Volltext: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

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BAUZEITUNG 
Nr. 28 
darstellen, sondern es hat auch eine ideale und praktische 
Bedeutung. Die Ruhlaer Gründung hat daneben den 
Zweck, eine empfindliche Lücke in der Kenntnis des 
deutschen Kunstgewerbes auszufüllen, in welcher Be 
ziehung es Thüringen so sehr fehlte, daß man an der 
Existenz eines thüringischen Kunsthandwerkes überhaupt 
zweifelte. Alte Schränke, Truhen und Laden, Waffen 
schmiede- und Messerschmiedeartikel, Porzellan und 
Trachten sollen in dem Museum untergebracht werden. 
Heilstätte der Stadt Leipzig im Yogtlaude. 
Am 21. Mai wurde die nach den Plänen der Architekten 
Reichel und Kühn in Leipzig mit einem Kostenaufwande 
von 700000 M. vom Rate der Stadt Leipzig errichtete 
Heilstätte Leipzig in Sorg hei Adorf i. V. ihrer Bestim 
mung übergeben. 
Hamburg. Die Michaeliskirche, der großen 
Hansestadt schönste Kirche, ist am 3. Juli einer ver 
heerenden Peuersbrunst zum Opfer gefallen. Mit ihr ist 
der Turm, Hamburgs ältestes Wahrzeichen, der allen von 
See kommenden Schiffen schon aus der Ferne winkte, in 
Schutt gesunken. In drei Stunden zehrten die Flammen 
auf, was ein großer Baugeist, Sonnin, in zwölf Jahren 
— von 1750 bis 1762 — gebaut hat. Dieses Werk war 
das schönste an Architektur, was Hamburg besaß. Seine 
alten Kirchen sind ja von jeher dem Lose verfallen ge 
wesen, das nun auch die Michaeliskirche ereilt hat. Wie 
eigenartig war diese Michaeliskirche! Aus rohen, ver 
dunkelten Ziegelsteinen in Barockform gebaut, stand sie, 
trotz ihrer großen Verhältnisse zierlich, über der um 
gebenden Nachbarschaft alter Häuser. Die Portale und 
Fenster schmiegten ihr reiches Steinwerk leicht und luftig 
hinein. Das Innere war ein einziger großer Raum ohne 
Säulen. Er faßte etwa 3000 Menschen. Bemerkenswert 
waren außer der Formgebung der Stuckornamente im 
Rokokostil die Orgel, ein in Italien gearbeiteter Tauf 
stein aus Marmor sowie das Altarbild von J. H. Tisch 
bein. Unter der Kirche befand sich ein begehbares 
Grabgewölbe mit 269 größtenteils gefüllten Gräbern. Der 
Turm war 130 m hoch. Unter der Kuppel war eine 
hohle Säule. Durch sie sah man bis auf den Grund des 
Turmes, und hier machte der Physiker Benzenberg den 
Versuch, mit fallenden Kugeln die Drehung der Erde 
von Westen nach Osten festzustellen. Das Dach war 
mit Kupfer gedeckt, und das Alter hatte eine feine Patina, 
wie Reif, darüber gelegt. So stand der Turm hoch über 
Hafen und Stadt, bevor er der Katastrophe anheimfiel. 
Neuester Meldung zufolge wird die Michaeliskirche an 
derselben Stelle in ihrer alten Gestalt wieder aufgebaut 
werden. Senat und Bürgerschaft haben beschlossen, eine 
Kommission zu ernennen, welche die baldige Wieder 
errichtung der Michaeliskirche in die Wege leiten soll. 
Die Möglichkeit ist vorhanden, da die alten Baupläne 
noch existieren. Der Senat will aus dem Kupfer und 
den übrigen Metallresten der abgebrannten Kirche Gedenk 
münzen, deren Ertrag für den Neubau der Kirche ver 
wendet werden soll, prägen lassen. Im Jahre 1842 nach 
dem großen Brande prägte Hamburg aus dem Glocken 
metall ähnliche Münzen. 
Berner-Alpemlurchsticli. Der Große Rat von Bern 
hat am 27. Juni einstimmig (!) den Beschlußentwurf der 
Regierung (bezw, des großen Initiativkomitees) betreffend 
Ausführung der normalspurigen Bahn über den Lötsch- 
berg (Frutigen-Biel) angenommen. 
Personalien 
Württemberg. Uebertragen; die Stelle eines etatsmäßigen 
Regierungsbaumeisters im Bezirksdienst der Straßen- und Wasser 
bauverwaltung dem Regierungsbaumeister Brehra in Reutlingen. 
Raden. Ernannt: Regierungsbaumeister Wern er in Bruch 
sal zum Militärbauiuspektor unter Ueberweisung als tecbn. Hilfs 
arbeiter zur Intendantur des XYI. Armeekorps. 
Hessen. Ernannt: der ordentliche Professor an der Tech 
nischen Hochschule zu Darmstadt, Geh. Baurat M. Gutermuth, 
für die Zeit vom 1. September 1906 bis 31. August 1907 zum Rektor 
der genannten Hochschule. 
Bücher 
Die Verlagsanstalt Charles Coleman, Lübeck, bringt zwei 
neue Architekturwerke modernen Charakters. Das erstere: „Haus 
eingänge, Dielen und Vestibüle“, umfaßt zehn flott gezeich 
nete Innenperspektiven des durch seine Wohn- und Geschäftshaus 
entwürfe bekannten Architekten Oskar Eischer. Mit Recht wird 
heutzutage großes Gewicht auf eine angemessen wohnliche Aus 
stattung der Räume, welche von außen zu den Wohnräumen über 
leiten, gelegt. So ist es denn mit Freuden zu begrüßen, daß ein 
namhafter Architekt dieses wichtige Gebiet in einer Reihe von 
Entwürfen eingehend bearbeitet hat. Besonders hervorzuheben ist, 
daß das Werk nicht allein Vorbilder für Dielenanlagen gibt, sondern 
daß es auch Treppenanlagen, Hausvorplätze, Eingangshallen und 
Vestibüle für Privathäuser und Hotels in verschiedenster Aus 
stattung bringt. Das zweite; „Moderne herrschaftliche 
Landhäuser“, ist eine Sammlung vollständig ausgearbeiteter 
Entwürfe moderner Familienwohnhäuser, teils einfacher, vorwiegend 
aber reicher, vornehmer Ausstattung. Es sind reife Arbeiten eines 
tüchtigen Künstlers und Zeichners. Zu jedem Entwürfe ist der 
ausgearbeitete Grundriß beigegeben mit einem kurzen Text, welcher 
auf Zweck und Absicht hinweist. Die äußere Gestaltung ist durch 
perspektivische Zeichnung zur Darstellung gebracht, wodurch die 
klare, charaktervolle Hauptform, auf welche der Künstler das 
Hauptgewicht gelegt hat, voll zur Geltung kommt. Daneben ist 
aber die originelle, vorwiegend moderne Detailbehandlung bedeut 
sam, dieselbe ist bei der Größe der Zeichnung bis ins kleinste klar 
erkennbar. Das Werk wird jedem Architekten und Baumeister 
interessant und nützlich sein. Der Preis jedes der beiden Werke 
beträgt 6 M. 
Internationales Archiv für Schulhygiene (Wilhelm Engelmann, 
Verlag, Leipzig, Mittelstraße 2). Unter Mitwikrung zahlreicher 
Gelehrter in allen europäischen und außereuropäischen Ländern 
herausgegeben von Le Docteur Alb. Mathieu, Medeoin des hopitaux 
de Paris, Sir Lauder Brunton, L. L. D.; M. D. ; D. Sc.; F. R. C. P.; 
F. R. S. Consulting physioian to St. Bartholomew’s Hospital and 
College in London, Dr. med. Axel .Tohannessen, Universitätsprofessor 
in Christiania, Dr. med. et phil. Herrn. Griesbach, Professor und 
Uuiversitätsdozent Mülhausen-Basel, gesohäftsführendem Redakteur. 
Der erste Band des Internationalen Archivs für Schulhygiene ist 
abgeschlossen. Mit jedem der herausgegebenen Hefte stellte sich 
immer mehr heraus, daß das Erscheinen der Zeitschrift bei der 
Entwicklung der schulhygienisohen Wissenschaft einem dringenden 
Bedürfnis auf dem Gebiete der Hygiene entspricht. Viele Regie 
rungen , Schulverwaltungen und städtische Behörden Deutschlands 
und des Auslands, insbesondere diejenigen mit schulärztlichem 
Dienst, sowie zahlreiche Bibliotheken, Institute und gelehrte Ge 
sellschaften erachten das Archiv als ein willkommenes und unent 
behrliches Faohorgan und sind darauf abonniert. Ganz besonderer 
Beachtung erfreuen sich die im Archiv veröffentlichten schul 
hygienischen Jahresberichte, welche, von hervorragenden Fach 
männern verfaßt, ein übersichtliches Bild der schulhygienischen 
Literatur aller Nationen darbieten. 
Das Archiv erscheint in Heften von etwa 10 Bogen Umfang. Der 
Preis eines 40 Bogen starken Bandes des Archivs beträgt 30 M.; 
einzelne Hefte sind zu erhöhten Preisen käuflich. Einzelne Hefte 
werden auf Wunsch franko zur Einsicht versandt, müssen aber, 
wenn sie nicht behalten werden, innerhalb acht Tagen nach Emp 
fang franko an die Verlagsbuchhandlung zurückgesandt werden. 
Den Mitgliedern des „Deutschen Vereins für Volksgesundheits 
pflege“ und seiner Kartellvereine außerhalb Deutschlands wird das 
Archiv für 25 M, für den Band geliefert. Alle Anfragen sind an 
den geschäftsführenden Redakteur des Archivs zu richten. Adresse : 
Dr. med. et phil. H. Griesbach, Professor und Universitätsdozent, 
Mülhausen-Basel. Wohnsitz: Mülhausen (Elsaß), Ludwigstraße 3. 
Verantwort!. Schriftleiter: Adolf Fausel in Stuttgart. Adresse für alle Sendungen : 
Bauzeitung-Stuttgart, Hegelstr. 68. Druck: Deutsche Verlags-Anstalt in Stuttgart
	        

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