Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

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BAUZEITUNG 
Nr. 36 
der auch die Oberleitung bei der Ausführung in Händen 
hatte. Vorstand des Brückenbauamts war Eegierungs- 
haumeister Wegmann, dem die Eegierungshauführer Selling 
und Keller sowie Bauwerkmeister Speh zugeteilt waren. 
Die Ausführung war dauernd vom besten Wetter be 
günstigt, was besonders auch dazu beitrug, daß die ge 
nehmigte Bausumme nicht überschritten wurde. 
(Mitgeteilt vom Sekretär des Württ. Vereins für Bankunde, 
Regierungsbauführer H. Werner, Stuttgart.) 
Yom Honoraranspruch des Architekten 
Von Dr. jur. Biberfeld. 
Honoraransprüche des Architekten bilden den Gegen 
stand fortwährender Eechtsstreitigkeiten, wobei man 
leider nicht behaupten kann, daß bei den Gerichten der 
höheren Ordnung sich bereits ein fester Gesichtspunkt 
für die Beurteilung entwickelt hätte. Die unmittelbar 
folgenden Sätze geben in möglichst gedrängtem Zusammen 
hänge die Auffassung wieder, die das Oberlandesgericht 
zu Hamburg in einem Erkenntnis vom 14. Oktober 1902 
seiner Entscheidung zugrunde gelegt hat; der Sachverhalt 
selbst geht aus den Urteilsgründen hervor: „Kläger be 
hauptet, im Aufträge des Beklagten eine Skizze und einen 
vollständigen Bauplan für den von letzterem beabsichtigten 
Neubau angefertigt und geliefert zu haben, und verlangt, 
in Ermanglung ausdrücklicher Festsetzung, als übliches 
und angemessenes Honorar für diese Arbeiten 888 M. 
Die Schlüssigkeit solcher Klage ist nicht zu beanstanden. 
Wer einen andern mit Leistung einer Arbeit beauftragt, 
aus deren Herstellung dieser ein Gewerbe macht, ver 
spricht, wenn über den Lohn nichts verabredet wird, 
stillschweigend Zahlung der orts- oder geschäftsüblichen 
Vergütung, und in der Annahme des Auftrags liegt zu 
gleich die Akzeptation dieses Versprechens. 
Das gilt von Arbeiten, die in das Fach der Unter 
nehmer-Architekten einschlagen, darum nicht weniger, weil 
letztere, sobald sie in der Folge mit der Ausführung des 
Baues beauftragt werden, für. die Anfertigung der Pläne 
die Vergütung nicht besonders zu berechnen pflegen, 
sondern in der festgesetzten Bausumme ihre sämtlichen 
Arbeiten, einschließlich jener, in Bausch und Bogen mit 
vergütet erhalten. Auch wenn der Plan in der Erwar 
tung angefertigt wird, demnächst auch mit der Aus 
führung betraut zu werden, ist deshalb keineswegs an 
einen Verzicht auf Honorar zu denken; auf ein solches 
rechnet der Verfertiger in jedem Falle, nur daß es in 
einem Falle anders berechnet wird als im andern. Wird 
ihm die Ausführung des Baues nicht übertragen, so wird 
und kann er für die bei ihm bestellten Pläne die ent 
sprechende Vergütung fordern, und zwar einerlei, ob 
und in welchem Umfange der Besteller von denselben 
Gebrauch gemacht hat. 
Beklagter Bauherr leugnet die Bestellung. Er hezw. 
sein Vertreter, ein gewisser Eichter, habe nur beim 
Kläger angefragt, unter welchen Bedingungen dieser ein 
Haus, wie Eichter es brauche, in Konkretbau herzustellen 
übernehmen würde. Kläger habe behufs Stellung seiner 
Offerte erst eine Skizze und dann einen ausführlichen 
Entwurf angefertigt und solche dann als Beleg zu seiner 
Offerte und damit Eichter dieselbe zu prüfen imstande 
sei, überreicht. Zur Annahme der Offerte habe Eichter 
sich nicht veranlaßt gefunden und sei daher auch nicht 
zur Honorierung derjenigen Mühewaltungen verbunden, die 
Kläger habe aufwenden müssen, um seine Offerte stellen 
zu können. 
Die Eichtigkeit der Tatsachen vorausgesetzt, ist gegen 
die rechtliche Schlußfolgerung aus denselben nichts ein 
zuwenden. Für die Beantwortung der Anfrage, wenn 
gleich sie nicht ohne einige geistige und körperliche 
Tätigkeit des Antwortenden erfolgen konnte, ist ein 
Honorar ohne weiteres nicht zu beanspruchen. Die Sache 
liegt hier eben anders wie zum Beispiel bei einem Arzte 
oder Advokaten, die aus der Erteilung von Eat und Aus 
kunft ein Gewerbe machen. Betriebe Kläger nur das 
Geschäft eines Architekten im engeren Sinne, beschränkte 
er sich auf Anfertigung von Plänen und Kostenanschlägen, 
so würde er für die Beantwortung einer derartigen An 
frage ein Honorar berechnen können. 
Kläger ist aber zugleich Bauunternehmer, und wenn 
er gefragt wurde, zu welchen Bedingungen er ein Haus, 
wie Frager es verlange, herzustellen übernehme, so war 
seine Antwort nicht eine von ihm begehrte Leistung, 
sondern einfach eine seinerseits gemachte Offerte, nicht 
anders, wie wenn der Kaufmann im Laden, nach dem
	        

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