Volltext : Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

13.  April  1907

BAUZEITUNG

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lieh  auf  dem  Land  ist  ein  solches  jedermann  wohlbekannt.
Auch  hier  geht  die  Gemeinde  aus  und  ein  und  es  läßt
sich  ein  Einfluß  auf  viele  Besucher  ausüben.  Es  ist  erfreulich, ­
  daß  die  Kirchenbehörden  dafür  sorgen,  daß  auch
für  diese  Bauten  nur  das  Beste  gewählt  wird.  Es  sind
ja  noch  reizende  alte  Beispiele  anheimelnder  Pfarrhäuser
vorhanden,  ihnen  schließen  sich  die  beiden  ahgebildeten
Projekte  würdig  an.  Wie
freundlich  ladet  jedes  Haus
ein,  welche  Behaglichkeit
und  Stimmung  liegt  in  den
Formen.  Nichts  Ueberladenes,
  Unruhiges  stört  die
Harmonie.  In  den  kommenden ­
  Nummern  lassen  wir
einige  Kirchenprojekte  folgen. ­
  —e.
Ausführung  von  Zementrolirleituugen

Von  Baurat  Schmid
Für  die  Ausführung  von  Zementrohrleitungen ­
  hat  der  Deutsche  Betonverein ­
  Leitsätze  herausgegeben,
welche  vom  Röhrenausschuß  desselben ­
  aufgestellt,  vom  Verein
durchberaten  und  unter  Mitwirkung
von  Stadtbaurat  Schulz  -  Posen,
Stadtbauinspektor  Fried  -  Barmen
und  Stadtbaumeister  Buhle-Freiburg
auf  die  nunmehrige  Form  gebracht
wurden.  Es  sind  den  Leitsätzen
Erläuterungen  beigegehen.
Um  passende  Größen  der  Druckschrift ­
  sowohl  als  Beilage  zu  Lieferungsbedingungen ­
  und  Verträgen
als  auch  für  die  Benutzung  auf
der  Baustelle  zu  haben,  sind  die
Leitsätze  in  Bogenform  und  als

Heftchen  für  den  Taschengebrauch  gedruckt  und  vom
Deutschen  Betonverein,  E.V.,  Biebrich  a.  Rh.,  zu  beziehen.
Die  Leitsätze  sprechen  zunächst  über  die  Uebernahme
der  Rohre  und  über  die  Bedeutung  etwa  vorhandener
Risse,  sodann  wird  die  Vorbereitung  der  Baugrube  erörtert ­
  und  namentlich  auf  genügende  Befestigung  der
Bausohle  und  hinreichende  Grabenweite  hingewiesen.
Sehr  eingehend  ist  das
Verlegen  der  Rohre  erörtert,
und  zwar  sowohl  für  Rohre
mit  als  auch  ohne  Muffen.
Das  Einheiten  der  Rohre
und  Einfüllen  der  Baugrube
soll  möglichst  bald  geschehen.
Nachträgliche  Setzungen
sollen  ferngehalten  werden.
Rohrleitungen  unter  aufgeschüttetem ­
  Boden  erfordern ­
  ein  besonders  breites
Fundament  und  feste  Widerlager ­
  ;  Eiseneinlagen  und
sonstige  Verstärkungen  können ­
  erforderlich  werden.
In  dem  engen  Rahmen  dieser
Leitsätze  konnten  natürlich  nicht
alle  gebräuchlichen  Verfahren  bei
Verlegung  von  Rohrleitungen  behandelt ­
  werden.  Liegen  aber  nicht
besonders  schwierige  Verhältnisse
vor,  so  können  an  der  Hand  der
Leitsätze  brauchbare  Bauausführungen ­
  gewonnen  werden.
Die  Nichtbeachtung  der  aufgestellten ­
  Regeln  führte  schon  viel
häufiger  zu  Rohrbrüchen,  als  allgemein ­
  bekannt  wird  und  bekanntgegeben ­
  werden  darf.  Ich  kann
nur  auf  Grund  mehrfacher  Erfahrungen, ­
  welche  ich  auf  Baustellen,
in  welche  ich  gerufen  wurde,  zu
machen  hatte,  ganz  allgemein  zu

Vereinsliaua  in  Dettingen  a.  E.
Architekten  Klatte  &  Weigle,  Stuttgart

artigen  Reize  waren  nur  Ausblicke  von  einem  majestätischen ­
  Raume,  dessen  Verhältnisse  und  Dekoration  schon
für  sich  genug  des  Fesselnden  hatten.  Die  Beleuchtung
derselben  geschah  durch  hohes  Seitenlicht  an  den  beiden
Langfronten,  aber  an  Helligkeit  überwog  sicherlich  stets
eine  Seite,  so  daß  von  einer  zerrissenen  Lichtwirkung
nicht  die  Rede  sein  konnte.  Ueberhaupt  hat  man  sich
ja  als  Fensterverschluß  nicht  etwa  wasserhelles  Glas  zu
denken,  sondern  entweder  Marienglas  oder  dünngeschliffene
Marmorplatten,  sie  waren  nicht  durchsichtig,  sondern  nur
durchscheinend  und  werden  eine  ähnliche,  nur  etwas  wärmere
Wirkung  hervorgerufen  haben  wie  mattgeschliffenes  Glas.
—  Und  zu  dieser  Architektur  ausgesucht  prächtige  Materialien; ­
  dunkle  polierte  Marmorschäfte  zu  den  Säulen,
helle  Gebälke  mit  reicher  Vergoldung,  von  denen  die
Gewölbeflächen  wie  von  innerer  Federkraft  geschwellt
emporstiegen,  ein  schön  gemusterter  Marmorboden,  Fontänen ­
  in  Bronze  mit  silberklaren  Sprudeln,  schwere  farbenreiche, ­
  in  großen  Falten  geraffte  Teppiche  in  den  Oeffnungen
—  und  dazu  das  Heer  der  Statuen  und  sonstigen  Kunstwerke ­
  in  Marmor,  in  Gold  und  in  Elfenbein.  Kein
Wunder,  wenn  selbst  die  an  römischen  Luxus  gewöhnten
Schriftsteller  oh  dieses  Reichtums,  ob  dieser  Kunstleistung
sich  in  entzückten  Worten  Luft  machten.
„Der  schöne  Wechsel  in  aufeinander  folgenden  Räumen
repräsentiert  eine  der  eminentesten  Kraftseiten  römischer
Architekten.  So  geschlossen  und  einheitlich  jeder  Saal,
jeder  Hof,  jedes  Gemach;  fast  immer  war  mittels  reizvoller ­
  Durchblicke  schon  die  Vorbereitung  zum  nachbarlichen ­

  Raume  geschaffen;  von  schattigen  Stellen  sah  man
in  lichtdurchflutete  Partien,  von  diesen  in  trauliche  Gemächer ­
  —  und  wer  sich  satt  gesehen  an  all  dieser  Pracht
von  Menschenhand,  der  suchte  die  Natur  in  dem  Parke.
Aber  selbst  dieser  hatte  sich  dem  durchgehenden  architektonischen ­
  Gesetze  fügen  müssen,  überall  war  man  nur
bedacht  gewesen,  schöne  Gegensätze  zu  den  architektonischen ­
  Motiven  zu  schaffen.  Da  waren  Baumgruppen
und  üppig  frische  Rasenplätze,  in  denen  Marmorgruppen
zerstreut  standen,  da  waren  Laubengänge  zum  Wandeln
und  einsame  Haine  zum  Rasten,  da  waren  amphitheatralisch ­
  Sitze  an  den  hohen  Umfangsmauern  der  Sammelbassins ­
  errichtet  für  die  Athletenkämpfe  unter  freiem
Himmel;  und  wo  man  sich  auf  hielt,  überall  konnte
man  sehen,  wonach  der  Blick  verlangte;  Kunst  und
Natur  waren  dienstbar  igemacht,  um  dem  schwelgenden
Auge  Genüge  zu  leisten  oder  neue  Ueberraschungen  zu
bieten.“
Wir  haben  bisher  den  Verfasser  als  feinsinnigen
Künstler  kennen  gelernt,  der  mit  architektonischem  Gefühl ­
  malerischen  Sinn  verbindet;  daß  ihm  neben  dem
Schönheitsmaß  des  Aesthetikers  auch  der  scharfe  Blick
des  Kritikers  nicht  fehlt,  besagt  eine  Stelle  des  Buchs,
die  sich  gegen  die  Anschauung  wendet,  die  Appische
Straße  lediglich  als  Architekturbild  aufzufassen:
„Die  Besetzung  der  ViaAppia  mitDenkmälern  fand  ebensowohl ­
  nach  landschaftlich-malerischen,  als  nach  architektonischen ­
  Gesichtspunkten  statt,  und  die  römischen  Architekten ­
  werden  mit  richtigem  Taktgefühle  einer  Straßenecke
            
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