Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085.4-3,1906
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1906/404/
17. November 1906 
BAUZBITUNG 
371 
zu und der Bau wird nach seinem Entwurf ausgeführt. 
Wir bringen heute drei Abbildungen des Seidlschen Ent 
wurfs (eine im Text, zwei auf der Bildbeilage: Haupt 
projekt und Variante) und behalten uns vor, auch die 
zwei andern preisgekrönten Entwürfe (H. Preis: Archi 
tekten Troost & Jäger wie Begierungsbaumeister Buchert- 
München) zu veröffentlichen. Die Urteilsbegründung des 
Preisgerichts ist noch nicht bekanntgegeben worden. 
Bei der Variante ist die Front der Ausstellung gegen 
die Isarseite gelegt und damit auch die Zentrale, Terrasse 
und Restauration. Die Erweiterung ist nach beiden Seiten 
hin ermöglicht. Die Raumverhältnisse und Grundriß 
ordnung bleiben fast die gleichen wie beim Hauptprojekt. 
Yereinsmitteilungen 
Württembergischer Verein für ßaukunde. Am 
6. November nachmittags fand eine Besichtigung der 
neuen Stuttgarter Schlachthofanlage in Gais- 
burg unter Führung von Oberbaurat Mayer statt. An 
der Hand von Plänen wurde zunächst die allgemeine An 
ordnung der verschiedenen Bauwesen erläutert und so 
dann wurden die Gründungsarbeiten noch eingehender 
besprochen. Das ganze Anwesen kommt auf aufgefülltes 
Gelände zu stehen. Die Auffüllung wurde zum Teil schon 
vor einigen Jahren, zur Zeit der sogenannten „Notstands 
arbeit“, fertiggestellt, der übrige Teil ist gegenwärtig 
noch in Arbeit. Das erforderliche Material wurde teils 
einem senkrecht zur Talrichtung angelegten gewaltigen 
Einschnitt in den Berghang entnommen, der so angelegt 
ist, daß er das Landschaftsbild in keiner Weise stört, 
teils wird es gegenwärtig 
mittels einer Bagger 
maschine oberhalb des 
Bauplatzes dem Tal 
boden selbst entnommen. 
Die durchschnittliche 
Gründungstiefe beträgt 
etwa 6 m. Anstatt der 
umständlichenPfahlrost- 
gründung wurde ein vor 
etlichen Jahren schon 
beim Bahnhofumbau in 
Plochingen angewandtes 
Verfahren gewählt, das 
darin besteht, daß mit 
tels eines etwa 40 Zent 
ner schweren eisernen 
Stößels, der durch Ma 
schinenkraft in die Höhe 
gezogen wird und sich 
dann selbsttätig auslöst, 
tiefe Löcher in den Un 
tergrund gebohrt werden. 
Ist der tragfähige Grund 
erreicht, so wird zu 
nächst mittels eines gra 
natförmigen Gewichts 
eine starke Steinvorlage 
eingerammt und dann 
der Beton nachgefüllt, 
der durch dasselbe Ge 
wicht festgestampft wird. 
Die auf diese Weise er 
stellten, äußerst trag 
fähigen Pfeiler werden 
oben durch eisenarmierte 
Betonträger verbunden 
und bilden so ein durch 
aus solides Fundament 
für den Bau. Mit ein 
brechender Dunkelheit 
wurde der Weg nach Untertürkheim angetreten, wo in 
der „Krone“ eine Metzelsuppe die Anwesenden noch 
etliche Stunden gemütlich vereinigte. 
Am Samstag den 10. November besichtigte der Verein 
nachmittags die gegenwärtig im Bau begriffene Markus 
kirche unter Führung von Oberbaurat Dolmetsch. Die 
an der Kreuzung der Filder- und Römerstraße gelegene 
Kirche ist ein einschiffiger Bau mit zwei Seitenhallen. 
Das Mittelschiff ist mit einem Tonnengewölbe überspannt. 
Der Raum über den wesentlich niedrigeren Seitenschiffen 
ist durch Rosettenanordnung für die Beleuchtung des 
Hauptschiffs, verwertet. Der Chor ist gegen die Stadt 
gelegt und enthält auf einem Podium die Orgel; darunter 
befindet sich ein großer Konfirmandensaal. Links davon 
liegt die Sakristei, rechts ein Eingang und darüber der 
Gebläseraum für die Orgel. An der gegenüberliegenden 
Seite befindet sich der Haupteingang und seitlich an 
geordnet der Turm. Letzterer ist so gestellt, daß er in 
die Verlängerung der mittleren Römerstraße fällt. Die 
Heizung ist Luftheizung und ist dadurch bemerkenswert, 
daß außer den entlang der Seitenschiffe angeordneten 
Heizkörpern auch der Fußboden mittels eines Kanalsystems 
geheizt wird. Für die Konstruktion des Tonnengewölbes 
sowie des Turmaufbaus wurde Eisenbeton gewählt. Es 
war so möglich, wesentliche Ersparnisse zu erzielen. Bei 
dem Tonnengewölbe wurden die Strebepfeiler dadurch 
vermieden, daß die Eiseneinlagen der Hauptgebinde durch 
die zwischen Haupt- und Nebenschiffen angeordneten 
Säulen bis in das Fundament hinabgeführt wurden. Der 
Turm bildet unten ein Viereck, geht dann in ein unregel 
mäßiges Achteck über und wird oben rund. Die Strebe 
pfeiler sind hier nach 
innen verlegt und werden 
alle 8 m durch eineu 
Boden, dazwischen alle 
4 m durch einen Ring 
zusammengehalten. Auf 
diese Weise wurde er 
reicht, daß die Mauern 
unten 18 cm, oben sogar 
nur 15 cm Stärke er 
halten konnten. 
Am gleichen Tag 
fand abends die 1. or 
dentliche Versamm 
lung des Vereins 
statt. BauratHofacker 
begrüßte als neuer Vor 
sitzender den Verein 
und berichtete über die 
Neuwahl des Vorstands. 
Sodann wurden zwei 
Kommissionen gewählt 
für die in diesem Winter 
zu erledigendenVereins- 
arbeiten. Darauf er 
stattete Architekt Feil 
einen Bericht über den 
S.Kongreß für evan 
gelischen Kirche n- 
bau in Dresden vom 
5.—7. September d. J. 
Die Wahl Dresdens war 
insofern eine glückliche, 
als diese Stadt im pro 
testantischen Kirchen 
bau neuerdings eine 
führende Rolle einnimmt 
und weil auf der gleich 
zeitig dort veranstalteten 
III. deutschen Kunst 
ausstellung die kirchliche
        

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