Volltext : Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

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BAUZBITUNG

Nr.  46

Kunst  sehr  stark  vertreten  war.  Bei  der  Begrüßungsversammlung ­
  im  Belvedere  am  5.  Sept.  abends  konnte  somit
auch  die  stattliche  Zahl  von  gegen  300  Teilnehmern  festgestellt ­
  werden,  die  allerdings  zum  überwiegenden  Teil
aus  Theologen  bestand,  doch  waren  auch  die  namhaftesten
Kirchenbaumeister  ziemlich  vollzählig  vertreten.  Am
ersten  Tag  sprach  Prof.  Dr.  Clemen-Bonn  über  Kirche
und  Kunst;  er  faßte  sich  dahin  zusammen,  man  solle
nicht  von  alter  und  neuer  Kunst  reden,  es  gebe  bloß
gute  und  schlechte  Kunst;  die  Geistlichen  mögen  die  Tore
für  die  Kunst  weit  aufmachen.  Geh.  Hofrat  Dr.  Gurlitt
verfocht  den  Gedanken,  man  soll  eine  Kirche  nicht  auf
einmal  fertig  planen,  sondern  sich  Zeit  lassen  und  auf
die  Zukunft  vertrauen.  Wie  im  Mittelalter,  so  möge  auch
jetzt  wieder  ein  ganzes  Geschlecht  an  einem  Gotteshaus
bauen,  entsprechend  den  jeweiligen  Bedürfnissen.  Am
zweiten  Tag  wurde  das  Hauptthema ­
  des  Kongresses  behandelt
von  Superintendent  D.  Dibelius
und  Baurat  Gräbner:  die  axiale
Kanzelstelluug.  Die  anschließende
Debatte  war  sehr  lebhaft  für  und
wider.  Die  Ergebnisse  lassen  sich
etwa  dahin  zusammenfassen:  bei
symmetrischer  Grundrißanlage  mit
beiderseitigen  Emporen  wird  die
axiale  Stellung  von  Kanzel  und
Altar  stets  am  Platz  sein.  Dagegen ­
  wird  bei  unsymmetrischer
Grundrißbildung  der  Grundsatz,
jede  Kultstätte  für  sich  auszubilden, ­
  mehr  in  den  Vordergrund
treten.  Jedenfalls  ist  die  axiale
Stellung  nicht  als  die  alleinseligmachende ­
  anzusehen.  Weiter  wurden ­
  noch  behandelt  die  Themen;
Erhaltung  und  Erneuerung  der
Kirchen,  Die  Kirche  im  Stadtbild
sowie  Die  Kirche  und  der  Friedhof. ­
  Der  zum  Schluß  noch  vorgelegte ­
  Ahänderungsentwurf  für
die  „Eisenacher  Ratschläge  “  wurde
dem  Protokoll  des  Kongresses
nicht  beigegehen,  ein  Zeichen  für
den  auf  dem  ganzen  Kongreß  durchklingenden ­
  Gruudton;  „Geben  Sie
Gedankenfreiheit.“  Der  Dresdner
Kirchenhautag  bedeutet  somit
zweifellos  einen  Sieg  der  Kunst
über  das  Schema,  die  Schablone.
Es  war  ein  Verdienst  des  ersten
Redners,  Prof.  Dr.  Giemen,  diese  Note  gleich  zu  Anfang
erfolgreich  angeschlagen  zu  haben.
Die  an  den  Vortrag  anschließende  Debatte  drehte  sich
namentlich  um  die  auf  dem  Kongreß  aufgetretene  Forderung ­
  des  allmählichen  Baues  der  Gotteshäuser.  Dieser
Gedanke  wurde  allgemein  als  für  die  Jetztzeit  undurchführbar ­
  bezeichnet.  Darauf  wurde  Oberbaurat  Dolmetsch
noch  um  nähere  Angaben  über  Kosten  der  Markuskirche
sowie  über  Akustik  gebeten.  Hinsichtlich  des  letzteren
Punkts  machte  er  interessante  Angaben  über  die
ihm  patentierte  Korkbekleidung.  Sodann  drehte  sich
die  Erörterung  noch  um  die  am  Turm  anzuhringenden
Engel.  Aus  der  Mitte  des  Vereins  wurde  die  Ansicht
vertreten,  daß  die  Engel  zweifellos  dem  Turm  etwas
Feierliches  verleihen  und  wohl  am  besten  als  Verlängerung ­
  der  Lisenen  ausgebildet  werden.
Zum  Schluß  daukte  der  Vorsitzende  für  die  Fülle
neuer  Gedanken  und  Anregungen,  die  im  Verlauf  des
Mittags  und  Abends  zum  Ausdruck  kamen.  —n—

Wettbewerbe
Wtirttembergischer  Kunstgewerbe-Verein.  Der
Verein  für  Hebung  des  Fremdenverkehrs  in  Ludwigsburg
hat  den  Kunstgewerbe-Verein  mit  dem  Ausschreiben  eines
Plakatwettbewerbs  betraut,  worauf  nicht  weniger  als
154  Plakatentwürfe  eingingen.  Das  Preisgericht  hat  wie
folgt  entschieden:  Den  I.  Preis  von  1000  M.  erhielt  der
Entwurf  mit  dem  Motto  „Reifrock“  des  Malers  Max
Kittler-Charlottenburg,  den  II.  Preis  von  500  M.  der
Entwurf  mit  dem  Motto  „Dido“  des  Architekten  A.  Retter-Stuttgart,
  den  III.  Preis  von  300  M.  der  Entwurf  mit
dem  Motto  „Weiher“  des  A.  Krause-Berlin.  Zum
Ankauf  wurden  empfohlen  die  Entwürfe  von  Th.  G.  Giersberg,
  P.  Schnorr,  G.  A.  Cloß  und  F.  Gubitz,  sämtlich  in
Stuttgart,  ferner  die  Plakate  von  F.  Scholl-Dachau,  Max
Frey-Frankfurt  a.  M.,  E.  Seifert-Hannover,
  E.  Neumann-Suresnes,
H.  Jäger-Berlin.  Die  preisgekrönten, ­
  empfohlenen  und  ein  Teil  der
übrigen  Plakate  sind  bis  zum
20.  d.  M.  im  Lokale  des  Kunstgewerbe-Vereins ­
  im  Kgl.  Landesgewerbemuseum ­
  in  Stuttgart  ausgestellt. ­

Städtische  Ausstellungshalle ­
  Frankfurt  a.  M.  Das
Preisgericht  hat  drei  Entwürfe  mit
gleichen  Preisen  von  je  12  000  M.
ausgezeichnet,  und  zwar  die
Entwürfe  folgender  V  erfassen:
I.  Architekt  Prof.  F.  Pützer  in
Darmstadt  in  Verbindung  mit  der
Aktien  -  Gesellschaft  für  Hochund
  Tiefbauten  in  Frankfurt  und
Brückenbau  Flender  A.-G.  in
Bernrath;  2.  Architekten  und  Bauunternehmer ­
  Schaffner  &  Albert
in  Frankfurt  in  Verbindung  mit
der  Maschinenbauanstalt  Humboldt ­
  in  Kalk  hei  Köln;  3.  Architekt ­
  Prof.  Friedrich  v.  Thiersch
in  München  in  Verbindung  mit
denV  ereinigten  Maschinenfabriken
Augsburg-Nürnberg,  Zweiganstalt
Gustavshurg  hei  Mainz.  Zum  Ankauf ­
  empfohlen  wurden  die  Entwürfe ­
  der  Herren:  4.  Architekten
Jürgensen  &  Bachmann  in  Gharlottenhurg
  in  Verbindung  mit  der
Aktien-Gesellschaft  für  Hoch-  und
Tiefbauten  in  Frankfurt  und  der  Eisenbauanstalt  Aug.
Klönne  in  Dortmund;  und  5.  Architekt  Br.  Möhring  in
Berlin  in  Verbindung  mit  der  Gute-Hoffnungshütte  in
Oberhausen.
Wettbewerb  Volksbücherei  Eger.  Unter  38  Entwürfen ­
  errang  den  I.  Preis  mit  700  Kr.  der  des  Architekten ­
  F.  Glaser  in  Wien,  den  II.  Preis  von  500  Kr.  der
Entwurf  der  Architekten  W.  Ratz  in  Berlin  und  J.  Stöberl
in  Wilmersdorf,  den  III.  Preis  von  300  Kr.  der  Entwurf
der  Prof.  Kühn  &  Fanta  in  Reichenberg  i.  B.  Der  Entwurf ­
  mit  dem  Kennzeichen  eines  schwarzen  und  weißen
Raben  im  blauen  Felde  wurde  zum  Ankauf  empfohlen
und  der  Entwurf  „Deutscher  Volksratspiegel“  mit  einer
lobenden  Anerkennung  bedacht.
In  einem  engeren  Wettbewerb  betr.  Entwürfe
für  einen  Camposanto  für  Meran,  zu  welchem
die  Architekten  Langheinrich-München,  Schmitz-Nürnberg ­
  und  Weher-Wien  eingeladen  waren,  wurde  der  Entwurf ­
  des  Prof.  Jos.  Schmitz-Nürnberg  zur  Ausführung
gewählt.

Altes  Haus  „hinter  Lauben“  in  St.  Gallen
(Aus  dem  Schweizerischen  Kunstkalender  1907)
            
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