Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

8. September 1906 
BAUZEITUNG 
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die Herstellung des richtigen Mischungsverhält 
nisses durch besondere, von der Straßenbau 
verwaltung gestellte Aufseher sorgfältig über 
wacht. Es gelang in achtzehn Arbeitstagen alle 
fünf Gewölbe mit einem Meßgehalt von 2050 chm 
fertigzustellen. Das Betonieren erfolgte in 1,18 m 
breiten Gewölbestreifen, deren jeder Bogen 
32 Stück zählte. Die Betonschichten der ein 
zelnen Gewölbestreifen wurden nicht über 15 cm 
hoch genommen, da sich höhere Schichten bei 
dem rauhen Material als unzulässig heraus 
stellten. Der Beton für jeden Streifen wurde 
zunächst auf eine Pritsche gekippt, dort, sofern 
er sich entmischt hatte, frisch durchgearbeitet, 
sodann in die Schalung geschaufelt, dort ver- 
ebnet und sodann durch sechs Mann in der 
üblichen taktmäßigen Weise gestampft. Man 
brauchte so 5 bis 6 Stunden zur Herstellung eines Ge 
wölbestreifens mit 12 bis 14 cbm Beton. Im ganzen 
waren täglich für das Gewölbehetonieren 140 Arbeiter 
notwendig. 
Die Wirkung der Betonlast auf die Lehrgerüste wurde 
bei jedem Bogen an sechs Lattengestellen zweimal täg 
lich kontrolliert. Die Senkungen blieben überall in den 
Grenzen der Ueherhöhung. 
Am 10. Oktober 1904 wurde mit dem Aufbau der 
Eahrbahnpfeilerchen begonnen, die zum Zweck einer 
gleichmäßigen Belastung der Gewölbe nach einer be 
stimmten Reihenfolge ausgeführt werden mußten. Diese 
Arbeit, die besonders wegen der schwierigen Einschalung 
der Pfeilerchen und der zwischenliegenden Tonnengewölbe 
sehr viel Zeit in Anspruch nahm, dauerte bis 10. No 
vember. Das Mischungsverhältnis des Betons war 1 Teil 
Zement, 2 Teile Sand, 7 Teile gebrochener Kies von 12 bis 
15 mm Korngröße. 
Das Ablassen der Lehrgerüste erfolgte nicht auf 
einmal, sondern auf dreimal, und zwar am 15. Oktober 
oder acht Tage, am 21. Oktober oder vierzehn Tage, am 
10. November oder vier Wochen nach der letzten Beto 
nierungsarbeit an den Gewölben. Von links nach rechts 
genommen ergab das erste Ablassen eine Senkung der 
Betongewölbe von 4—-4—5—4—4 mm, das zweite Ab 
lassen eine weitere Senkung von 2—1—2—2—2 mm, 
das dritte Ablassen endlich eine letzte Senkung von 
7—6—1—6 — 7 mm. Die Gesamtsenkung betrug somit 
am 11. November 1904 13 —11—8—11—13 mm, gegen 
24 mm, die nach den Bachschen Versuchen berechnet 
waren. Das Ablassen selbst wurde in der üblichen Weise 
durch 80 Arbeiter ausgeführt. Die ausschließliche Ver 
wendung von Senkschrauben statt Sandtöpfen erleichterte 
die Arbeit wesentlich. Die Senkung der Lehrbögen er 
folgte vollständig gleichmäßig und ohne jeden Zwischen 
fall, was nach den Erfahrungen der Straßenbauverwaltung 
auch unter Aufbietung aller Vorsichtsmaßregeln bei Ver 
wendung von Sandtöpfen nicht immer der Eall war. Nach 
Verfluß von zwei Stunden stützten sich die Gewölbe frei 
auf die Pfeiler. Die Beobachtung der Bewegung der 
Gewölbescheitel zeigte in der Eolge deutlich die Wirkung 
der Gelenke, so ergab zum Beispiel ein Unter 
schied von 35° C eine Bewegung der Scheitel 
von 10—10—11—nlO—10 mm. , 
Während der Wintermonate, und zwar his 
Mitte März 1905, konnten nur Erd- und 
Pflasterarbeiten ausgeführt werden. Dann be 
gann mit Eintritt des Frühjahrs das Versetzen 
der Konsolen, der Gesimsplatten, Brüstungen 
und Gedenktafeln, was die Zeit bis 1. Mai 1905 
in Anspruch nahm. 
Zwischenhinein wurde die Ueberdachung der 
Wärmefugen und die Entwässerung der 
Brückentafel hergestellt. Die wasserdichte 
Abdeckung der Betontafel unter der Fahr- 
Hpiri^bhtalnchnitl unterhalb der Consolen. 
bahn wurde folgendermaßen ausgeführt: Von der Höhe 
der Konsolen wurde der Beton der Gehwege schräg 
zur Fahrbahntafel heruntergeführt, diese selbst hatte 
Gefäll gegen die Brückenmitte und war mit einem 
Glattstrich versehen. Zunächst wurde nun die ganze 
Brückentafel von Stirn zu Stirn mit einem Teerprodukt 
(Änthrazin), das ganz dünnflüssig war, heiß gestrichen, 
darauf kam, ebenfalls heiß, eine Goudronmischung, in 
die sofort Bahnen von Dachpappe mit Juteeinlagen ein 
gepreßt und glatt gestrichen wurden. Die einzelnen Bahnen 
überdeckten sich um 6 cm. Darauf wurde diese Dach 
pappe wiederum mit heißem Goudron in dicker Lage 
überstrichen und gehörig übersandelt. In der tiefsten 
Linie verlegte man sodann Zoreseisen, unter denen das 
Sickerwasser, gegen die Kämpfer fließt, um von dort durch 
schmiedeiserne Röhren durch das Gewölbe hindurch ins 
Freie zu fallen. Diese Abdichtung hat sich bis jetzt 
vorzüglich bewährt; ihr Hauptvorzug ist, daß sie ununter 
brochen auf die ganze Brückenbreite durchgeht und nur 
verhältnismäßig wenig kostet (1,05 M. für 1 qm, ohne 
Glattstrich). Die Abdeckung des Gewölberückens geschah 
durch einen doppelten Anstrich mit Siderosthen-Lubrose. 
Die Herstellung des Gehwegbetons, das Versetzen der 
Granitrandsteiue sowie die Pflasterung der Fahrbahn 
wurden in der üblichen Weise ausgeführt. Um dem 
Granitpflaster eine weniger bewegliche Unterlage zu ver 
schaffen, sah man von dem im Entwurf vorgesehenen Kies 
bett ab und stellte auf die Abdichtung eine Vorlage, die 
aber zur Schonung der Dachpappe auf einer 6 cm hohen 
Schicht feinen Kieses mit viel Sand aufgesetzt ist. 
Im Mai 1905 wurde das Stocken der Gewölbestirnen 
sowie der sichtbaren Seiten der Pfeilerchen ausgeführt, 
die Gewölbeleibungen und die inneren Flächen der Spar 
räume erfuhren nach dem Ausschalen keine besondere 
Behandlung mehr. Im Juni und Juli wurden sodann die 
Zufahrten und Anschlüsse an die Ortsstraßen vollendet. 
So konnte am 15. Juni 1905 der Fußgängerverkehr erlaubt 
und am 1. August die Brücke für den allgemeinen Verkehr 
freigegeben werden. Am 21. September 1905 fand die 
feierliche Einweihung statt. 
Der Entwurf der Brücke ist von Oberbaurat v. Schaal, 
Horizonlalschmtl plurch die Consolen.
	        

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