Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

3. MÄRZ 1906 
BAUZEITUNG 
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Jungen in modernem Stil aus. Jetzt ist die Losung, 
nicht ergänzen, sondern erhalten. Wo aber einmal ergänzt 
werden muß, da tue man es, ohne durch Stilechtheit 
täuschen zu wollen. 
Zun Sübmissionsfeage. Eine wichtige Neuerung, die 
vielleicht zur Abstellung von Schäden auf dem Gebiete 
des Submissionswesens durch Verhinderung des leidigen 
ünterbietens um jeden Preis dienen kann, ist neuerdings 
von einer rheinischen Eisenbahnbehörde eingeführt worden. 
Bei Ausführung eines Bahngebäudes war den billigsten 
Submittenten ein Schreiben zugegangen, in welchem die 
ausschreibende Behörde den betreffenden Firmen die 
Uebersendung einer Kostenberechnung für die einzelnen 
Teile auferlegte mit dem Bemerken, daß nach Ansicht 
der Behörde das Angebot der Firma so gering sei, daß 
die Ausführung kaum ohne Verlust zu beschaffen wäre. 
Hier fällt eben das Interesse der Behörde, die befürchten 
muß, von den allzu niedrig kalkulierenden Firmen mit 
minderwertiger Arbeit bedacht zu werden, und dasjenige 
der gewissenhaft rechnenden Submittenten zusammen, so 
daß durch ein entsprechendes behördliches Vorgehen, 
wenn es verallgemeinert würde, eine Gesundung im Sub 
missionswesen Platz greifen könnte. 
Peofessoe v. Boeeies f. Am 14. Februar verschied im 
54. Lebensjahr unerwartet in Meran der Geheime ße- 
gierungsrat August v. Borries, Professor an der Tech- 
nichen Hochschule in Berlin, Ehrenritter des Johanniter 
ordens. Mit ihm ist ein Maschineningenieur von Weltruf 
dahingeschieden, den die deutsche Ingenieurwelt mit 
Stolz zu den ihrigen zählte. 
Fünfzig jäheiges Jubiläum des Veeeins deutschee In- 
genibüeb. Der Verein deutscher Ingenieure, der größte 
technisch-wissenschaftliche Verein der Welt, der zurzeit 
über 20 000 Mitglieder zählt, begeht in diesem Jahre 
die Feier seines 50jährigen Bestehens und wird auf Ein 
ladung seines Berliner Bezirksvereines dieses mit der 
alljährlich stattfindenden Hauptversammlung des Vereines 
verbundene Fest in den Tagen vom 10. bis 14. Juni in 
Berlin abhalten. 
Der Verein staatlich geprüfter badischer Werk 
meister hat an das Großherzogi. Ministerium des Innern 
eine Eingabe betr. der Verstaatlichung der Stellen der 
Bezirlislauhontrolleure gerichtet und von dem Inhalt der 
Eingabe gleichzeitig die Ständeversammlung Kenntnis 
gegeben. Die Eingabe, welche sich auf einen von der 
Landeskonferenz der Bezirks- und Ortsbaukontrolleure 
zu Karlsruhe am 8. Oktober 1905 einstimmig gefaßten 
Beschluß stützt, besagt; „Das Ministerium wolle in Er 
wägung, daß die bereits verstaatlichten Bezirksbaukon 
trolleure trotz wesentlich erhöhten Anforderungen und 
Arbeitsleistungen bedeutende Gebührenausfälle gegenüber 
den früheren Gebührenbezügen erleiden, die Aufnahme 
der bereits verstaatlichten Bezirksbaukontrolleure mit 
Wirkung vom 1. Januar 1906 in Klasse F 1 des Beamten 
statuts bewirken, wobei die bisher in dieser Stellung zu 
gebrachten Dienstjahre bei Bemessung des Diensteinkom 
mens berücksichtigt werden sollten. Ferner wolle die 
Verstaatlichung im Interesse der gleichmäßigen Behand 
lung sowohl der Bauenden, als der Beamten mit tun 
lichster Beschleunigung durchgeführt werden. Endlich 
wolle bis zur vollständigen Durchführung der Verstaat 
lichung zur Abstellung der öfters krassen Ungleichheiten 
und teilweise ungenügenden Gebührenbezüge im ganzen 
Lande für die noch nicht verstaatlichten Bezirksbaukon 
trolleure ein von hohem Ministerium des Innern fest 
gesetzter Gebührentarif geschaffen werden.“ Der Ein 
gabe ist eine ausführliche Begründung beigegeben. 
Den grössten Rangiereahnhof Deutschlands wird 
Straßhurg demnächst mit dem jetzt in Ausführung be 
griffenen ßangierbahnhof Straßburg-Hausbergen besitzen. 
Derselbe erstreckt sich über eine Strecke von 7 km bis 
Mundolsheim. Einen Begriff von dem Umfange des 
Bahnhofs kann man sich machen, wenn man bedenkt, 
daß seine Ausführung über 60 Millionen Mark kosten 
wird und daß für die auf ihm bediensteten Beamten ein 
kleines Dorf von Beamtenwohnungen errichtet wird. 
Allein für Beleuchtung und für einige Kraftantriebe sind 
elektrische Maschinen von etwa 1500 Pferdekräften vor 
gesehen. Die Pläne dieses Riesenbahnhofs sollen auf 
der diesjährigen eisenbahntechnischen Ausstellung in 
Mailand zur Ausstellung kommen. 
Ein Allerneuestes Rathaus wird Leipzig erhalten, nach 
dem am 7. Oktober des Vorjahres das neue Rathaus seine 
festliche Weihe empfangen hat. Gegenüber dem „neuen“ 
soll das „allerneueste“ auf der Lotterstraße ebenfalls 
durch Geh. Baurat Prof. Licht errichtet werden, aber 
„Geschäftshaus“ heißen, weil im Erdgeschoß des Neu 
baues Verkaufsläden eingebaut werden, während alle 
Obergeschosse für städtische Aemter in Anspruch ge 
nommen sind. Erforderlichenfalls — und das wird sicher 
eintreten — soll das allerneueste Rathaus mit dem neuen 
durch einen Bogengang verbunden werden. 
Gedenkfeier der Technischen Hochschule in Hannover. 
Da im Mai 1906 die Königliche Technische Hochschule 
in Hannover den 75. Jahrestag ihres Bestehens feiert, 
erläßt der Rektor, Professor Georg Barkhausen, die Ein 
ladung zu einer Gedenkfeier am 25. Mai, um den von 
mehreren Seiten geäußerten Wünschen ehemaliger An 
gehöriger der Hochschule zu entsprechen, die ein Zu 
sammentreffen der früheren Studiengenossen und Jugend 
freunde aus diesem Anlasse begrüßen würden. Rektor 
und Senat nehmen Mitteilungen über den jetzigen Auf 
enthalt früherer Angehöriger der Hochschule entgegen. 
PERSONALIEN 
WÜRTTEMBERG. Verliehen: das Kommenturkreuz des Ordens der 
Württembergischen Krone: dem Präsidenten v. Euting, Vorstand der 
Ministerialabteilung für den Straßen- und Wasserbau; das Ehren 
kreuz des Ordens der Württembergischen Krone: dem Professor 
Dr. Hell an der Technischen Hochschule; das Ritterkreuz desselben 
Ordens: dem Oberbaurat Holch, Intendantur- und Baurat bei der 
Korpsinteudantur, dem Betriebsoberinspektor Baurat Schneider bei der 
Generaldirektion der Staatseisenbahnen, dem Prof. Dr. Häusserm/hn 
an der Technischen Hochschule, dem Professor Seubeht an der 
Kunstgewerbesohule in Stuttgart; das Ritterkreuz erster Klasse des. 
Friedrichsordens: dem Baurat Krauti.e bei der Generaldirektion der 
Staatseisenbabnen, dem Eiseubahubauinspektor Aldinger in Böb 
lingen, den Bauräteu Braun in Ulm und Reger in Reutlingen, dem 
Gewerbeinspektor Baurat Hochstetter in Stuttgart, dem Bau- 
inspoktor, tit. Baurat Gdgenhan bei der Ministerialabteilung für den 
Straßen- und Wasserbau, dem Straßenbauinspektor a. D. tit. Baurat 
Nast in Degerloch, dem Baurat Professor Gaiser an der Baugewerke 
schule, dem Baurat Weiss in Ravensburg; das Ritterkreuz zweiter 
Klasse desselben Ordens: dem Oberaratsbaumeister Hämmeele in 
Backnang; das Verdienstkreuz: dem Verwalter der Dienstwohn 
gebäude an der Bahnhofstraße in Stuttgart, Palm, den Bahnmeistern 
Häussler in Wasseralfingen und Remppis in Kirchheim u. T., dem 
Stadtbaumeister Franz in Gmünd; die Verdienstmedaille des Kron- 
ordens: den Bahnmeistern Lösch in Horb, Pauser in Erbach und 
Kern in Königsb) onu, den technischen Eiseubahnsekretären Efinger, 
Lutz und Stöckle bei der Generaldirektion der Staatseisenbahnen, 
dem Staatsstraßenmeister Greife in Heilbroun, dem Oberamtsbau 
meister Heiss in Saulgau, dem Bauamtswerkmeister Heess bei dem 
Bezirksbauamt Ludwigsburg; die Karl-Olga-Medaille: dem Baurat 
Scherfp, Vorstand der Werkstätteuiuspektion in Cannstatt; der 
Titel und Rang eines Baudirektors: dem Oberbaurat v. Graner bei 
der Ministerialabteilung für den Straßen-und Wasserbau; derjenige 
eines Oberhaurats: dem Baurat Findeisen bei der Ministerialabtei- 
lung für das Hochbauwesen, dem Baurat Wundt bei der General - 
direktiou der Staatseisenbahnen; derjenige eines Baurats: dem 
Straßenbauinspektor Hochstetter in Hall und dem Bauinspektor
	        

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