Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085.4-3,1906
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1906/315/
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BAUZEITUNG 
Nr. 37 
Saalbau Mülbausen i. E. Ein I. Preis Architekten Graf & Röckle, Stuttgart 
Umgestaltung der Bau 
gewerkschulen. Die von 
Geh. Baurat Waldow-Dresden 
verteidigten Leitsätze wurden 
schließlich mit zwei unwesent 
lichen Aenderungen angenom 
men und lauten hiernach; 
1. Auf den Baugewerk 
schulen sollen vor allem 
tüchtige Baugewerks 
meister — keine Archi 
tekten —, ferner Tech 
niker herangebildet wer 
den, die in Architektur 
ateliers, bei Bauwerken, 
in technischen Bureaus 
u. s. w. als brauchbare 
Hilfskräfte verwendet 
werden können. 
2. Demnach muß auf den 
Baugewerkschulen er 
reicht werden ein Ver- 
trautsein mit den Kon 
struktionen, Baustoffen 
und einfachen Baufor 
men sowie der heimi 
schen Bauweise. Das 
Verständnis für gutes 
Bauen ist zu fördern durch Vorführung und Auf 
nahmen einfacher mustergültiger alter und neuer 
Bauten unter Berücksichtigung der konstruktiven 
und formalen Einzelheiten. 
3. Ein großer Teil der Ausbildung gehört in die Werk 
statt und auf den Bauplatz. 
4. Die Erziehung zum Baukünstler kann nicht die 
Aufgabe der Baugewerkschulen sein. Schon der 
rein technische und konstruktive Lehrstoff kann bei 
der durchschnittlichen Vorbildung uud Begabung 
der Schüler und bei der Kürze der Unterrichtszeit 
kaum bewältigt werden. 
5. Die Verlängerung der Schulzeit zur Erweiterung 
des Lehrziels nach der künstlerischen Seite hin ist 
nicht zu empfehlen. Insbesonders ist die neuer 
dings angeregte einseitige Bevorzugung des freien 
Zeichnens und des Naturstudiums als Lehrgegen 
stände der Baugewerkschule ebenso zu verwerfen 
wie die gänzliche Vernachlässigung der Kenntnis 
der Bauformen früherer 
Zeit. 
6. Der Unterricht an den 
Baugewerkschulen allein 
gewährt noch keinen Ab 
schluß der fachlichen Aus 
bildung als Baugewerks 
meister. Diese erfolgt erst 
durch die anschließende 
Praxis. Besonders begabte 
Schüler finden Gelegen 
heit, sich auf den höheren 
Lehranstalten sowie in 
den Architekturateliers 
künstlerisch auszubilden. 
Diese Leitsätze sollen den 
Regierungen, Schuldirektoren 
und städtischen Verwaltungen 
zugestellt werden. 
Als Gegenstand für die Be 
ratung durch die nächste Ab 
geordnetenversammlung , die 
1907 in Kiel stattfinden wird, 
werden nachstehende zwei 
Fragen aufgestellt; 
„Mit welchen Mitteln kann Einfluß gewonnen 
werden auf die künstlerische Ausgestaltung 
privater Bauten in Stadt und Land?“ und 
„Welche Wege sind einzuschlagen, damit hei 
Ingenieurbauten ästhetische Rücksichten in 
höherem Maße zur Geltung kommen?“ 
Die WanderverSammlung selbst wurde am Sonn 
tag, den 2. September, durch einen Begrüßungsabend im 
Friedrichspark eingeleitet, wobei der Vorsitzende des 
Ortsausschusses, Stadtbaurat Eisenlohr, namens der beiden 
festgebenden Vereine, Badischer Architekten- und Inge 
nieur-Verein und Architekten- und Ingenieur-Verein 
Mannheim-Ludwigshafen, dem Verbände den Willkomm 
entbot. 
Zu der am Montag, den 3. September, folgenden 
ersten Tagung in den prächtigen Räumen des Rosen 
garten waren Vertreter der staatlichen und städtischen 
Behörden sowie der Technischen Hochschule in Karlsruhe 
erschienen.
        

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