Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

12 
BAÜZEITUN6 
NR. 5 
der Prüfung des neuen Systems springt sofort in die 
Augen, daß der Heizkörper ein von den äußeren Formen 
des Ofens oder — richtiger gesagt — des Mantels un 
abhängiges Ganzes bildet, welches in ein beliebiges Kleid 
gesteckt werden kann. Der Heizkörper kann an sich 
schon als Ofen verwendet werden, ebensogut wie als Ein 
satz für Tonöfen oder für eiserne Mantelöfen. Bei den 
verschiedenen Größen bleibt die Tiefengliederung stets 
dieselbe, währenddem sich nur die Breite und die Höhe 
verändert. Damit wäre also die Vorbedingung für die 
Grundform der Konstruktion erfüllt, und wir gehen an 
Hand des Schnittes sofort zur näheren Beschreibung 
dieses über. 
Der Heizkörper zerfällt in fünf Hauptteile; 1. den Feuer- 
raum, 2. den Äschraum, 3. den Füllschacht, 4. die Zirku 
lation, 5. die Regulierung. 
1. Der Feuerraum ist ganz von den bestehenden und 
bewährten Konstruktionen herübergenommen, er besteht: 
a) aus dem liegenden Rost mit Rostreiniger, b) aus dem 
Korbrost, c) aus den Schutzplatten. Zur bequemen Aus 
wechslung aller dieser Teile ist die halbe Türenfrontplatte 
zum Abnehmen eingerichtet, und zwar ist dieselbe nicht 
mit Schrauben befestigt, die nach kurzem Brand des 
Ofens festsitzen und nur durch Herausbohren entfernt 
werden können. Die Platte sitzt vielmehr unten in 
Doppelfalzen und wird oben nur durch zwei Verreiber 
gehalten, welche leicht mit der Beißzange geöffnet werden 
können. 
2. Als richtiges Merkmal ist für den Aschraum hervor 
zuheben, daß die Aschtüre gegenüber den vor dem Feuer 
raum befindlichen Türen breiter angelegt ist, um einen 
möglichst geräumigen Aschkasten zu erhalten. Heber 
demselben ist außerdem rechts und links ein Aschleiter 
angeordnet, so daß die Asche gezwungen ist, in den Kasten 
zu fallen. 
3. Die Aufgabe für den Füllschacht lautet: Totes Magazin 
mit steter Abkühlung unter Vermeidung unnützer Hohl 
räume. Der Füllschacht ist derart über dem Feuerraum 
angeordnet, daß sich die Kohlen genau über die Mitte des 
selben schichten, und so, daß im Feuerraum keine der ge 
fährlichen Hohlräume entstehen, deren schädlichen Einfluß 
wir bereits kennen. Er ist außerdem ringsum freigelegt, 
so daß sich seine Wandungen stetig ab kühlen und diese 
gleichzeitig als Heizfläche dienen können. Damit sind 
die in der Aufgabe gestellten Bedingungen zweifellos 
erfüllt. Der untere Teil des Füllschachtes, „das Füll 
schachtende“, welches in den Feuerraum hineinragt, ist 
wie bei jedem guten Amerikanerofen zwecks Auswechs 
lung zum Abnehmen eingerichtet. 
4. Die Zirkulation. Die Heizgase werden in stetig un 
unterbrochenem Wege ohne Querschnittsveränderungen 
unter der denkbar größten Ausnutzung für die äußere 
Heizfläche zum Schornstein geleitet. Zunächst ist direkt 
über dem Feuerraum rings um das Füllschachtende ein 
Heizkanal gelegt, welcher im Gegensatz zu allen bestehen 
den Konstruktionen sofort als Feuerzug bezeichnet werden 
kann. Von hier aus gehen die Heizgase rechts und links 
an den Seitenwänden hinter dem Füllschachtende nach 
oben und stürzen sich in derselben Achse an den Seiten 
wänden bis zur Bodenplatte, vereinigen sich nach der 
Mitte zu einem Feuerzug, zuerst hinter der Mitte des 
Feuerraums hochgehend, dann, auf der Höhe des Füll 
schachtes angelangt, eine Feuerbrücke überschreitend, 
welche wir beim Hauptteil „Regulierung“ noch besonders 
kennen lernen werden. Nunmehr wird der Zug, soweit 
es eben der Grundzug gestattet, möglichst viel Heizfläche 
freizulegen, gegen die Mitte des Ofens gezogen, um für 
die Abführung des Rauches durch ein anschließendes 
Bogenrohr möglichst viel Raum zu gewinnen. In der 
vorzüglichen Ausnutzung der Heizgase liegt der Nerv für 
den sparsamsten Verbrauch. 
5. Die Regulierung. Um zunächst eine geschützte Lage 
zu gewährleisten, wurde der Raum gewählt, welcher, 
sobald der Ofen in stärkerem Brande erhalten wird, durch 
stetigen Luftwechsel gekühlt ist, nämlich der Raum unter 
dem Aschfall; hier betätigt zwischen einem doppelten 
Boden ein einfacher Winkelhebel die Schieber für die 
Luftzuführung und die Gegenzugsklappe. Dieser Winkel 
hebel steht unter der Aschtüre etwas hervor, auf der 
Aschtüre selbst ist eine Skala angebracht, und durch 
Einstellen des Hebels auf deren Marken „Anfeuern, 
Stark, Mittel, Schwach“ wird die gewünschte Feuerstärke 
dank der vorzüglichen Ausnutzung der Heizgase in er 
staunlich kurzer Zeit bewirkt. Die bei allen Konstruk 
tionen übliche Anfeuerungsklappe fehlt deshalb vollständig, 
weil die durch das Ziehen der Heizgase gegen die Mitte 
des Füllschachtes entstehende Feuerbrücke ihre innere 
Seite dem Feuerraum zukehrt und gleichzeitig den Feuer 
raum gegen denjenigen Feuerzug abschließt, in welchem 
sich die Heizgase zum Austritt ins Rauchrohr vereinigen. 
Es leuchtet klar ein, daß die Peuerbrücke immer zu 
vörderst erhitzt wird, sobald die Regulierung auf „An 
feuern“ gestellt ist, und sich überhaupt nie ganz abkühlen 
kann. Diesem letzten Umstände verdanken wir eine ganz 
enorme saugende Kraft, welche der Wirkung einer An 
feuerungsklappe mindestens gleichkommt, , nur mit dem 
Unterschiede, daß hierbei die Heizgase unausgenutzt zum 
Schornstein hinausfliegen, während sich diese dort sofort 
für die Heizkraft nutzbar machen. 
Die Luftzufuhr geschieht durch zwei Oeffnungen, welche 
sich durch zwei zwangsläufig verbundene Schieber mehr 
oder weniger öffnen bezw. schließen, und zwar vorne auf 
beiden Seiten der Rosteinrichtung, so daß die Luft ge 
zwungen ist, nach der entgegengesetzten Seite, nach 
welcher der Abzug der Heizgase stattfindet, einzutreten. 
Hierdurch bewirkt man eine gleichmäßige und vollkommene 
Verbrennung der Kohlen in der Feuerzone. Die Wirkung 
der Gegenzugsklappe geschieht in zwei Vorgängen: 1. in 
der indirekten Einwirkung der Zimmerluft auf die Heiz 
gase, 2. in der nahezu vollständigen Entziehung der 
Luftzufuhr für die Feuerzone. Die Klappe ist derart mit 
den Luftzutrittschiebern zusammengekuppelt, daß sie sich 
erst öffnet, wenn diese geschlossen sind. Durch diesen 
Vorgang wird das Feuer in dem denkbar schwächsten 
Brande erhalten, ohne jedoch ganz zu erlöschen. 
Die Vorzüge des neuen Systems im Vergleiche zur alten 
Konstruktion sind kurz zusammengefaßt folgende: 1. Von 
jeder äußeren Verzierung unabhängiger Grundtyp als 
Heizkörper mit geringer Tiefengliederung für den doppelten 
Zweck, a) als Ofen für sich, b) als Einsatz für Tonöfen 
und für eiserne Mantelöfen. 2. Bequemes Auswechseln 
der Innenteile im Feuerraum durch leicht abnehmbare 
Front. 3. Vollständige Freilegung des Füllschachtes zur 
Heizfläche unter Vermeidung von gefährlichen Hohl 
räumen. 4. Ausnutzung der Heizgase durch doppelt ge 
führte Züge auch nach der inneren, dem Füllschachte 
zugekehrten Seite des Ofens. 5. Die geschützte Lage 
der Zentralregulierung. 6. Die Vereinfachung ihrer Hand 
habung durch Wegfall der Anfeuerungsklappe. 7. Spar 
samerer Verbrauch zufolge der vergrößerten Heizfläche; 
bei gelinder Witterung läßt sich der Heizkörper derart 
regulieren, daß man den Verbrauch kaum wahrnimmt. 
PERSONALIEN 
WÜRTTEMBERG. Befördert : Auf die Stelle eines Oberbaurats 
bei der Generaldirektion der Staatseisenbaimen der Baurat tit. Ober 
baurat Zügel bei dieser Behörde. — Verliehen; Dem ord. Professor 
Dr. Koch an der Technischen Hochschule in Stuttgart das Ritter 
kreuz des Ordens der württ. Krone, dem Bildhauer H. Eritz in 
Stuttgart die Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft am 
Bande des Priedriohordens. 
REDAKTION: ADOLF FAUSEL, STUTTGART; FRITZ SCHMIDT, ARCHITEKT, DIPL. 
ING., DEGERLOCH. ADRESSE FÜR ALLE SENDUNGEN: BAUZBITUNG-STUTT6ABT, 
HEGBLSTBASSK 68 IL DRUCK; DEUTSCHE VERLAGS-ANSTALT IN STUTTGART
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.