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BAUZEITUNG
Nr. 43
Ein mit dem Kennwort: „In Ulm, um Ulm u. s. w.“ ver
sehener Entwurf (9) zieht durch eine treffliche, farbig groß
ausgeführte Perspektive die Aufmerksamkeit vorteilhaft auf
sich; neben der Hauptgruppe (in der wir das Kirchle
wiederfinden) ist eine kleinere entlang der Westseite ge
plant; zwischen beiden vermittelt ein Torbogen den Durch
gang von der Hirschgasse her. Aehnlich im Grund
gedanken ist der Entwurf „M. J. Y. Variante“ (17); das
Eingangstor ist weggefallen; die streng geradlinig der
Straßenrichtung folgenden Baugruppen sind in der einen
Fassung in schlicht bürgerlichen Formen gehalten, in der
andern mit einfachen Yolutengiebeln ausgestattet. — Der
Plan „Hans Sachs“ (6) legt die Baugruppe so, daß
Zum Abschluß dieses flüchtigen üeberblicks über das
in dem Wettbewerb Geleistete möge nochmals einem der
Preisrichter das Wort erteilt sein. Prof. Fischer führte
in der Sitzung vom 19. September etwa folgendes aus:
Welcher Wandel der Anschauungen seit dem Gutachten
vor 30 Jahren bis heute! Früher waren von dem wissen
schaftlichen Zergliedern der geschichtlichen Bauwerke
auch die Baumeister beeinflußt, man vergaß darüber oft
das lebendige, warme künstlerische Empfinden. Heute
schaut man die Dinge nicht mehr so wissenschaftlich an,
man hat statt dessen ein eignes Kunstgefühl gewonnen.
Man hat vor 30 Jahren Ulm keinen Gefallen getan, als
man das Münster seiner Umgebung beraubte; es war,
ähnlich wie beim zweiten der angekauften Entwürfe von
dem westlichen Hauptplatz noch ein selbständig wirken
der vor dem Klemmschen Hause gebildet wird. Beachtens
werte Gedanken zur Raumeinteilung enthalten auch die
Entwürfe „Domhallen“ (8), „Spargele, Wargele“ (39),
„Alte Reichsstadt“ (43) und „So“ (22). Endlich mag
zweier etwas zu baulustiger Entwürfe noch gedacht wer
den: Der eine, „Gluckhenne“ (21), wird durch ein großes,
sehr hübsches Gipsmodell unterstützt und enthält auch
ein Kirchle; der andre, „Giebel und Gassen“ (55), stellt
uns, wie uns das Kennwort sagt, das malerisch reizvolle
Häusergewirr einer alten Stadt vor Augen und weiß zu
interessieren, wenn auch niemand daran denken wird,
einen solchen Stadtteil wieder um das Münster erstehen
zu lassen.
wie wenn man einem edeln alten Bild seinen Rahmen
genommen hatte. Wenn nun aber die Pflicht erwächst,
das Geschehene wieder gutzumachen, wie hat man zu
Werk zu gehen? Nicht mit übereiltem Handeln, sondern
vorsichtig. Warten wir zur Verwertung der nun ge
wonnenen Grundlagen ruhig einen Abstand ab; der Wett-
bewerb hat gezeigt, was not tut, aber ausgeführt muß
durchaus nicht alles sofort werden. Abzuwarten ist vor
allem das praktische Bedürfnis. Wir brauchen nicht zu
fürchten, daß eine künftige Generation der jetzigen Vor
würfe mache; sie könnte es nur dann, wenn mit künst
lich altertümelnder Nachahmung gearbeitet werden sollte;
hüten wir uns davor. Dann aber brauchen wir uns auch
nicht zu scheuen, wenn eine Aufgabe einmal als nötig
erkannt und ausgereift ist, ihr ruhig ins Auge zu sehen.
Angekaufter Entwurf. Verfasser; Regierungsbaumeister Martin Mayer, Hamburg