. Bei den meisten 
Werken konnte man deshalb einen flotten Betrieb be 
obachten. Die Sägen des Schwarzwalds heimsten haupt 
sächlich diejenigen Aufträge von den mittel- und nieder 
rheinischen Gebieten ein, bei denen längere Lieferfristen 
gestellt Werden konnten. Die mittel- und niederrheinischen 
Werke befaßten sich in der Hauptsache mit der An 
fertigung pressanter Bauhölzer. Dem regen Beschäf 
tigungsgrad und den teuern Bundholzpreisen entsprechend 
hielten sich die Preise der Bauhölzer auf hohem Niveau. 
Die Schreinereien legten große Kauflust an den Tag, 
und es wurden bei den Kleinhändlern daher ständig 
Bestellungen^ gemacht. Infolgedessen waren letztere 
immerwährend mit Kaufneigung am Markte, und es 
fanden auch ständig Kaufabschlüsse statt. Die Preise 
der rauhen Bretter lagen anhaltend sehr fest. Weder 
an den Produktionsplätzen noch an den Stapelplätzen 
konnten sich größere Vorräte ansammeln, und das An 
gebot hielt sich daher, namentlich was breite Bretter 
betrifft, in engen Bahnen. Nach den niederrheinischen 
und mittelrheinischen Stationen werden ununterbrochen 
Posten von Schnittwaren von den oberrheinischen Hafen 
plätzen zur Verladung gebracht. Der Großhandel ver 
langte zuletzt für die 100 Stück 16' 12" 1" Ausschuß 
bretter frei Schiff raittelrheinischer Station 139—140 M. 
Die rumänischen und bukowinischen Herkünfte, welche 
von den Schreinereien gerne wegen ihrer Reinheit ver 
arbeitet werden, sind ebenfalls nur in beschränkten Quan 
titäten am Markte und stehen im Preis ebenfalls hoch. 
Was gehobelte Bretter anlangt, so hat sich bisher der 
Begehr in belebten Bahnen gehalten. Nicht nur ameri 
kanische Provenienzen, sondern auch nordische fanden 
anhaltend gute Beachtung. Am knappsten war das An 
gebot von Pitcb-Pine- und Red-Pine-Riemen, die sicli 
durch hohe Preise auszeichneten. Frei Eisenbahnwagen 
Mannheim konnten zuletzt bei Abnahme ganzer Ladungen 
die 24/25 mm starken gehobelten Pitch-Pine-Riemen, prima 
Qualität, nicht unter 2,60 M. per Quadratmeter gekauft 
werden. Pitch-Pine stellten sich durchschnittlich um 
20 Pf. pro Quadratmeter billiger. Das Angebot in nor 
dischem Weißholz war wesentlich größer als in den 
amerikanischen Herkünften. Pitch - Pine-Bohlen fanden 
anhaltend gute Beachtung bei mäßigen Vorräten. 
—x Baupolizeiliche Entscheidung’ 
Ueber die Frage, ob die Baupolizeibehörde 
zur Behandlung zweckloser Baugesuche ver 
pflichtet ist, spricht sich eine Ministerialentscheidung 
vom 15. Juli 1904 Nr. 2614 wie folgt aus:
        

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