Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085.4-3,1906
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1906/285/
Nr. 34 
BAUZEITUNG 
268 
: ■ . 
6 
a/e/Mcy 
Entwurf zu einer Diele 
Architekt .Richard Gebhardt, Stuttgart 
hundert brachte die bekannte Massenproduktion und mit 
ihr die rücksichtslos auf den Effekt gehende Einzelarbeit. 
An die Stelle des Eigenhauses trat die Mietswohnung 
mit ihrer billigen Tapete, mit ihrer Herrschaft des Weiß. 
Dem gesteigerten Bedarfe kamen in Paris und London 
die großen Magazine entgegen, die alles zur Zimmer 
einrichtung Nötige vorrätig hielten, so daß eine Einheit 
lichkeit möglich wurde. Deutschland und Oesterreich 
schlossen sich an. Nun erschienen die Weltausstellungen 
und Kunstausstellungen mit der Darbietung ganzer Innen 
räume (1873, 1876, 1879). Zuerst führte man das 
sogenannte Altdeutsche weiter, in mehr ruhiger und har 
monischer Weise. Bald kam dann die Wählerei der 
Stile: des Eokoko für Boudoirs und Tanzsäle, der Gotik 
für Jagdzimmer, des Orientalischen für Herrenzimmer 
und dergleichen mehr. 
Eine besondere Bolle spielte dabei die 1873er Aus 
stellung. Wir lesen in dem erinnerungsreichen Buche: 
„Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873“ 
von J. Falke (Wien 1873), Seite 427 ff., die Ver 
kündigung des Prinzips, daß die Schönheit und Güte 
der einzelnen Gegen 
stände nicht der einzige 
und nicht der höchste 
Gradmesser des Ge 
schmacks sei und daß 
die Zusammenstellung 
dieser Gegenstände zur 
Harmonie, die ganze 
Dekoration, das künst 
lerische, geschmackvolle 
Arrangement der Woh- 
nung höher stehe. Jene 
Ausstellung habe den 
großen Fortschritt er 
geben, daß überhaupt 
nicht bloß die einzelne 
Arbeit, sondern die 
Wohnung als solche, als 
ein harmonisches Kunst 
werk Ausstellungsge 
genstand geworden sei. 
Schon die Tapeten 
fabriken haben diesmal, 
so führt der Verfasser aus, durchgängig ihren Glanz in 
einer Dekoration der ganzen Wandfläche u. s. w. Das 
Verdienst dieser glücklichen Wendung müsse vor allem 
Professor Fischbach zugeschrieben werden. Eine Beihe 
vollständig eingerichteter Zimmer sei in einer abge 
schlossenen Kollektivausstellung der Wiener Tapezierer 
vorgeführt, mit einer Zuwendung zur Benaissance. Auch 
andre Nationen seien gekommen, die Franzosen ins 
besondere mit verschiedenen Stilen für die verschiedenen 
Bäume. Als das Höchste jedoch, was die Weltaus 
stellung in Dekoration und Ausstattung der Wohnung 
geboten habe, bezeichnet Falke den von Gubitz ent 
worfenen und erbauten österreichischen Kaiserpavillon. 
Einen besonderen Buck nach vorwärts hat die an 
gewandte Kunst im Jahre 1897 bekommen, als die 
VII. internationale Kunstausstellung im Königl. Glas 
palast zu München kleine Interieurs brachte, wie man 
sie vorher noch kaum gesehen hatte. Sie bedeuteten 
sozusagen eine Ueberraschung; und Schreiber dieser 
Zeilen nimmt ihre Wiedergabe im Kataloge von damals 
immer wieder gerne zur Hand. Es waren dies Bäume 
mit Ausstattungen von 
Theodor Fischer und 
Martin Dülfer und mit 
Teilarbeiten von Fritz 
Erler, von Bichard Bie- 
merschmied, von Karl 
Ule u. a.: zwei eigent 
liche Zimmer, ein Vor 
raum in Empire, ein 
arabisches Zimmer von 
Perd. Bredt. Sie machen 
keineswegs den Ein 
druck, daß sie auf Wirk 
lichkeit berechnet seien, 
daß sie etwa sagen 
wollten: so sollte ein 
Zimmer aussehen. Viel 
eher ist ihr Eindruck der 
eines Phantasiespieles. 
Dazu kommt noch, daß 
sie in ziemlich großer 
Eile zusammengestellt 
waren. Und außer diesen 
«Oft*? 
-X~U ~ 
m
        

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