Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

15. Dezember 1906 
BAUZEITUNG 
403 
Ausgedehnte Heranziehung von wenigen bewährten 
Firmen wird die höchst vorteilhafte Möglichkeit schaffen, 
für gewisse Brücken Normallehrgerüste herzustellen. Bei 
den Münchner Brücken ist zum großen Teil nach diesem 
Grundsatz verfahren worden. Verstärkung der Gerüste 
wegen Erschütterung beim Stampfen ist unnötig; dagegen 
ist freies Herabschütten großer Betonmassen von hohem 
Gerüst unzulässig. 
Unter den sehr wichtigen Ausrüstungsvorrichtungen 
verdienen die Sandkästen, besonders in der von Nestle 
verbesserten Form, den Yorzug vor Spindeln, der größeren 
Stabilität und leichteren Bedienung beim Ablassen halber. 
Ein nachträgliches Heben des Gerüsts wird bei guter 
Ausführung nicht erforderlich. Die Herstellung der Ge 
wölbe und Widerlager selbst erfuhr ebenfalls eingehende 
Durchbildung. 
Zum Gewölbeheton wird Zement von besonders feiner 
Mahlung und hoher Festigkeit genommen. Außer reinem 
Quarzsand findet auch der als Abfall bei Steinbrech 
maschinen gewonnene künstliche Sand Verwendung. Beton 
mit derartigem Sand aus Hauptmuschelkalk ergab hei 
der Neckarhauser Brücke sogar höhere Festigkeit als 
solcher mit Normalsand. Im Gewölbe ist als Zuschlag 
scharfkantiger Schotter vorzuziehen, für Widerlager ge 
nügt Kiesheton. Das Mischungsverhältnis ist im Gewölbe 
meist 1:2‘/ 2 :5, im Widerlager 1:3:6, für Gelenkquader 
1:2:4 bis 1:2:3. Je kantiger der Schotter ist, desto 
plastischer muß der Beton sein. Plastischer Beton gibt 
größere Zuverlässigkeit, erdfeuchter höhere Festigkeit. 
Mit Maschinenbeton werden viel größere Festigkeiten er 
zielt als bei Handmischung, derselbe ist also unbedingt 
vorzuziehen. Von größtem Einfluß ist natürlich auch 
energisches Stampfen, das senkrecht zu geschehen hat, 
um nicht der Schwerkraft entgegenzuwirken. 
Die Stirnen werden durch Vergeben von besonderer 
Mischung und feinem Pochmaterial mit dem Gewölbe 
kern gleichzeitig eingebracht. Nachherige Bearbeitung 
durch den Steinhauer erzielt im Aussehen ganz die 
Wirkung des natürlichen Steines. Vorsetzen von Quadern 
ist wegen der verschiedenen Elastizität von Beton und 
Steinen nicht empfehlenswert. Nachträglicher Verputz 
fällt ab, daher ist es immer noch besser, die Stirn gar 
nicht besonders zu behandeln; doch sollten die geringen 
Kosten der erstgenannten Ausführungsart nicht gescheut 
werden. 
Bei Bruchsteingewölben werden die rauhen Blöcke in 
ein sattes Mörtelbett verlegt, die Stirnen und Leibungen 
werden wie bei Betongewölben behandelt. Die Wirt 
schaftlichkeit im Vergleich zum Betongewölbe richtet sich 
nach den örtlichen Verhältnissen. Backsteingewölbe sind 
mit größter Sorgfalt überall satt in Mörtel zu mauern. 
(Schluß folgt) 
V. de Pay Kurvensammler 
Das so benannte Instrument hat seine Bezeichnung 
davon, daß auf einer durchsichtigen Zelluloidplatte von 
21/33 cm Größe eine Anzahl Bögen zum gleichen Ge 
brauch wie die sonst übliche Sammlung einzelner Kurven 
aus Holz, Metall u. s. w. zusammengestellt sind. Gegen 
über diesen hat der „Kurvensammler“ aber den einleuch 
tenden Vorteil der viel einfacheren Handhabung, der 
Uebersichtlichkeit und Durchsichtigkeit und vor allem 
der bequemen Verwendbarkeit bei auswärtigen Geschäften 
direkt auf dem Felde. Der Wegfall des zeitraubenden 
Heraussuchens einzelner Bögen unter Akten und Zeich 
nungen und die leichte Reinhaltung des Sammlers sei 
nur nebenbei bemerkt. 
Die 29 im „Kurvensammler“ enthaltenen Bögen 
haben wirkliche Halbmesser von 100—3000 mm, so daß 
sie im Maßstab 1; 1000 100—3000 m und im Maßstab 
1:2500 250—7500 m entsprechen. Der „Kurvensammler“ 
bildet mit seinem kleinsten Halbmesser (100 mm) ge 
wissermaßen eine Fortsetzung der früher erschienenen 
„Kurvenpalette“, die als größten Halbmesser 80 mm auf 
weist. Während aber die „Kurvenpalette“ sich in erster 
Linie für kleine Maßstäbe, also zwischen 1:50 000 und 
1; 2500 eignet, soll der „Kurvensammler“ hauptsächlich 
in den Maßstäben 1: 10 000 bis 1; 1000 verwendet 
werden. 
Das vorbeschriebene Instrument ist eine neue sehr 
erfreuliche Errungenschaft unter den zum Trassieren von 
Eisenbahnen, Straßen und Wasserläufen u. s. w. dienen 
den Hilfsmitteln und kann allen hiermit beschäftigten 
technischen Bureaus (zahlreiche staatliche Bureaus haben 
bereits davon Gebrauch gemacht) und Privaten bestens 
empfohlen werden. In Hinsicht der äußerst exakten und 
soliden Ausführung durch Graveur L. Jennewein in 
Stuttgart, darf man den Preis von 9,50 M., im Selbst 
verlag von Bauinspektor de Pay, Stuttgart, Priedrich- 
straße 23, als einen durchaus mäßigen bezeichnen. K. 
Entwurf zu einem Wolmliaus 
Architekt Ernst Kühne, Leipzig 
Der Sockel ist mit bruchrohem Erzgebirgsgranit ver 
blendet. Die Fugen wurden grünlich hervorgehoben. Die 
einfachen Bildhauerarbeiten sind sparsam vergoldet. Der 
Putz von leicht oliver Färbung ist rauh, während die 
schmalen Fenstereinfassungen geglättet sind. Vom ersten 
Obergeschoß an wurden zu allen Ornamenten farbige 
Glasuren zur Anwendung gebracht, die zu dem grün 
lichen Putz in Violett, Orange und Blaugrün vorsichtig ab 
gestimmt sind, so daß trotz der Farbenfreudigkeit eine 
gewisse Zurückhaltung gewahrt blieb. Das ausladende 
Hauptgesims hat einen blaugrünen Anstrich bekommen 
und zeigt in seinen von unten sichtbaren Kassetten eine 
kräftige violette Schablonierung. Die kleinen Säulchen 
sind aus oxydiertem Kupfer her gestellt. Der in einem 
Stadtteil mit offener Bauweise errichtete Bau ist mit 
Schiefer eingedeckt. 
A Tom Holzmarkt 
Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Position des 
rheinischen Holzmarktes auf der ganzen Linie eine sehr 
feste ist. Wenn es bisher noch nicht in vollem Umfang 
gelang, die Preise auf das Niveau zu bringen, den der 
Wertstand des Rohmaterials eigentlich bedungen hätte, 
so ist dies einzig und allein nur darauf zurückzuführen, 
daß jetzt in der Zeit des abnehmenden Verkehrs dies 
sehr erschwert wird. Was die Lage des süddeutschen 
Brettermarktes betrifft, so muß hervorgehoben werden, 
daß sich die Verhältnisse im Einkauf und Verkauf nicht 
miteinander decken. Während nämlich im Einkauf der 
Schnittwaren bei den süddeutschen Produzenten allgemein 
hohe Preise angelegt werden müssen, sind die Erlöse im 
Verkauf nach dem Mittel-, Niederrhein und Westfalen 
jetzt sehr gedrückt. Um so auffälliger ist dies, als das
	        

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