Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

entfaltet und sich um die darstellende Geometrie hohe 
Verdienste erworben. Daher soll sein Bild in künst 
lerisch würdiger Form der Nachwelt erhalten bleiben. 
Beiträge sind an Kalkulator Kiesel an der Technischen 
Hochschule zu Berlin einzusenden. 
Mannheimer Industbibböese. Der nächste Spezialtag 
der Bau- und Baimaterialienbranche wurde auf Dienstag 
den 3. April festgesetzt. 
Denkmalpflege in Dresden. Eine große Bei he von 
Gebäuden und auch ganze Straßenansichten sind für 
künstlerisch wertvoll erklärt worden und etwaige un 
erfreuliche Veränderungen an ihnen werden auf folgende 
Weise verhindert oder wenigstens erschwert. Zunächst 
ist den Bausachverständigen die Liste der künstlerisch 
wertvollen und deshalb geschützten Häuser übergeben 
worden, damit sie bei Gutachten über etwaige Ver 
änderungen an diesen Gebäuden auf den künstlerischen 
Wert Kücksicht nehmen. Die Umschläge der Bauakten 
aller geschützten Gebäude sind mit roten Zetteln ver 
sehen, die den Aufdruck tragen: Kunsthistorisch wert 
volles Gebäude. Dadurch wird sofort die Aufmerksam 
keit aller Beteiligten erregt, wenn an dem Bauwerke 
etwas verändert werden soll. Die Gutachten der Bau 
sachverständigen über bauliche Veränderungen an solchen 
Gebäuden sind im Einvernehmen mit dem Oberbau 
kommissar zu erstatten, damit eine einheitliche Beurtei 
lung solcher Bauvorhaben erreicht werde. Weiter gibt 
das Baupolizeiamt von allen geplanten baulichen Ver 
änderungen derartiger Gebäude der Kgl. Kommission 
zur Erhaltung der Kunstdenkmäler Kenntnis. Der Kom 
mission ist es dann überlassen, wegen des erforderlichen 
Denkmalschutzes die Beteiligten zu verständigen und zu 
beraten. Um aber einen tatsächlichen wirksamen Denk 
malschutz zu erreichen, hat endlich der Bat in seine 
neue Bauordnung folgende beide Bestimmungen auf 
genommen: § 7, Absatz 1. Bei der Aufstellung der 
Bebauungspläne ist vorzugsweise Kücksicht zu nehmen... 
auf die tunlichste Erhaltung geschichtlich oder künstlerisch 
wertvoller Bauwerke. § 63, Ziffer 2. Bei Bauten an 
und in der Umgebung von geschichtlich oder künstlerisch 
wertvollen Bauwerken ist darauf Rücksicht zu nehmen, 
daß sie in ihrer äußeren Erscheinung tunlichst diese Bau 
werke unbeeinträchtigt lassen und dem Bauwerke sich 
anpassen. Die Liste der geschützten Gebäude umfaßt 
82 Häuser in Dresden-Altstadt, 32 in Dresden-Neustadt; 
dazu kommen 27 Erker und 25 sonstige bauliche Einzel 
heiten. Auch mehrere Gesamtstraßenbilder umfaßt das 
Verzeichnis. Daß in der Tat durch diese Maßregeln 
Erfolge erzielt werden, zeigen mehrere Vorkommnisse 
der jüngsten Zeit. So wurde kürzlich zwischen zwei 
fiskalischen Gebäuden in der Höhe des vierten Ober 
geschosses ein Uebergang über das Kanzleigäßchen her 
gestellt; durch das Eingreifen des Baupolizeiamts und 
der Denkmalskommission hat dieser Uebergang eine Form 
erhalten, die dem Straßenbilde einen neuen eigenartigen 
Reiz verleiht und sich trefflich den alten Architektur- 
forraen einpaßt. 
Würzbueg. Am 13. Januar fand hier eine Versammlung 
der Dachpappenfabrikanten Süddeutschlands statt. Die 
selbe war von den bedeutendsten Firmen des Bezirks 
besucht, welche sich auf den bereits von den namhaftesten 
Firmen Mitteldeutschlands geschlossenen Kartellvertrag 
zur Regelung der Preise ihrer Erzeugnisse verpflichteten. 
PERSONALIEN 
WÜRTTEMBERG. Ekteilt; Dem württ. Staatsangehörigen Wirkt 
Geh. Oberbaurat und vertragenden Rat im Reiohseisenbahnamt 
v. Misani die Erlaubnis zur Anlegung des preuß. Kronenordens 
2. Kl. mit dem Stern. Überträgen: Die Stelle des Staatsteohnikers 
für das öffentliche Wasserversorgungs wesen dem Regierungsbaumeister 
0. Gross in Stuttgart mit der Dienststellung eines Bauinspektors. 
BAÜZBITUNG 
BELEUCHTUNGS 
KÖRPER VON P. 
HAUSTEIN. AUS- 
QEFÜHRT VON K. 
M. SEIFERT & CO., 
DRESDEN-A, 
BÜCHER 
FRIEDRICH OHMANNS ENTWÜRFE UND 
AUSGEFÜHRTB BAUTEN. Mit einem An 
hänge von Studien. Ein Sonderabdruck aus 
der Monatschrift „Der Architekt“. Mit mehreren 
Ergänzungen. Zusammengestellt und erläutert 
von F. v. Peldegg. 30 M. Verlag Anton Schroll 
& Co., Wien 1906. 
Friedrich Ohmann, 1858 in Lemberg geboren, 
studierte am Wiener Polytechnikum unter Karl 
König, dessen Assistent er später wurde; in 
Wien besuchte er auch die Architekturschule 
an der Akademie der bildenden Künste unter 
Friedrich Schmidt, der ihn nach Amsterdam 
an John Groll empfahl. Mit diesem errang 
er gemeinsam den II. Preis bei der inter 
nationalen, von 250 Architekten beschickten 
Konkurrenz für die Amsterdamer Börse. Publizistisch betätigte er 
sich bald darauf mit seiner Fortsetzung und Beendigung des von 
Baumann und Preßler begonnenen Werkes: „Barock“ und mit der 
Herausgabe seines Werkes: „Architektur und Kuustgewerbe der 
Barockzeit, des Rokoko und Empire in Böhmen und andern öster 
reichischen Ländern“. Ohmanü erhielt dann eine Berufung an die 
Kunstgewerbeschule in Prag, wo er die Spezialschule für dekorative 
Architektur leitete. In Prag schuf er einige Bauten in historischen 
Stilformen: das gotische „Storohenhaus“, das „Adlerhaus“ in den 
Formen der deutschen Renaissance und ein Museum für Reichen 
berg. Indirekt erhielt er später durch diese letztgenannte Schöpfung 
den Auftrag zum Bau des städtischen Museums in Magdeburg; bei 
der für das Magdeburger Museum ausgeschriebenen Konkurrenz 
erhielt eine Arbeit, die ein Plagiat des Ohmannschen Museums in 
Reichenberg vorstellte, den I. Preis. Eei der Veröffentlichung der 
Entwürfe wurde dieser Diebstahl geistigen Eigentums entdeckt und 
der Bau an Ohmann übertragen. Zugleich schuf Ohmann auch in 
den Formen des Barocks und des Rokoko, so den Saalbau des 
Fürstlich Clarysohen Gartenhauses in Teplitz, und in den Foimen 
der Hochrenaissance: das Gebäude der Assecurazioni generali (nicht 
von ihm selbst beendet), Entwürfe für eine eiserne Brücke für 
Prag, für ein städtisches Sparkassengebäude in Troppau, für die 
Prager Produktenbörse. Zu den . ersten Bauten Obmanns von 
ausgesprochen modernem Charakter gehören das Cafe Corso 
und das Hotel Zentral in Prag. 1899 wurde Ohmann nach dem 
Ableben Karl Hasenauers zur Leitung des k. k. Hofburgbaues nach 
Wien berufen. Schon im Jahre vorher war er in Wien gemeinsam 
mit Jos. Haokhofer an der architektonischen Ausgestaltung der 
Wienflußregulierung längs des Stadtparkes tätig; ein Teil davon, 
eine Milohtrinkhalle, ist bereits ausgeführt. Eine Reise nach Italien 
zu jener Zeit muß erwähnt werden. Von den Ohmannschen Bauten 
neueren Datums seien noch erwähnt: ein Landhaus in Hietzing^ 
ein Palais in Wien, das Museum Carnunti in Deutsch-Altenburg 
(gemeinsam mit August Kirstein). Ferner Entwürfe für ein Kaiserin- 
Elisabeth-Denkmal im Wiener Volksgarten, Studien zur Regulierung 
des Karlskirchenplatzes und für das an diesem Platz gedachte 
Museum der Stadt Wien. Jetzt hat Ohmann eine Lehrstelle am 
Wiener Polytechnikum inne. 
Das im Verlage von Schroll & Co., Wien, erschienene Werk bringt 
einen Ueberblick über das baukünstlerisohe Schaffen Obmanns 
und vorzügliche Aufnahmen und Reproduktionen in vornehmer 
Buchausstattung. Eine Einleitung von F. v. Feldegg gibt einen 
Lebensabriß des Künstlers, dem die obigen Angaben entnommen 
sind. Schm. 
REDAKTION: ADOLF FAUSEL, STUTTGART; FRITZ SCHMIDT, ARCHITEKT, DIPL. 
ING., DEGERLOCH. ADRESSE FÜR ALLE SENDUNGEN: BAUZBITUNG-STUTTGART, 
HEGELSTBASSE 68H- DRUCK: DEUTSCHE VERLAGS-ANSTALT IN STUTTGART 
FLIESEN VON P. HAUSTEIN. AUSGEFÜHET VON SCHARVOGEL-MÜNOHEN
	        

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