Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

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BAUZEITUNG 
Nr. 43 
oder unweit davon wieder aufgestellt werden. Der 
Kirchengemeinderat denkt sich auf dem der Kirchen 
gemeinde gehörigen nördlichen Teil des Münsterplatzes 
zwischen den zwei Nordportalen, welche aber nicht verdeckt 
werden dürfen, einen umfriedigten Werkplatz mit Ärheits- 
räumen für Bildhauer, Steinmetzen, Maurer u. s. w., jedoch 
ohne monumentales Bauwerk, da ein Verwaltungsgebäude 
(Nördlicher Münsterplatz Nr. 21) bereits vorhanden ist. 
In demselben sind neben dem Archiv, dem Münster 
bauamt, der Kasse, dem Sitzungssaal und 2 Beamten 
wohnungen Arbeits- und Yorratsräume untergebracht, 
nämlich 1 Schmiede, 1 Zimmerwerkstatt, 1 Schreinerei, 
1 AVerkstatt für Bildhauer, 1 Holzboden, 1 Reißboden 
zimmer, 2 Magazine. 
In dem umfriedigten Werkplatz an der Nordseite des 
Münsters zwischen den zwei Nordportalen steht entlang 
den Pfeilern des Münsters eine Lufthütte für Steinhauer. 
Eine zweite Hütte, welche ausgeriegelt ist, entlang der 
ehemaligen Hafengasse, enthält einen Arbeitsraum für 
einen Bildhauer, ferner einen zweiten Raum, in welchem 
im Winter Steinhauer arbeiten. Außerdem dient derselbe 
zur Aufbewahrung von unentbehrlichem Gerüstmaterial, 
Eiaschenzügen, Aufzugmaschinen u. dergl. Oestlich von 
dieser Hütte steht das sogenannte Kohlenmagazin, eine 
ebenfalls ausgeriegelte Hütte, welche zur Aufbewahrung 
von Holz und Torf dient. Im Boden ist eine Grube für 
abgelöschten Kalk ausgehoben. 
Außerhalb des Vorschlags, östlich, unweit des Chors, 
ist noch eine ausgeriegelte Hütte zur Unterbringung von 
Steinhauern in der Winterzeit. 
Um dieselbe herum sowie auf dem noch freien Platz 
innerhalb der Umfriedigung lagern die rauhen Steine. 
Die bearbeiteten, namentlich die feineren Steine müssen 
aus Platzmangel und weil die ziemlich primitive Ein 
fassung gegen Einsteigen und Verderben nicht die ge 
nügende Sicherheit bietet, bis zu ihrem Versetzen meistens 
in der Kirche aufbewahrt werden. 
Diesen Werkplatz wünscht der Kirchengemeinderat 
einfach, aber der Umgebung würdig gestaltet zu sehen. 
Zu bemerken ist noch, daß eine Erbreiterung der 
Straße zwischen dem nördlichen Münsterplatz und der 
der Nordseite des Münsters gegenüberliegenden Häuser 
reihe um etwa 1 i /. l m beabsichtigt ist. 
Die Entscheidung- des Preisgerichts 
Zur angegebenen Frist waren 64 Entwürfe ein- 
gelaufen, doch wurde die Geduld der Bewerber auf eine 
lange Probe gestellt. Das Preisgericht konnte erst nach 
längerer Frist zusammentreten, auch erforderte das not- 
I. Preis. Drei Aufnahmen des Modells. Verfasser: Reg.-Bau 
führer Th.Fauser und Reg.-Bauführer R.Wörnle, Stuttgart-Saaleck 
wendige Studium des reichlichen Materials viel Zeit. 
Am 18. und 19. September fiel die Entscheidung. 
Das Preisgericht setzte sich zusammen aus den 
Herren Geh. Oberbaurat Prof. Hofmann, Darmstadt, 
Prof. C. Hocheder, München, Prof. Theod. Fischer, Stutt 
gart, Oberbürgermeister v. Wagner und Dekan Knapp, 
Ulm. Der von den maßgebenden Kollegien am 19. Sep 
tember bestätigte Spruch lautete dahin, daß dem Ent 
wurf mit dem Kennwort: „Einer soll Herr sein“ der 
I. Preis (3000 M.), dem Entwurf mit dem Kennwort; 
„0 jerum, jerum, jerum, o quae mutatio rerum“ der 
II. Preis (1500 M.), dem Entwurf „Simson“ der HI. Preis 
(1000 M.) zuerkannt wurde, während drei weitere Ent 
würfe mit den Kennwörtern: „Im Lauf der Zeit“, „Ad 
majorem gloriam“ und „Panta rhei“ zum Ankauf vor 
geschlagen wurden (wofür im Ausschreiben der Preis 
von je 500 M. ausgesetzt war). Als Urheber ergaben 
sich: I. Preis Theod. Pauserund R. AVörnle, Regie 
rungsbauführer in Stuttgart; II. Preis Prof; Dr. Vetter 
lein in Darmstadt; III. Preis Felix Schuster, Regie 
rungsbaumeister bei der Beratungsstelle für das Bau 
gewerbe in Stuttgart; die drei zum Ankauf vorgeschlagenen 
Entwürfe stammen von den Architekten Martin Mayer 
in Hamburg, Hans Bernoulli in Berlin und Karl 
Jung in Stuttgart.
	        

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