Volltext: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

29.  September  1906

BAUZEITUNG

313

Wir  haben  bereits  erwähnt,  daß  durch  den  kontinuierlichen ­
  Balken  gegenüber  den  einfachen  Balken  eine  Yerschiebung
  der  Kräfte  bewirkt  wird.  Inwiefern  dies  zutrifft, ­
  ist  aus  den  angeführten  Tabellen  zu  entnehmen,
wobei  der  kontinuierliche  Balken  mit  zwei  Oeffnungen
mit  dem  einfachen  Balken  doppelter  Spannweite  verglichen ­
  wird.  Indem  für  beide  Balkenarten  in  der
Balkenmitte,  respektive  über  der  Mittelstütze  die  Biegungsmomente ­
  genau  gleich  groß  werden,  nehmen  dieselben ­
  beim  kontinuierlichen  Balken  sehr  rasch  gegen  die
Mitte  hin  ab,  und  zeigt  die  Tabelle,  daß  schon  in  den
nächsten  Stellen  der  Unterschied  50—60%  zugunsten
des  kontinuierlichen  Balkens  beträgt.  Die  Schubkräfte
sind  ebenfalls  heim  einfachen  Balken  bedeutend  größer
als  beim  kontinuierlichen  Balken.  Beim  letzteren  treten
sie  in  gleiche  Stelle  mit  den  Maximalmomenten,  so  daß
der  infolge  der  größeren  Momente  gewählte  stärkere
Querschnitt  gleichzeitig  den  Haupt-  und  Schubspannungen
entspricht.  Beim  einfachen  Balken  trifft  dies  nicht  zu,
d.  h.  die  Querschnitte,  in  welchen  das  Maximalmoment
auftritt,  fallen  nicht  mit  denjenigen,  in  welchen  die  größte
Querkraft  wirkt,  zusammen  und  muß  das  Material  entsprechend ­
  vermehrt  werden,  ohne  ganz  ausgenutzt  werden
zu  können.  Schon  dadurch  wird  die  Konstruktionshöhe
des  kontinuierlichen  Balkens  bedeutend  kleiner,  was  der
wichtigste  Vorteil  neben  demjenigen  der  größeren  Stabilität ­
  solcher  Balken  gegenüber  den  einfachen  darstellt.
Die  inneren  Kräfte  sind  zu  Yergleichszwecken  nach
der  Methode  von  Prof.  W.  Bitter-Zürich  und  nach  den
Formeln,  die  sich  in  den  vorläufigen  Leitsätzen  des  Architekten- ­
  und  Ingenieur-Vereins  u.  s.  w.  befinden,  gerechnet.
Für  beide  Berechnungsmethoden  ist  das  Verhältnis  beider
Elastizitätsmodule  konstant  und  gleich  w  =-^-  =  15  angenommen. ­
  In  der  Folge  werden  die  Fahrbahn-  und
Gehwegträger  berechnet.
Berechnung  der  Fahrbahnträger:
Für  eine  Stützweite  von  13,05  m  beträgt  das  größte
Biegungsmoment  in  der  Mitte  Mm  =  4000  000  kg/cm  und
am  Auflager  Ma  =  —  5  225  000  kg/cm  (s.  Tafel:  Graphostatische
  Berechnung).
Querschnitt  in  der  Mitte  (Abb.  3  Tafel  1).
Nach  Methode  Kitter:
F  S  Jo
91  x  15  =  1366  x  7,5  =  10  237  x  10  =  102370
87  x35  =  3045x  43,5  =  132457  x  58  =  7  682606
1131  x  81  =  91611  x81  =  7420491
114  x  4  =  456  x  4  =  1824

F—  5655  cm 2  ,9  =  234761  cm  3  J=  15207  191  cm  *
234761  E  iV=  9742581
5635  —  41 > &cm  J a  —  J—  FJ  =  5464610cm 4 .

Größte  Druckbeanspruchung  des  Betons:
4000000  ,  on ,.  ,
x  41,0  =  321  kg/qcm.

M

5  464  610

Zugspannungen  im  Eisen:
M  4000000

a e -

=  789  kg/qcm,

wobei  z  —  81

f.Z,  75,4x  67,2
-  13,8  =  67,2  cm.  Der  Druckmittelpunkt

wurde  annäherungsweise  mit  —-  angenommen.

Nach  den  deutschen  Leitsätzen:

(h  —  o)  nf e

xbd*


2

81  X  1131

126x15'

nfe  -\-bd
d  d*
+

y—x  —
Zugspannungen  im  Eisen;
M

1131  -j-  126,16
15«
=  35,01—7,5  +

=  35,01  cm.

6(70,02—15)

--  =28,18cm.

4  000  000

ft  (h  —  n  —  X  +  y)  75,4  (81  —  35,01  +-  28,18)

7l5kg/qcm.

Druckspannungen  im  Beton:
X  715  x  35,01

ITb  ==  <

n(h-X)

  15  (81  —  86,01)

;  36,2  kg/qcm.

Innere  Spannung  am  Auflager  (Abb.  12  Tafel  1).
Nach  Ritter:
FS  J
91  x  15  =  1365  x  7,5=  10287,5  x  10=  102375
85  x  127  =  4446  x  63,5  =  282  267,5  x  85  =  23  991887,5
1131  x  121  =  136  851  x  121  =  16  658  971
1369  x  6  =  8164  x  6=  48924

F—  8300  cm 8  So  =  437500,0cm 3  J 0  =  40702167,5  cm 4
Fso*=  23056250,0

437  500

J,  =  J 0  —  7<V  =  17  645  907,5  cm 4

a b z=—

  8300  5 2, 7  kg/cm
s,  =  127  —  52,7  =  74,3  cm
5  250000x  74,3

17  646  907
5250000  6250000

22  kg/qcm

96,3  x  90,60

8724,78

=  602  kg/qcm.

Nach  den  deutschen  Leitsätzen:
n  Fe

X

x

X=135,9


35

X

[V

[f+

2  6  (h  —  a)
n  Fe

-]

70  x  121

>11,—  —

1359
10500  000

—  1

:  65,57  cm

=  46,5

35,67x7(121—21,8)
5  260  000  ~ roJ1  ,
a e —  o»4  kg/qcm.

90,6  x  99,2
Hierbei  wurde  die  untere  Eiseneinlage  unberücksichtigt ­
  gelassen.
Will  man  aber  dieselbe  berücksichtigen,  so  kommen  dann
andre  Formeln  in  Betracht,  die  in  der  Folge  Verwendung
finden.  Die  Neutralachse  wird  aus  der  Formel  bestimmt:
1359  +  1131  2

I !  +  2x

oi

35  35
X 8  +  142,28  X=  9784,2
X  =  60,5  cm
6M  x  x

(121  +  1359  +  6  x  1131)

Oh

bx*(3h—  x)§  F  e“  n  (x  —  h‘)  (h  —  h')
ok  ,  2 -- n  6  x  5250000  x  50,5
■  ÖO  -+  MOD  ^  _j_ 121  _  5Q g  1131  (50  5  _  g^  ( 121  _
a b  =  25,5  kg/qcm.
Zugspannung  im  Eisen:
ai  (h  —  x)  n  25,5  (121  —  50,6)  15

x  50,5
Druckspannung  im  Eisen;
25,5(50,6  —  6)15

-=  a e  =  532,95  kg/qcm.

50,5

13,2  +  25,5  =  Oe  =  344,25  kg/qcm,

rechnet  man  nach  der  einfachen  Methode  der  deutschen
Leitsätze,  wobei  die  Druckeisen  weggelassen  werden,  so
erhält  man  eine  Druckspannung  im  Beton  ßb  =  46,5  kg/qcm
und  eine  Zugspannung  im  Eisen  Oe  =  580  kg/qcm.  Die
Druckspannung  ergibt  sich  doppelt  so  groß.
Die  letztere  Berechnungsart  gibt  Resultate,  die  mit
denjenigen  nach  Ritter  gut  übereinstimmen.  Obu  =  22,
Ob  D.  l.  —  2  o,5,  Oen  =  610,  Oe  d.  l. ==  533,  %;/  =  52,7,  S 0  />.  l.  —
50,5  cm.  In  Anbetracht  dessen,  daß  die  Methode  Ritter
mit  den  üblichen  Größen  der  Festigkeitslehre  (Widerstandsmoment, ­
  Trägheitsmoment  u.  s.  w.)  arbeitet  und
daß  man  mit  der  einen  und  derselben  Berechnungsart
überall  auskommt,  so  empfiehlt  es  sich  naturgemäß,  dieselbe ­
  allgemein  zu  verwenden.
Die  allgemeine  Gültigkeit  und  gleichartige  Verwendung ­
  derselben  ist  aus  diesen  Beispielen  deutlich  zu  ersehen, ­
  und  bildet  einen  Vorteil  dieser  Methode.  Diese
Berechnungsweise  entspricht  der  Praxis,  sobald  die  Grenzheanspruchungen
  richtig  gewählt  werden.  Die  Zugfestigkeit
des  Betons  wird  nicht  berücksichtigt  und  muß  um  das  entsprechende ­
  Verhältnis  auf  Grund  von  Versuchen  noch  bestimmt ­
  werden,  um  die  tatsächlich  auftretenden  Zugspannungen ­
  im  Beton  angeben  zu  können.  (Fortsetzung  folgt)
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.