Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

176 
BAUZEITUNG 
Nr. 22 
Erfordernisse ein, die bei einer derartigen Anlage zu be 
rücksichtigen sind; u. a. gab er beachtenswerte Winke über 
die Anlage des Kontors, des Waschraumes, des Kessel 
hauses, über die Konstruktion des eigentlichen Fabrik 
raumes, ferner über Zahl und Lage der Treppen, deren 
Anordnung eine solche sein müsse, um eine rasche Ent 
leerung des Gebäudes zu ermöglichen. Neben einem in 
allen Teilen praktischen und klaren Grundriß soll aber 
auch der äußere Aufbau charakteristisch für ein Fabrik 
gebäude sein. Ehe der Preisrichter das Ergebnis ver 
kündigte, ging er noch auf die einzelnen Entwürfe näher 
ein, die er im allgemeinen als gute Lösungen bezeichnete. 
Auch an dieser Stelle sei Herrn Oberbaurat Jassoy für 
sein reges Interesse dem Akademischen Architekten- 
Yerein „Motiv“ gegenüber der wärmste Dank aus 
gesprochen. 
Wtirttembergischer Verein für Baukunde. In 
der 6. ordentlichen Versammlung am 26. Mai berichtete 
Baurat Kuhn eingehend über das Ergebnis der Kom 
missionsberatung hinsichtlich der Frage der Erweiterung 
des Programms der ßaugewerkschulen nach der 
künstlerischen Seite. Der Architekten- und Ingenieur- 
Verein in Breslau sowie die Vereinigung schlesischer 
Architekten zu Breslau hatten in der vorjährigen Heil- 
bronner Abgeordnetenversammlung des Verbands diese 
Frage angeregt, zu deren Aufstellung sie durch voran 
gegangene Zeitungsartikel der „Schlesischen Zeitung“ ver 
anlaßt worden waren. Obwohl die Frage damals in 
Heilbronn durch Zuruf einmütig abgelehnt wurde, legte 
man doch die ganze Angelegenheit noch dem Architektur 
ausschuß zur weiteren genaueren Bearbeitung vor; dieser 
sprach seine Meinung in einer Anzahl von Leitsätzen 
aus, die nun bei den Einzelvereinen zur Begutachtung die 
Runde machen. Nach Ansicht der Kommission kann 
der Württembergische Verein diesen Leitsätzen im all 
gemeinen zustimmen, wenn er auch mit der Begründung 
im einzelnen nicht durchweg einverstanden ist, vor allem 
was die Klagen über mangelhafte Ausbildung der Schüler 
in technischer und konstruktiver Hinsicht betrifft, da diese 
für die württembergische Schule in keiner Weise zu 
treffen. Alles in allem läuft die in den Leitsätzen ver 
tretene Anschauung darauf hinaus, daß an den Bau 
gewerkschulen zwar ein gewisses künstlerisches Niveau 
erreicht werden soll, daß aber die eigentliche Kunst 
erziehung Sache der Technischen Hochschulen sowie der 
Kunst- und Kunstgewerbeschuleu ist, zu denen begabteren 
Schülern der Weg ja offensteht. Hauptaufgabe der Bau 
gewerkschulen muß nach wie vor bleiben, den Schülern 
Vertrautsein mit den üblichen Konstruktionen, Baustoffen 
und einfachen Kunstformen der überlieferten guten — 
vorzugsweise heimischen — Bauweise beizubringen. Die 
Versammlung stimmte den Ausführungen der Kommission 
bei. Anschließend daran besprach Baurat Reihling 
sodann noch die neuerdings einreißende Gepflogenheit 
mancher Baugewerkschüler, die letzten Kurse nicht mehr 
mitzumachen und statt dessen sich ein oder zwei Semester 
an der Technischen Hochschule einschreiben zu lassen. 
Auf diese Weise werden weder Theoretiker noch Prak 
tiker noch Künstler erzielt und das Ergebnis zeige sich 
in der Regel bei den Prüfungen. Oberbaurat Zügel 
versprach, seinen Nachfolger auf diesen Punkt aufmerksam 
machen zu wollen. Nach diesen Besprechungen hielt 
Regierungsbaumeister Rimmeie -Stuttgart einen sehr 
ausführlichen Vortrag über den neuerdings von den beiden 
Herren Regierungsbaumeistern Dr.-Ing. Weyrauch-Berlin 
und Regierungsbaumeister Mayer-Hamburg — geborenen 
Stuttgartern — ausgearbeiteten Entwurf zu einem Durch- 
gangsbahnhof für Groß-Stuttgart, worüber in 
einer der nächsten Nummern der „Bauzeitung“ ein aus 
führlicher Bericht folgen soll. r. 
Deutscher Arbeitgeberbund für das Baugewerbe, 
E. V. InKrotoschin sind sämtliche Maurer und Zimmerer 
wegen Lohn- u. s. w. Differenzen am 14. Mai in den 
Streik getreten. In Bayreuth haben sämtliche Maurer, 
Steinhauer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter wegen Lohn 
differenzen die Arbeit niedergelegt. In Schwerin i. M. 
ist der größte Teil der Bauhandarbeiter in den Streik 
getreten,’ zum Teil sind dieselben entlassen. Durch den 
Ausstand sind auch die Maurer vielfach am Arbeiten 
verhindert, so daß alle größeren Bauten ruhen. In der 
ganzen Amtshauptmannschaft Zittau sind sämtliche 
organisierten Maurer, Zimmerer und Bauhandarbeiter am 
14. und 15. Mai in den Ausstand getreten und zum Teil 
entlassen. In Greifswald (Arbeitgeberverband für die 
Kreise Greifswald-Grimmen) sind am 19. Mai sämtliche 
Maurer und Bauhilfsarbeiter infolge bestehender Lohn 
differenzen ausgesperrt worden. In Bern bürg haben 
am 17. Mai die organisierten Zimmerer die Arbeit nieder 
gelegt. In Reichenbach i. V. sind nach vorauf 
gegangenem partiellen Streik sämtliche organisierten 
Maurer am 17. Mai ausgesperrt worden. In Weißen 
fels a. S. haben am 23. Mai die Bauhandarbeiter und 
in weiterer Folge davon auch die Maurer die Arbeit 
niedergelegt. In Guben haben sämtliche Bauhandarbeiter 
am 18. Mai die Arbeit niedergelegt. In Treuen - 
brietzen (Kr. Zauch-Belzig, Bez. Potsdam) haben die 
Maurer die Arbeit niedergelegt. In Erlangen haben 
die Maurer und Bauhilfsarbeiter die Arbeit niedergelegt, 
nachdem ihnen die verlangte Lohnerhöhung von nahezu 
20 bezw. 33 Prozent nicht gewährt wurde. In Hersfeld 
(Hessen-Nassau) haben die Maurer und Bauhilfsarbeiter 
am 19. Mai d. J. wegen Lohndifferenzen die Arbeit nieder 
gelegt. In Freiberg i. Schl, ist der am 21. April aus 
gebrochene Streik der Maurer und Zimmerer am 10. Mai 
durch Vergleich beendet. In Memmingen (Bayern)
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.