Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

Kgl. Baugewerkschule Stuttgart 
Karl Mößner 
sind unbeschadet der Durchführung der einschlägigen 
Bestimmungen der Bauordnung, der Vollzugs Verfügungen 
zu derselben, der Ortsbaustatuten und der Kgl. Verord 
nungen vom 21. Dezember 1876 (Reg.-Bl. S. 513) und 
4. Januar 1888 (Reg.-Bl. S. 15), betreffend die Feuer 
polizei 
liebst zu beachten 
die nachstehend abgedruckten Grundsätze tun- 
Grundsätze über die Einrichtung und den Be 
trieb von Sauggaskraftanlagen. 
1. Die Vorrichtungen zur Darstellung und Reinigung 
des Sauggases und die Gasmaschinen (Motoren) sind in 
mindestens 3,5 m, bei Maschinen über 50 PS in mindestens 
4 m hohen, hellen Räumen aufzustellen, welche reichlich 
und in solcher Art gelüftet sind, daß eine Ansammlung 
von Gasen darin ausgeschlossen ist. Diese Räume dürfen 
zu keinen andern Zwecken benutzt werden. Es ist zu 
lässig, die gesamte Kraftanlage in einem einzigen Raum 
unterzubringen. 
2. In Kellerräumen ist die Aufstellung nur dann zu 
lässig, wenn die Kellersohle nicht tiefer als 2 m unter 
der benachbarten Bodenoberfläche liegt. 
3. Ein unmittelbarer Zusammenhang dieser Betriebs 
räume mit 'Wohnräumen ist nicht zulässig. Auch ist das 
Eindringen von heißer Luft oder Dünsten aus der Kraft 
anlage in darüber- oder danebenliegende Wohn- und 
Arbeitsräume zu verhüten. 
4. Die Betriebsräume der Kraftanlage müssen so groß 
bemessen sein, daß die einzelnen Apparate, Motoren und 
sonstigen Betriebseinrichtungen von allen Seiten bequem 
und sicher erreicht und bedient werden können. Ins 
besondere sind die Rohrleitungen so zu verlegen, daß 
durch sie der Verkehr und die Zugänglichkeit der Apparate 
und Maschinen nicht beeinträchtigt wird. 
5. Die Beschickung der Gaserzeuger (Vergaser oder 
Generatoren) muß bequem und ohne Unfallgefahr (von 
besonderen Bühnen oder festen Treppen oder Leitern) ge 
schehen können. Es ist dafür zu sorgen, daß durch die 
Füllöffnung Verbrennungsprodukte in den Betriebsraum 
nicht entweichen können. 
6. Die während der Anheizperiode oder während des 
Stillstandes der Gasmaschine entstehenden Verbrennungs 
produkte des Gaserzeugers sind durch ein genügend weites 
und dichtes Rohr bis über die Dachfirst der benachbarten 
Gebäude hinauszuführen. Getrennt von diesen sind die 
Auspuffgase der Gasmaschine durch ein besonderes eisernes 
Rohr ebenso hoch und in solcher Weise abzuführen, daß 
die Nachbarschaft durch Geräusch nicht belästigt wird. 
7. Es sind Einrichtungen zu treffen, welche während der 
Anheizperiode und während des Stillstandes der Maschine 
den Eintritt von Gasen aus dem Gaserzeuger in die 
Kühl- und Reinigungsapparate (Wäscher, Reiniger u. dergl.) 
verhindern. 
8. Ebenso sind Vorkehrungen zu schaffen, welche bei 
Fehlzündungen oder bei andern Störungen den Rücktritt 
von Explosionsgasen aus der Gasmaschine in die Gas 
zuleitung sowie Explosionen in die Auspuffrohrleitung 
unmöglich machen. 
9. Ferner sind Vorkehrungen zu treffen, welche die 
Belästigungen während des Reinigens (Ascheziehens, Aus- 
schlackens) der Gaserzeugerfeuerung auf ein Mindestmaß 
herabdrücken. Gebotenenfalls sind die heißen Dämpfe 
und Gase an den Räumungsöffnungen abzufangen und 
fortzuleiten. 
10. Die Gaswasch- und Reinigungsapparate sind mit 
Vorkehrungen auszustatten, welche den jeweiligen Druck 
erkennen lassen. 
11. Die bei der Reinigung des Gases sich ergebenden 
Abwässer sind so zu behandeln, daß sie geruchlos und 
völlig unschädlich abfließen. Ebenso sind die Rückstände 
so zu beseitigen, daß Belästigungen der Nachbarschaft 
vermieden werden. 
12. Die Entlüftungseinrichtungen dürfen weder das Be 
dienungspersonal durch lästigen Zug, noch die Nachbar 
schaft durch Geräusche oder auf andre Weise behelligen. 
13. Die Gaserzeuger sind, wenn sie durch strahlende 
Hitze belästigen würden, in geeigneter Weise zu ver 
kleiden. Auch sind die Auspuffrohrleitungen, soweit sie 
innerhalb der Betriebsräume liegen, zu kühlen und wirk 
sam zu isolieren. 
14. Die Gas- und sonstigen Maschinen sind so zu 
fundieren und die mechanischen Kraftleituugen so anzu 
ordnen, daß die Nachbarschaft nicht durch Erschütterungen 
belästigt wird. 
15. Bei Eintritt der Dunkelheit ist für angemessene 
Beleuchtung zu sorgen. 
16. Den Forderungen des Unfallschutzes ist Rechnung 
zu tragen. 
17. Für die Arbeiter ist Sitzgelegenheit und Wasch 
einrichtung vorzusehen. 
18. Wo mit der Kraftanlage eine Akkumulatoren 
anlage verbunden ist, sind die Akkumulatorenräume von 
allen andern Betriebsräumen zu trennen und gut zu lüften. 
Zur künstlichen Beleuchtung der Akkumulatorenräume 
darf nur elektrisches Glühlicht mit besonderer Schutzglocke 
oder äußere Beleuchtung verwendet werden. —y
	        

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