Volltext: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

17.  November  1906

BAUZEITUNG

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Beleuchtungskörper,  ausgeführt  von  Paul  Stotz,  kunstgewerb
liehe  Werkstätte,  Stuttgart

Kleine  Mitteilungen
Württ.  Kunstverein
Stuttgart.  Neu  ausgestellt:
Der  weiße  Lehnstuhl  von
Fritz  Burger;  Eingang  zum
Gutshof  von  Emanuel  Hegenbarth;
  Kanal  in  Brügge  von
O’Lynch  von  Town;  Nach
dem  Schneefall  in  den  Apenninen
  von  Otto  Sinding;
2  "Porträts,  ’s  Nanele  von
P.W.  Quarck;  Damenporträt,
Waldweiher,  Stillleben,  2
Pastelle  von  P.  v.  Wächter;
Eingang  ins  Totenreich,  Porträt ­
  von  Bich.  Lindner;  Dämmerung, ­
  Gewitterschwüle  von
Albert  Wunderlich;  Landschaften ­
  von  Paul  v.  Ravenstein; ­
  14  plastische  Arbeiten
(Büsten  und  Statuetten)  von
Karl  Donndorf  sr.;  3  Zeichnungen  von  Elisah.  Haug  u.  s.w.
Gedächtniskirche  in  Stuttgart.  Am  18.  November
wurde  von  der  Gedächtniskirchengemeinde  die  Einweihung
des  Saalanhaus  an  die  Kirche  gefeiert.  Hinter  der
Kirche,  der  bekannten  Stiftung  des  Geh.  Hofrats  Dr.
J.  v.  Jobst,  in  der  Lessingstraße  ist  ein  größerer  Saal
erbaut  worden.  Derselbe  soll  zur  Abhaltung  von  Nebengottesdiensten ­
  und  der  Sonntagsschule  sowie  als  Warteraum ­
  für  Trauungen  dienen.  Außerdem  kann  der  Saal
durch  Entfernung  von  drei  versenkbaren  Zwischenwänden
zur  Kirche  gezogen  werden,  so  daß  diese  im  Bedürfnisfall ­
  eine  Vergrößerung  um  etwa  250  Plätze  erhält.  Der
Saal  ist  mit  Niederdruckdampfheizung  ausgestattet,  und
seine  beiden  Türen  bilden  zugleich  zwei  weitere  Ausgänge ­
  aus  der  Kirche.  Ein  größerer  Souterrain  bietet
Raum  zur  Aufstellung  der  Dampfheizung  wie  auch  zur
Aufbewahrung  von  Inventar  aller  Art.  Der  Saalanbau
an  der  Kirche  ist  vom  Evangelischen  Gesamtgemeinderat
aus  den  Mitteln  der  Kirchenpflege  erstellt  worden.  Die
wohlgelungenen  Bauarbeiten  wurden  nach  den  Entwürfen
und  unter  der  Leitung  der  Architekten  Prof.  Böklen
&  Feil  ausgeführt.  Von  denselben  Baumeistern  ist  im
Auftrag  des  Gemeindevereins  der  Gedächtniskirche  auch
das  Gemeindehaus,  Lessingstraße  4,  durch  Umbau
des  L.  Yetterschen  Magazinsgebäudes  erstellt  worden.  Das
Haus,  in  einfachen  freundlichen  Formen  gehalten,  enthält
neben  Pfarr-  und  Mesnerwohnung  einen  Konfirmandenund
  Vereinssaal  sowie  ein  Sitzungszimmer.
Häusersenkling  in  Cannstatt.  Zu  dem  Bericht  in
Nr.  44  geht  uns  folgende  Einsendung  zu:  Am  31.  Juli  d.  J.
bin  ich  aus  meiner  Stellung  bei  Herrn  Ludwig  Oßwald
ausgetreten.  Die  betreffenden  Häuser  waren  in  der  Zeit
einschließlich  der  provisorischen  Dacheindeckung  im  Rohbau ­
  fertiggestellt  und  somit  der  Flaschner  immer  noch
tätig.  Als  mitschuldig  in  bezug  auf  den
Anlaß  der  Häusersenkung  kann  ich  logischerweise ­
  von  diesem  Zeitpunkt  ab
nicht  mehr  in  Betracht  kommen.  J.  Götz,
Bauführer,  Stuttgart.
Ausgrabung  römischer  Bauwerke
in  Weinsberg.  Bei  der  auf  Anregung
von  Stadtpfarrer  Meißner  durch  Hofrat
Dr.  Schliz  begonnenen  und  in  Gemeinschaft ­
  mit  Dr.  P.  Gößler  vom  Kgl.  Landeskonservatorium ­
  durchgeführten  Ausgrabung
in  Weinsberg  wurde  nicht  nur  der  Unterbau ­
  eines  aus  mächtigen  Quadern  errichteten ­
  römischen  Wachtturms  freigelegt,
sondern  auch  ein  vollständig  eingerichtetes
römisches  Bad.  An  ein  großes,  mit  feinem

Kaminvorsatz,  ausgeführt  von
Paul  Stotz,  Stuttgart

rotbemaltem  Stuck  der  Wände
ausgestattetes  Gelaß  schloß
sich,  wie  der  „Neck.-Ztg.“
berichtet  wird,  ein  ringsum
mit  Luftheizungsvorrichtung
der  Wände  versehener  Heißluftraum ­
  an,  welcher  ein
niedriges,  längliches  Bassin,
in  den  Boden  eingetieft  und
mit  eigner  Heizvorrichtung
versehen,  einschloß;  daran
anschließend  fand  sich  ein
dritter  ebenfalls  mit  Luftheizung ­
  der  Wände  versehener
Raum,  dem  als  viertes  Gelaß
ein  mit  starkem  Plattenfußboden ­
  versehenes  Gemach
folgte,  in  dessen  Ecke  ein
halbrundes  tiefes,  mit  Wassereinlauf ­
  versehenes  Becken  dem
kalten  Bade  diente.  Es  fanden ­
  sich  also  alle  typischen
Bestandteile  des  römischen  Schwitz-  und  Abwaschbads,
teilweise  reich  mit  Stuck-  und  Wandbemalung  ausgestattet.
Für  die  Römerforschung  besonders  interessant  erscheint
die  Errichtung  von  vorgeschobenen  festen  Vorwerken  vor
die  befestigte  Neckarlinie,  der  das  Kastell  angehört,  ehe
der  äußere  große  Grenzwall  mit  den  Kastellen  Oehringen,
Mainhardt  und  Murrhardt  errichtet  wurde.  Das  in  Weinsberg ­
  errichtete  war  offenbar  zugleich  zur  Deckung  einer
Straßengabelung  bestimmt,  welche  hier  einerseits  über
Eberstadt  nach  Oehringen  und  anderseits  über  Lehrensteinsfeld ­
  nach  Mainhardt  abzweigte.  Für  die  Zwecke
der  zahlreichen  Truppendurchmärsche  der  späteren  Zeit
diente  dann  die  Errichtung  eines  so  stattlichen  und  wohleingerichteten ­
  Militärbads.
Neckar-Donaukanal.  Am  7.  November  fand  in
Stuttgart  unter  dem  Vorsitz  des  Geh.  Hofrats  Dr.  v.  Jobst
und  in  Anwesenheit  des  Ehrenmitglieds  Fürst  Karl  von
Urach  eine  Sitzung  des  Neckar-Donaukanalkomitees  statt,
der  u.  a.  die  Stadtvorstände  von  Stuttgart,  Ulm,  Heilhronn,
  Mannheim  und  Eberhach  beiwohnten.  Der  zur
Entwertung  eines  Plans  für  den  Kanal  gewonnene  Regierungsbaumeister ­
  Bberhardt  erstattete  einen  ausführlichen ­
  Bericht  über  die  Trace  Neckar—Rems—Brenz—
Donau.  Auch  der  von  ihm  ausgearbeitete  Plan  ergibt  die
Möglichkeit  der  technischen  Herstellung  dieser  Kanallinie.
Oberbaurat  v.  Schaal  berichtete  eingehend  über  den
Stand  der  Neckar  schiff  ahrtsfrage.  Die  technische
Kommission  sei  über  den  Schiffstyp  einig,  über  die  Tiefe
von  2,2  m,  über  die  Brückenweiten,  über  die  geradlinige
Durchführung  der  Leinpfade  und  über  die  Anlage  der
Haltungen;  die  Erhebungen  auf  württembergischer  Seite
seien  beendigt,  Heilbronn  als  vorläufige  Endstation  werde
jedenfalls  eine  ganz  bedeutende  Hafenanlage  erhalten;  die
Festsetzung  der  Schleusen  und  Bahnanlagen  werde  noch
in  diesem  Jahre  erfolgen.  Das  seien
indes  wegen  der  Hochwasser-  und  Eisverhältnisse ­
  sehr  schwierige  Fragen,  die
man  nicht  übereilen  dürfe.  Voraussichtlich ­
  werde  man  sich  für  Walzenwehre
entscheiden  müssen.  Die  Frage  der
Kosten  wird  noch  mit  ganz  besonderer
Sorgfalt  behandelt  werden,  um  ein  klares
Bild  von  vornherein  zu  haben.  Der  Vorsitzende ­
  schlug  dann  unter  dem  Beifall
der  Anwesenden  vor,  daß  der  Techniker
des  Komitees,  Regierungsbaumeister  Eberhardt, ­
  falls  es  seine  Zeit  noch  erlaube,
eine  Studie  ausarbeite  über  die  Fortführung ­
  des  Wasserwegs  von  Ulm  zum
Bodensee,  dann  habe  man  der  Zu ­
	        
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