Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

27. Oktober 1906 
BAULEITUNG 
347 
gesehene Baugruppe 
mit der Südwest 
ecke des Münsters 
in Verbindung und 
lehnt auch an die 
Nordwestecke un 
mittelbar ein west 
lich gerichtetes Ge 
bäude an. So schafft 
er geschickt einen 
der Westseite un 
mittelbar vorliegen 
den Vorplatz, der 
zwar den Durch 
gang frei läßt, aber 
gegen den großen 
Verkehr ganz ab 
geschlossen ist. Als 
minder glücklich 
muß es erscheinen, 
daß diesem Vorplatz 
ein genau quadra 
tischer Umriß ge 
geben wird, der sich 
in den Gesamtplatz 
etwas gezwungen 
fügt, freilich un 
schwer anders ge 
staltet werden könn 
te. Auch gegen die 
Anbringung von 
Teppichbeeten läßt 
sich etwas einwen 
den. Die Art, wie 
der Werkplatz im 
Norden angelegtest, 
erscheint nicht ganz 
praktisch, desglei 
chen der übrigens 
bedeutungslose Um 
stand, daß als Zweck 
des sehr hübsch pro 
filierten Baues in 
der Südwestecke 
eine Schule angenommen wird. Den Erläuterungen seines 
Entwurfs hat der Verfasser auch ein Bauprogramm nebst 
Berechnungen beigegeben, das namentlich einen sehr be 
sonnenen üeberblick über die Reihenfolge der Arbeiten gibt. 
Der angekaufte Entwurf Mayer nimmt gleichfalls 
für die Südwestecke eine Markthalle mit Hof an, die 
mit verhältnismäßig bescheidener Ueberbauung des Bodens 
eine glücklich nach innen sich öffnende Gruppe ergibt. 
Er denkt sich den Platz auf das Niveau des Bodens vor 
dem Hauptportal gebracht; statt des jetzt vorhandenen 
leichten Gefälls wird so die Möglichkeit gewonnen, eine 
breite Terrasse mit Brüstung von dem an der Peripherie 
sich bewegenden Verkehr abzugrenzen. Eür den Wagen 
verkehr des Münsters sind drei Auffahrtsrampen aus 
gespart. 
Der angekaufte Entwurf Bernoulli mag bei den 
skizzenhaften Andeutungen, 
auf die er sich beschränkt, 
den Beschauer zunächst et 
was befremden. Man darf 
sich aber nicht darüber 
täuschen, daß er zumal in 
den Erläuterungen alles 
Wesentliche enthält, was 
die Aufgabe bildete. Wenn 
das der Hirschgasse vor 
gelegte Gebäude, an das sich 
gegen den Platz hin eine 
Baum gruppe und 
zwei Pavillons an 
schließen, etwas hart 
im Umriß erscheint, 
so ist zu berück 
sichtigen , daß es 
dem Verfasser bloß 
darauf ankam, das 
Größenverhältnis 
der künftigenBauten 
zu bestimmen. Aeu- 
ßerst interessant ist, 
daß derUrheber noch 
an zwei beigege 
benen Grundrissen 
der westlichen Um 
gebung der Münch 
ner Frauenkirche 
und der Antwerpner 
Kathedrale näher er 
läutert, was für eine 
Wirkung er bezüg 
lich des Winkels der 
Fluchtlinien, bezüg 
lich der Durchblicke 
und der Abschlie 
ßung des Kirch- 
platzes vom Haupt 
verkehr angestrebt 
hat. Diese zwei 
Lehrbeispiele dür 
fen der Beachtung 
angelegentlich emp 
fohlen werden. Auch 
in der Behandlung 
der übrigen Seiten 
beschränkt sich der 
Verfasser auf das 
streng Sachliche. In 
der Mitte der Nord 
seite sieht er einen 
offenen Platz vor 
und will der Bau 
hütte durch Ver 
legung auf die Nordostecke mehr Licht zuführen. 
Der angekaufte Entwurf Jung schreitet selbst 
zu dem kecken Vorschlag, einen geschlossenen Block von 
Privathäusern parallel der Südseite eiuzulegen. Wenn 
auch eine solche Parzellierung in Wirklichkeit natürlich 
ausgeschlossen ist, so berührt das die Vorzüge des Ent 
wurfes in der Feinheit der Abmessungen und der Linien 
führung, in der Schönheit des Aufbaus, namentlich gegen 
die Hirschgasse hin, nicht wesentlich. Nur dürfte viel 
leicht für den Durchblick am Klemmschen Haus vorüber 
auf den Turm mehr Baum frei bleiben; auch die Nord 
seite ist etwas zu sehr überbaut, gar nicht mehr als Platz 
behandelt. 
Obwohl ohne die Absicht einer auch nur annähernden 
Vollständigkeit, sollen doch einige Entwürfe noch rasch 
erwähnt werden; allen, die es verdienen würden, gerecht 
zu werden, ist ja leider un 
möglich. Unter dem Kenn 
wort; „Dem Hirten die 
Herde, dem Platz die Wand“ 
zeigt sich ein äußerst fleißig 
durchdachter Entwurf (14) 
von großem künstlerischen 
W ert und praktischer Anlage, 
die sich allerdings mancher 
Reminiszenzen an das alte 
Gymnasium bedient, auch et 
was viel Platz wegnimmt. — 
Angekaufter Entwurf. Verfasser: Kegierungsbaumeister Martin Mayer, Hamburg 
Vorschlag zur Vertiefung des Münsterplatzes, um 
vor dem Münster einige Stufen zu gewinnen. 
Kegierungsbaumeister Martin Mayer, Hamburg 
-ftf-76.70 L +^77.80
	        

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