Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

354 
BAUZEITUNG 
Nr. 44 
somit die des zu beobachtenden Punktes, aufzeicbnet. 
Mit Hilfe dieses Stiftes sind die in Abb. 10 Tafel 1 
angegebenen Durchbiegungsdiagramme aufgezeichnet. 
Diese von L. Tesdorpff in Stuttgart hergestellte Durch- 
biegungsmesser sind nur dann zuverlässig, wenn während 
der Messung die Temperatur annähernd konstant bleibt. 
Müssen aber lange Drähte verwendet werden und ändert 
sich die Lufttemperatur während der Messung, so wer- 
den die Drähte verkürzt bezw. verlängert, und das oft 
nur teilweise, z. B. wenn die Sonnenstrahlen eine Brücken 
seite erwärmen. In solchen Fällen erhält man unrichtige 
Ergebnisse. Man könnte aber den Draht entsprechend 
wählen, um so diesem Mißstande entgegenzuwirken. 
Aus den Ergebnissen der Probebelastung, die in der 
folgenden Tabelle eingetragen sind, ist zu entnehmen, 
daß bei verschiedenen Laststellungen bei unmittelbarer 
Belastung je drei Balken etwa gleich stark in Mitleiden 
schaft gezogen wurden. 
Brücke in Backnang. 
Durchbiegungen bei ruhender Belastung. 
Linksseitige Oeffnungl: 
Träger Nr. 1 
2 
3 
4 
5 
6 
Unbelastet 
064 
070 
054 
130 
121 
136 
a) Dampfwalze am Stras- 
senkandel flußauf- 
wärts, Hinterrolle in 
der Mitte .... 
069 
076 
059 
133 
122 
136 
5 
6 
5 
3 
1 
0 
Unbelastet 
— 
— 
b) Dampfwalze in der 
4’ahrbahnmitte, Hin- 
terräder in der Mitte 
065 
078 
061 
136 
124 
137 
1 
3 
7 
6 
3 
1 
Unbelastet 
064 
070 
056 
130 
121 
136 
c) Dampfwalze am Stras- 
senkandel flußabwärts, 
Hinterrollen in der 
Mitte 
064 
072 
060 
135 
125 
139 
0 
2 
4 
5 
4 
3 
lechtsseitige Oeffnung 
II: 
Ti'äger Nr. 1' 
2' 
3' 
4* 
5' 
6' 
Unbelastet 
232 
253,5 235 
095 
206 
306 
wie bei a) 
238 
260 
241 
098 
208 
307 
6 
6,5 
6 
3 
2 
1 
Unbelastet 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
wie bei b) 
236 
258 
242 
101,5 211 
308 
4 
4,5 
7 
6,5 
5 
2 
Unbelastet 
— 
— 
— 
— 
— 
wie bei c) 
233 
255 
238 
101 
213 
312 
1 
1,5 
3 
6 
7 
6 
Die Ablesungen sind in x / 10 mm. 
Die Mitarbeit ist proportional zur Entfernung des 
Balkens von der Last. Wir sehen, daß in beiden Be 
lastungsfällen die unmittelbar belasteten Balken ziemlich 
(bis auf */to mm ) die gleiche Durchbiegung angenommen 
liaben, von da an nimmt die Mitarbeit ab, und 
zwar im Verhältnis der Entfernung. Für beide 
Oeffnungen stimmen die Ergebnisse überein. Bei 
Belastung der mittleren Balken nimmt die Durch 
biegung von 6 auf 3 auf 1 ab, bei Belastung der 
äußeren Balken nimmt dieselbe von 6 auf 3 auf 2 
auf 1 bis 0 ab. Vergleicht man diese gemessenen 
Durchbiegungen mit den Ergebnissen unsrer Be 
rechnung für die Mitarbeit der Balken, so erhält 
man eine genügende Uebereinstimmung. Durch 
die Anordnung von Querrippen wird eine 
gleichmäßige Inanspruchnahme der gan 
zen Konstruktion im Falle einer teil- 
weisen Belastung erreicht. Es zeigt sich, 
daß sich die Fahrbahnkonstruktion als ein elastisches 
Ganzes verhält. 
Werden somit die Balken so berechnet, daß dieselben 
allein die unmittelbar darauf ruhende Belastung aufnehmen 
sollen, so kann um diesen Betrag die aufzutragende Last 
ohne weitere Verstärkungen, also ohne Mehrkosten erhöht 
werden. Brücken, die für eine Nutzlast von 400 kg/qm 
berechnet sind, können somit ohne welche Verstärkungen 
eine gewöhnliche Trambahn aufnehmen, sobald genügende 
Querrippen vorgesehen sind. Diese Last kann annähernd 
2 r 
2 r 
werden, wobei r 
mit bis Q Tonnen angenommen 
die Entfernung von M zu M der Kippen bedeutet. 
Die in der Tabelle angeführten Durchbiegungen wur 
den bei den verschiedenen Laststellungen der Dampfwalze 
im Ruhezustände derselben gemessen. Will man aber 
die Bewegung dieser Punkte bei wandernder Last ver 
folgen, so können mit Hilfe des genannten Stiftes die 
Diagramme (Abb. 10 Tafel 1) gezeichnet werden. Der 
mittlere Kreisbogen stellt die Ruhelage dar (unbelastet); 
beim Befahren der Brücke wird der Stift in der einen 
und gleichen Richtung leicht bewegt. Die so entstehende 
Kurve stellt dann die Höhenlagen der beobachteten Punkte 
bei verschiedener Lage der bewegten Dampfwalze dar. Der 
Schnittpunkt der Kreisbogen gibt den Zeitpunkt, in 
welchem die Dampfwalze den Pfeiler erreicht. 
Aus den verschiedenen Diagrammen ist die Art der 
Bewegung dieser Punkte genau zu entnehmen. Der Ein 
fluß der belasteten auf die nicht belastete Oeffnung ist 
stark erkennbar und erhält der Balken je nach Lage der 
Last positive und negative Durchbiegungen, die natür 
lich den jeweils wirkenden Biegungsmomenten gleich 
kommen. 
Auch hier kann beobachtet werden, inwiefern alle 
Balken diese Bewegung mitmachen, und ein Vergleich 
der wiedergegebenen Diagramme zeigt, daß auch hier 
eine Mitarbeit der ganzen Fahrbahnkonstruktion be 
obachtet werden kann. 
Die Belastungsprobe zeigt zur Genüge, daß die 
Theorie der kontinuierlichen Balken aus 
homogenem Materiale aufGrund der allgemein 
gemachten Annahmen auch für den Verbund 
körper ihre volle Gültigkeit — insofern es durch 
direkte Beobachtung festgelegt werden kann — bewahrt. 
Mit der eigentlichen Ausfühi-ung der Brücke konnte 
erst dann begonnen werden, nachdem der Eckertsbach 
murraufwäi’ts auf 72,5 m verlegt wurde. Für die Ver 
mittlung des Verkehres während der Ausführung der 
Brücke wurde 10 m oberhalb derselben eine 30,5 m lange, 
5,0 m breite hölzerne Notbrücke erstellt. Dieselbe wurde 
auf Pfahljoche gesetzt (Abb. 37 und 38), die in Ent 
fernungen von ca. 5,85 m voneinander angenommen wurden. 
Die Joche bestehen aus je fünf Pfählen, auf welchen sechs 
Tragbalken ihre Stützung finden. Die Notbrücke war 
für Höchstlasten von 4000 kg vorgesehen und betrugen 
die Herstellungskosten ca. 3000 M. 
Der Abbruch der alten Brücke konnte in Angriff ge 
nommen werden, wobei der Mittelpfeiler bis auf eine 
• ANSICHT 
• QUERbCHNfTI- 
Abb. 37
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.