Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

9. Juni 1906 
BAUZEITUNG 
186 
genügender Grund nicht angesehen werden, den Umbau 
bezw. die in Rede stehende Decke zu betreten. Selbst 
die Ausrede des Bauherrn, der Unfall habe sich ereignet, 
als er mit dem Zimmerpolier in das Zimmer 
gegangen sei, um mit diesem die darin vor 
zunehmenden Zimmerarbeiten zu besprechen, 
war nicht zutreffend, und es ist auch die Rich 
tigkeit dieser Angabe nicht erwiesen worden. 
Es fehlt also in vorliegendem 
Falle jeder Beweis darüber, ob 
es „erforderlich“ war, daß der 
Hausbesitzer den umzubauenden 
Raum betreten „mußte“, und wenn 
dies der Fall, ob nicht ein andrer 
Zutritt zu dem Zimmer offen stand. 
„Wenn also Bauherren aus 
purer Neugierde Bauplätze be 
treten und hierbei Schaden er 
leiden, haben sie Ansprüche an 
den Bauunternehmer nicht zu 
stellen.“ W. S. 
Kloster auf dem Kapuziner 
berg in Salzburg. Reiseskizze 
von Arohit. Röckle-Stuttgart 
Y ereinsmitteilimgen 
AVürttembergiscber Baubeamteu-Verein. Jubi 
läum. Nächstdem sind es 40 Jahre, daß ein Mit 
begründer unsers Vereins den Dienst eines Bahnmeisters 
bei der Kgl. Württ. Eisenbahnverwaltung bekleidet, näm 
lich unser treues verehrtes Mitglied Funk in Hall, 
Bahnmeister seit 1866. Wir wünschen unserm Kollegen 
von Herzen Glück zu seinem Jubiläum, möge er noch 
viele Jahre in Gesundheit verleben dürfen. Bei diesem 
Anlaß dürfte auf die merkwürdige Tatsache hingewiesen 
werden, daß dieser Beamte 40 Jahre lang den 
selben Amtstitel führt. Ursache: Die Laufbahn der 
mittleren Techniker als Beamte ist noch nicht ausgebaut 
und dadurch auch deren Tätigkeit nicht entsprechend 
gewürdigt. Wir werden später Gelegenheit nehmen, 
hierauf ausführlicher zurückzukommen. 
Württembergischer Verein für Baukunde. An 
die Vereinsmitglieder! Wie in der 3. ordentlichen 
Versammlung am 10. Februar d. J. bekanntgegeben worden 
ist, findet vom 16. bis 21. Juli 1906 der VII. Inter 
nationale Architekten-Kongreß in London statt. 
Nach einer Mitteilung des Vorstands des Verbandes 
deutscher Architekten- und Ingenieur - Vereine vom 
30. Mai bewilligt die Französische Nordbahngesellschaft 
den Teilnehmern des Kongresses für die Reise über ihre 
Linien — mit und ohne Berührung von Paris — Preis 
ermäßigungen. Nähere Auskunft hierüber zu geben ist 
der Unterzeichnete, bei dem noch Programme für den 
Kongreß zu haben sind, bereit. 
Stuttgart, den 4. Juni 1906. 
Zügel, stellv. Vorsitzender. 
Wettbewerbe 
Kunstgewerbliches Preisausschreiben. In dem 
Wettbewerb der Firma C. W. Just & Co. für die Ein 
richtung eines Zigarrenladens im Hause Calwerstraße 16 
in Stuttgart (siehe Nr. 17 der „Bauztg.“) veröffentlichen 
die Preisrichter: Architekt J. Früh, Regierungsbaumeister 
CarlHeim, Prof. P.Schmohl jetzt das Ergebnis. Den I. Preis 
erhielt E. Körner, Schubartstr. 4 A, den II. Preis O. Maigier, 
Friedenstr. 2, den III. Preis H. Maier, Senefelderstr. 45, 
sämtlich in Stuttgart. Es waren 24 Entwürfe eingelaufen. 
Zur Erlangung von Plänen für die bauliche 
und gärtnerische Ausstattung eines städtischen 
Geländes (6,6 ha groß) in Biebrich a. Rh. wird ein 
Wettbewerb mit Frist bis zum 15. September d. J. aus 
geschrieben. Vier Preise von 1000, 800, 600 und 400 M. 
sind ausgesetzt. Die Unterlagen sind für 3 M. vom Stadt 
bauamt in Biebrich zu beziehen. 
Kleine Mitteilungen 
Württembergischer Kunstverein Stuttgart. Neu 
ausgestellt; 2 Porträte von E. Weißer; Isarniederungen 
bei Tölz von P. v. Ravenstein; 5 Landschaften von Felix 
Hollenberg; Hinter dem Vorhang, Variete, Komödianten, 
9 Blumenstücke von Amandus Faure; Der Darwinist von 
J. Marx; Genrebilder und Landschaften von W. Waentig; 
Interieurs von H. Lessing; Blumen und Stilleben von 
M. Grosche, J. Franck, H. Grünzweig; Heidedorf von 
A. Pfitzner; Spaziergang von Theod. Winter; Farbstift- 
zeichnuugen von Franz Degen; Farbige Radierungen 
französischer Künstler (II. Serie) u. s. w. 
Stuttgart. Der Gemeinderat hat sich in seiner 
Sitzung vom 31. Mai für ein wichtiges Projekt ent 
schieden, dessen Ausführung 2271000 M., ungerechnet 
die erheblichen Ausgaben für nötige Grunderwerbungen, 
kosten wird. Es handelt sich um die Verlängerung 
des Hauptsammelkanals und den Bau einer Klär 
anlage bei Hofen. Es sollen dadurch Mißstände, die 
durch die jetzige Art der Ableitung des Schmutzwassers 
in den Neckar hervorgerufen werden, beseitigt werden. 
Das Projekt zerfällt in drei Teile: 1. Hauptablaßkanal 
von der König-Karls-Brücke ab durch die Wilhelms 
vorstadt in Cannstatt an Münster vorbei entlang dem 
Vizinalsträßchen zwischen Münster und Hofen nach einem 
Grundstück bei Hofen. Dieser Kanal gilt als Fortsetzung 
des jetzigen Schmutzkanals, der bei Cannstatt in den 
Neckar mündet; 2. eine Schmutzwasserkläranlage im Ge 
wand Hofen; 3. ein Schmutzwasserkanal von der König- 
Karls-Brücke ab, der für das Baugebiet am linken Neckar 
ufer dienen soll. Dieser Kanal führt der Gasfabrik entlang 
am künftigen Schlachthaus vorbei sowie entlang der 
Wangener Straße nach Gaisburg. Seine Fortsetzung nach 
Wangen ist in Aussicht genommen, in dem vorliegenden 
Projekt jedoch noch nicht vorgesehen. In dem letzt 
genannten Gebiet soll das Regenwasser gesondert ab 
geleitet werden. Die ganze Kläranlage ist so einzurichten, 
daß sie für 470000 Seelen und eine Wassermenge von 
4,134 chm in der Sekunde genügen kann. 
Ebingen. Der Streik der Zimmerleute ist beendet. 
Berlin. Es werden jetzt noch nach San Francisco 
viele Offerten deutscher Firmen, namentlich in Bau 
material aller Art, in der Hoffnung gesandt, angesichts 
des großen Bedarfs mit Leichtigkeit Bestellungen zu er 
halten. Diesen Bemühungen ist indessen, wie eine 
offiziöse Mitteilung in der „Nordd. Allg. Ztg.“ besagt, 
nur dann Erfolg zu versprechen, wenn die deutschen 
Firmen, sofern sie nicht in San Francisco schon gut ein 
geführt sind, fachgewandte Vertreter nach dort
	        

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