Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

BAUZEITUNG 
Oranit 
Jfi. ■ so.oom Pf ■ 350 m. 
Nr. 50 
Donoubruche bei Munderkmgan 
j)onoubrücke bei Jmigi/ofen. 
Gelenke gewölbter Brücken 
Nun hat die bayrische Staatsbahnverwaltung auf Grund 
der anläßlich des Einsturzes der Corneliusbrücke von 
Eöppl angestellten Versuche bestimmt, daß Gerüstholz 
quer zur Faser nur mit 12 Atm., längs derselben nur mit 
28 Atm. beansprucht werden soll. Diese Vorsicht geht 
entschieden zu weit und ist auch durch die anderwärts 
gemachten Erfahrungen nicht gerechtfertigt. Der Grund 
zu dem genannten Einsturz ist, nach dem Zustand der 
Gerüsthölzer nach der Katastrophe zu schließen, wohl 
kaum in deren Ueberlastung zu suchen. Eher kann viel 
leicht die Ursache in der Verwendung von Spindeln mit 
Kugelgelenken, deren labiles Gleichgewicht durch den 
geringsten Seitendruck gestört werden mußte, erblickt 
werden. 
Bei Anwendung der allerdings nötigen Vorsicht bei 
Beanspruchung des Holzes quer zur Faser und Einlegung 
von Eisen und Hartholz im Stoß von Stempel und Schwelle 
kann gesundes und, was besonders wichtig ist, trocken 
aufgewachsenes Holz mit 28 Atm. quer zur Faser und bis zu 
80 Atm. längs zur Faser unbedenklich beansprucht werden. 
Man hat neuerdings zur Verminderung der Lehrgertist- 
kosten öfter Eisen verwandt, wobei die Eisenteile später 
wieder anderweit verwendbar sind. Diese Bauart er 
fordert sorgfältige Berücksichtigung der auftretenden 
bedeutenden Temperaturbewegungen, die besonders bei 
einseitiger Sonnenbestrahlung unangenehm werden können. 
Anderseits sind sie jedoch im Gegensatz zu den Längen 
änderungen bei Holzkonstruktionen der Berechnung zu 
gänglich. Durch Teilung der Gewölbe bei der Ausführung 
parallel zur Stirn, so daß das Lehrgerüst nur für einen 
Teil der Gewölbebreite bei mehrfacher Wiederverwendung 
herzustellen ist, lassen sich die Gerüstkosten sehr ein 
schränken. Es wurde in dieser Weise bei der Donau 
brücke in Berg und in großartigem Maßstab bei der 
Petrussebrücke vorgegangen. Bei den Illerbrücken in 
Kempten fand das Gerüst durch Zerlegung des einen 
Bogens in zwei Teile und nachherige Versetzung zum 
Bau eines dritten Bogens mit ähnlichen Abmessungen 
dreimalige Verwendung. 
Last der Reibungswert von 0,0062 auf 0,0025 abnahm, 
was eine Drehung in den Gewölben sicher gewährleistet. 
Diese interessante Eigenschaft, Abnahme des Reibungs 
werts bei zunehmendem Druck, führte auch zu der Kata 
strophe der Maximiliansbrücke, die, nahezu fertig, aus 
den Gelenken abglitt. 
Ebenso ist der Einwand, Scheitelgelenke führten zu 
bedenklichen Bewegungen des Gewölbes unter der Ver- 
kehrslast, bei dem sehr starken U eberwiegen des Eigen 
gewichts ganz unhaltbar, was auch die Erfahrung be 
wiesen hat. Der Wert von Gelenkeinlagen erhellt aus 
dem Umstand, daß ihre Verwendung bei allen damit 
ausgestatteten Brücken Rißbildung völlig verhütet hat, 
während eine Anzahl von Gewölben andrer Bauart auf 
gehende Kämpferfugen zeigten. 
Die Gründung von flachen Brücken erfordert ein 
gehende Beachtung der Möglichkeit, daß bei dem spitzen 
Winkel, unter dem die Drucklinie die Fundamentsohle 
schneidet, ein Abgleiten des Widerlagers auf dieser er 
folgen kann. Neben der üblichen Berechnung ist die 
Sicherheit gegen diese Gefahr uachzuweisen. Für die 
unbedingt nötige Berücksichtigung des Auftriebs bieten 
die Untersuchungen von Brennecke Anhaltspunkte. Durch 
Verbreiterung und Belastung des Widerlagers erzielt 
man die erforderliche raschere Senkung der Drucklinie und 
Druckverteilung bei ungünstigem Baugrund. 
Baurat Braun wandte bei der Donaubrücke in Berg- 
Ehingen eine bemerkenswerte Art der Gründung an. 
Durch Einpressen von Zement mit mäßigem Ueberdruck 
in den Kiesgrund wurde dieser in Beton verwandelt, der 
als eigentliches Fundament diente. Bei den Zwischen 
pfeilern wurde durch dasselbe Verfahren eine wasser 
dichte Masse längs den Spundwänden rings um die Bau 
grube hergestellt. Da bei diesem Vorgehen die Sand- 
und Kiesbänke je nach der Dichtheit ihrer Lagerung dem 
Zement mehr oder weniger sich auszubreiten gestatten, 
erzielte man vorzüglichen Erfolg. In vielen Fällen hat 
man bei großen Brücken aus Rücksicht auf die hohen 
Lehrgerüstkosten nicht zum Steinbau gegriffen. 
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