Volltext : Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

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BAUZEITUNG

Nr.  22

straße  zur  Errichtung.  Das  Gotteshaus  wird  1400  Sitzplätze ­
  enthalten  und  365000  M.  kosten.
Schorndorf.  Yon  der  Amtsversammlung  wurde  Stadtbaumeister ­
  Selm  er  zum  Oberamtsstraßenmeister  gewählt.
Von  der  Darrastädter  Künstlerkolonie.  Wie
das  „D.  Tgbl.“  meldet,  ist  Prof.  Olbrich  als  Mitglied
in  die  Internationale  Jury  der  Weltausstellung  in  Mailand ­
  gewählt  worden  und  nach  Mailand  abgereist.
Hannover.  Die  Technische  Hochschule  beging  am
25.  Mai  die  Feier  ihres  75jährigen  Bestehens.  Aus
diesem  Anlaß  wurde  der  Doctor  ing.  ehrenhalber  folgenden ­
  Herren  verliehen:  dem  Präsidenten  der  Akademie
der  Künste  zu  Berlin  Geh.  Regierungsrat  Prof.  J  o  h.
Otzen,  Geh.  Oberhaurat  Job.  Fälsch  er,  Ingenieur
Ernst  Körting-Hannover,  Geh.  Hofrat  E.  Arnold-Karlsruhe
  und  Prof.  Dr.  phil.  L.  Burmester-München.
Die  Technische  Hochschule  zu  Braunschweig  verlieh  ihrem
früheren  Schüler  Prof.  L.  Hottop-Hannover  ebenfalls
den  Doctor  ing.  ehrenhalber.
Dresden.  Wie  das  „Dresdn.  Journal“  meldet,  sind
mit  Genehmigung  des  Königs  der  Architekt  Prof.  Friedrich ­
  v.  Thiersch,  der  Bildhauer  Prof.  Joseph  Floßmann ­
  in  München  sowie  der  Maler  Prof.  Max  Liebermann ­
  in  Berlin  zu  Mitgliedern  der  Akademie  der  bildenden
Künste  in  Dresden  ernannt  worden.
Die  neue  Äugustusbrücke  in  Dresden  wird  nach
dem  Entwurf  von  Architekt  Wilhelm  Kreis  durch  das
städtische  Tiefbauamt  unter  Leitung  von  Oberbaurat
Klette  ausgeführt.  Mit  dem  Bau  soll  im  Herbst  dieses
Jahres  gleichzeitig  auf  beiden  Ufern  der  Elbe  begonnen
werden.  Die  Bauzeit  ist  auf  vier  Jahre  berechnet.
Eine  Erweiterung  des  Freihafens  in  Stettin
durch  Aushau  des  westlichen  Hafenbeckens  mit  einem
Kostenaufwand  von  ungefähr  4500000  M.  ist  beabsichtigt; ­
  die  erste  Baurate  von  rund  1200  000  M.  wurde  genehmigt. ­

Die  Eröffnung  des  Simplontunnels  fand  am
19.  Mai  in  Anwesenheit  des  Königs  von  Italien  und  des
Bundespräsidenten  der  Schweiz  mit  Feierlichkeiten  in
Brig  und  Domodossola  statt.
Ehrungen  von  Technikern.  Der  Verein  für  Eisenbahnkunde ­
  in  Berlin  hat  aus  Anlaß  der  erfolgten  Eröffnung ­
  des  Simplontunnels  die  beiden  Ingenieure,  denen
die  Oberleitung  der  Bauausführung  oblag,  Karl  Brandau
inlselle  und  Oberst  Locher  in  Brig,  zu  Ehrenmitgliedern
ernannt.
Joseph  Monier,  der  geistige  Urheber  des  Eisenbetons, ­
  ist  am  13.  März  d.  J.  in  Paris  im  Alter  von  83
Jahren  gestorben.  Obgleich  es  feststeht,  daß  schon  20
Jahre  früher  in  Frankreich  sowohl  wie  in  England  Verbundkörper ­
  aus  Eisen  und  Beton  patentiert  und  im  Bauwesen ­
  angewandt  worden  sind,  ist  doch  der  Name  Moniers
für  immer  mit  der  neuen  Bauweise  verbunden.  Monier
hat  mit  seinen  Unternehmungen  und  Anregungen  in  zahlreichen ­
  Kulturländern,  namentlich  auch  in  Deutschland
und  Oesterreich,  in  erfolgreicher  Weise  für  die  Ausbreitung ­
  und  Ausbildung  des  Eisenbetonbaues  gewirkt.
Während  der  „Monierbau“  seine  wissenschaftliche  Begründung ­
  und  Ausbildung  erfuhr  und  damit  erst  seinen
Platz  im  Bauwesen  von  ungeahnter  Bedeutung  errungen
hat,  ist  dem  Manne,  der  ohne  technische  Vorbildung  einen
starken  Anstoß  zu  seiner  Entwicklung  gegeben  hat,  der
äußere  Erfolg  nicht  immer  treugeblieben;  er  ist  in  dürftigen ­
  Verhältnissen  gestorben.
Personalien
Württemberg.  Befördert:  der  tit.  Baurat  Kuhn  bei  der
Domänendirektion  zum  Baurat.  Verliehen:  dem  Flußmeister
Enßle  bei  der  Straßen-  und  Wasserbauinspektion  Heilbronn  anläßlich ­
  der  erbetenen  Zuruhesetzung  das  Verdienstkreuz.  Uebertragen: ­
  die  Stelle  eines  Staatsstraßenmeisters  mit  dem  Sitz  in

Leutkiroh  dem  Bau  Werkmeister  und  Wasserbautechniker  Georg
Eipper  in  Ludwigsburg.
Kg'l.  Technische  Hochschule  Stuttgart.  Die  Diplomprüfung
für  das  Hüttenwesen  hat  mit  Erfolg  abgelegt  Paul  Hoß  von
Heidenheim;  demselben  wurde  der  Grad  eines  Diplom-Ingenieurs
erteilt.
Bücher
Moderne  Baufonnen.  Herausgegeben  von  M.  J.  Grad  1.  V.  Jahrgang. ­
  Heft  4  und  6.  Verlag  von  Julius  Hoffmann,  Stuttgart.  Preis
jährlich  für  12  Hefte  M.  24.—.
Das  vierte  Heft  der  reich  ausgestatteten  Zeitschrift  bringt  als
neue  Note  zahlreiche  Abbildungen  von  Entwürfen  und  zum  Teil
auch  von  ausgeführten  Arbeiten  eines  amerikanischen  „Wohnungskünstlers“. ­
  Der  erste  Eindruck,  daß  diese  interessanten  Arbeiten
einen  kleinen  Stich  ins  Exzentrische  hätten,  verwischt  sich  bei
näherer  Betrachtung  und  man  erkennt,  daß  in  diesen  Entwürfen
geradezu  eine  Fülle  von  anregenden  Einzelheiten  vorhanden  ist.
In  bezug  auf  Teilung  von  Flächen  und  auf  Zusammenschluß  eines
Raumes  kann  man  von  diesem  originellen  Amerikaner  vieles  lernen.
Das  Heft  4  führt  ferner  einen  jungen  schwedischen  Künstler,  Ferdinand ­
  Boberg,  seinen  deutschen  Kollegen  vor,  von  dem  noch  manches
Schöne  zu  erwarten  sein  wird.  Auch  F.  W.  Joohem  ist  mit  neuen
Arbeiten  vertreten  und  —  last  not  least  —  W.  Alexander  Harvey
mit  einfachen,  aber  mustergültigen  Landhäusern  in  Birmingham.  —
Das  6.  Heft  enthält  sehr  interessante  Abbildungen  von  neuen  Münchner ­
  Brückenbauten.  F.  von  Thiersch  und  unser  Theodor  Fischer
haben  in  der  Tat  ihr  Bestes  gegeben.  Besonders  die  neue  Luitpold-Brücke
  Fischers  ist  in  ihrer  ruhigen,  vornehmen  Einfachheit  geradezu
klassisch  zu  nennen,  und  die  Details  der  Max-Joseph-Brücke  zeigen
eine  klug  berechnete  und  doch  selbstverständlich  wirkende  Gliederung
der  Geländer  und  ein  Zurgeltungbringen  der  verwendeten  Skulpturen ­
  ,  die  gewiß  vorbildlich  wirken  werden.  Das  Heft  ist  überhaupt ­
  zum  größten  Teil  der  Münchner  Kunst  gewidmet:  es  zeigt
das  neue  Gebäude  der  „Münchner  Neuesten  Nachrichten“  in  vielen
Außen-  und  Innenansichten  und  führt  einen  jungen  begabten  Schüler
Martin  Dülfers,  den  Architekten  Paul  Ludwig  Troost,  den  Lesern
vor.  Seine  in  schwarzer  und  farbiger  Wiedergabe  elegant  wirkenden ­
  Innenräume  haben  einen  leichten  Einschlag  von  Barock  und
Biedermeier,  der  ihnen  ein  spezifisch  münchnerisohes  Gepräge  verleiht. ­
  Endlich  ist  unser  Stuttgarter  Prof.  G.  Halmhuber  mit  einem
farbigen  Entwurf  zu  einem  Gesellschaftssaal  und  wiederum  M.  Alexander ­
  Harvey  mit  zwei  farbigen  Außenansichten  des  Landhauses
„Alexander“  in  Moreley  vertreten.  F.  H.
„Stuttgarter  Mitteilungen  Uber  Kunst  und  Gewerbe“,  herausgegeben ­
  im  Auftrag  des  Württembergischen  Kunstgewerbe-Vereins
von  Dr.  Franck-Oberaspach,  Privatdozent  für  Kunstgeschichte.  Das
3.  Heft  des  laufenden  Jahrgangs  ist  fast  ausschließlich  der  „Frauenarbeit“ ­
  gewidmet.  Es  bringt  einen  Aufsatz  von  Frau  J.  Mayer  in
Stuttgart  über  „Das  neue  Frauenkleid“  mit  zahlreichen  Abbildungen
von  zum  Teil  hier  gefertigten  Reformkleidern.  Ein  Artikel  von
Fräulein  A.  Ganzenmüller  in  Stuttgart,  „Die  Bedeutung  der  Handarbeiten ­
  in  der  heutigen  Kunstentwicklung“,  zeigt  an  einer  Reihe
von  Illustrationen  den  künstlerischen  Aufschwung,  den  die  weibliche ­
  Handarbeit,  besonders  die  Stickerei,  unter  dem  Einfluß  der
Künstler  nahm.  Reallehrer  Hoffmann  weist  in  einem  Aufsatz  „Eine
schwäbische  Hausindustrie“  auf  die  Bedeutung  der  an  verschiedenen ­
  Orten  Schwabens  heimischen  Kunst  des  Spitzenklöppelns  und
ihre  künstlerischen  Entwioklungsmögliohkeiten  hin.  Außerdem  enthält ­
  das  Heft  noch  die  Artikel  „Eine  Ulmer  Goldschraiedearbeit“
von  Museumsdirektor  Braun  in  Troppau  und  „Ein  Blick  auf  die
amerikanische  Kunsterziehung“  von  W.  Eberbach  in  Heilbronn  sowie
geschäftliche  Mitteilungen  des  Vereins  über  das  verflossene  Vereinsjahr ­
  nebst  einer  Chronik  der  vom  Verein  während  desselben  veranstalteten ­
  zahlreichen  Ausstellungen,  von  denen  nur  die  Ausstellungen ­
  von  Olbrich,  Haustein,  Rochga,  Hollenberg  sowie  die
von  Arbeiten  Gmünder  und  dänischer  Künstler  und  Industrieller
erwähnt  seien.
Hierzu  eine  Bildbeilage;  Waisenhaus  Straßburg  i.  B.
Verantwort!.  Schriftleiter:  Adolf  Fatisel  in  Stuttgart.  Adresse  für  alle  Sendungen  :
Bauzeitung-Stuttgart,  Hegelstr.  6B.  Druck;  Deutsche  Verlags-Anstalt  in  Stuttgart
            
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