Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085.4-3,1906
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1906/412/
24. November 1906 
BAUZEITUNG 
379 
fahrtsgelegenheiten geschaffen oder verbessert werden. 
Bei der Feldwegregulierung werden daher dort, wo Feld 
wege mangeln oder nicht entsprechen, solche neu an 
gelegt, die unpraktischen und überflüssigen eingezogen, 
die vorhandenen brauchbaren verbessert, krumme Wege 
gerade gelegt, Umwege beseitigt, schmale Wege ver 
breitert, steile Wege in sanfter ansteigendes Gelände 
verlegt und überall taugliche, allen wirtschaftlichen Ver 
hältnissen entsprechende Fahrwege für die beteiligten 
Grundstücke hergestellt. Wo erforderlich, werden Aus 
weiche- und Um wendestellen, auch Lager- und Ablade 
plätze, namentlich in bergigem Gelände angebracht. Sehr 
häufig ist auch bei diesen Unternehmungen die Anlage 
von Wasserabzugsgräben. Die Regelung von Wasser 
läufen sowie die Erbauung von Brücken und Durchlässen 
gehört demzufolge erforderlichenfalls auch mit zur Feld 
wegregulierung. Ebenso gehören hierzu auch alle Besitz 
veränderungen, Grundabtretungen und Grundzuteilungen, 
Verlängerungen der Grundstücke bis zu den Wegen, 
welche durch die neue Wegführung, sei es infolge von 
Grundstücksdurchschneidungen oder infolge der besseren 
Grundstückseinteilung, veranlaßt worden sind. 
Man hat somit in diesen Feldwegregelungen ein 
Mittel, dort, wo Feldbereinigungen nicht durchführbar 
oder nötig sind, wenigstens die Zu- und Abfahrtsverhält 
nisse zu verbessern. Bei einer Flurbereinigung in Edes 
heim, Pfalz, kosteten in ebenem Wiesengelände 8030 m 
Wege mit 4—5 m Breite 10422 M., der Aufwand war 
also nur 1 M. 30 Pf. per Meter. 
Für Flurbereinigungen im Bezirksamt Uffenheim, Mittel 
franken, sind 204 km Wege, meist 4 m breit, angelegt 
worden. Hauptzufahrtswege erhielten 5 m Breite und 
darüber, bei weniger benutzten Wegen ging man bis auf 
3 m Breite zurück. Die Kosten der Wegherstellung, welche 
von den Beteiligten meist durch Arbeitsleistungen ab 
verdient wurden, stellten sich auf 1 M. 50 Pf. per Hektar. 
Bei einer andern Feldbereinigung im Bezirk Neu-Ulm 
entstanden Kosten für die Feldwege überhaupt nicht, da 
die Herstellung derselben in der Weise erfolgte, daß jeder 
Grundbesitzer entsprechend seiner Flächeneinlage zum 
Wegbau Hand- und Spanndienste leistete. 
Nähere eingehende Mitteilungen über die Feldberei 
nigungen enthält der Katalog für die Ausstellung des 
Kgl. bayrischen Ministeriums des Innern, dem obige 
Notizen teilweise entnommen sind. (Schluß folgt) 
Haiiteclmi sclie Rundschau 
Ein Universalien ster. Bei der Fertigstellung und 
Einrichtung eines Hauses wird auf ein gutes Fenster mit 
Recht großer Wert gelegt, vermittelt es uns doch zwei 
der Hauptbedingungeu des Lebens: Licht und Luft. Die 
Erfüllung der ersteren bietet keine Schwierigkeiten, da 
man durch die Zahl der Fenster einen Wohnraum be 
liebig hell machen kann, anders ist es mit der zweiten 
dieser Grundbedingungen. Um Luft einem Fenster zu 
zuführen, muß es geöffnet werden, und gerade das Oeffnen 
ist eine solch wichtige Funktion, daß von ihr zum Teil 
unser Wohlbefinden, ja unser Leben abhängt. Mit wahrer 
Hast öffnet man in der Frühe das Fenster, um frische 
Luft einzulassen und die verbrauchte schlechte zu ver 
treiben, und erst im Augenblick der Gefahr, wenn die 
Zimmerluft durch ausströmende Gase vergiftet ist und 
den Bewohnern Ersticken droht — ist das nächste Hilfs 
mittel rasches Aufreißen der Fenster. Um letzteres 
zu erreichen, muß sich der Mechanismus des Oeffnens 
mit einem Griff vollziehen lassen: er muß also ein 
fach, bequem und leicht zu handhaben sein. 
Die gleichen Vorzüge müssen, soll ein Fenster voll 
kommen sein, beim Schließen vorhanden sein, wenn 
auch hier der umgekehrte Zweck verfolgt wird. Das 
Zimmer soll rasch und leicht geschlossen werden können, 
aber auch zugleich — und das ist längst das heiße Sehnen 
aller Hausfrauen — luft- und wasserdicht. AVas hilft 
das schönste Beschlag, der eleganteste Verschluß, wenn 
bei plötzlichem Unwetter das Wasser in Menge durch 
die Fugen dringt, Vorhänge und Teppiche durchnäßt 
und den Boden überflutet, oder wenn es bei kaltem 
AVetter in der Nähe des Fensters vor Zugluft kaum 
auszuhalten ist? Nur ein w etter dichter Ver 
schluß kann hier Hilfe schaffen. Ganz und voll wird 
man sich erst dann der Behaglichkeit seiner AVohnung 
bewußt, wenn sie eine Einrichtung aufzuweisen hat wie 
Körners Universalfenster, das alle Vorzüge eines 
Wandgrabroal von Prof. Fritz Schumacher, Dresden 
Aus dem Werk: „Das deutsche Kunstgewerhe 1906“, Verlag von P. Bruckmanu, A.-G., München
        

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