Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

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BAÜZEITUNG 
Nr. 1 
Das britische Parlament lehnte es aber, trotzdem vom 
Staate weder eine Subvention noch eine Garantie ver 
langt wurde, ab, die Erlaubnis zur Herstellung des Tunnels 
zu erteilen, durch Lord Wolseley dazu veranlaßt, der 
nach dem nichts weniger als schwer errungenen Siege 
über Arabi Pascha als ein Orakel galt. Höchstens könne 
eine Brücke geduldet werden, die sich im Falle eines 
Krieges leicht zerstören ließe. Es wurde darauf der 
die Stimme nur einem Vertreter gegeben werden kann, der 
von einer bestimmten Partei in Vorschlag gebracht wurde 
und dann auch nur für die in Frage kommenden Kreise. 
Für den Neckar- und Jagstkreis ist von der 
Deutschen Partei Hofwerkmeister Haußer in 
Berg unter andern vorgeschlagen. Wir freuen uns darüber, 
und da der Baubeamtenverein zu klein ist, um von sich 
aus einen Vorschlag zu machen und auch kein politischer 
phantastische Vorschlag laut, eine „gemischte Straße“ zu ^ Verein ist, so schließen wir uns bezüglich dieses Namens 
schaffen, einen Tunnel in der Mitte und eine Brücke auf fraglicher Partei an. 
jeder Seite, die mit diesem durch Riesenfahrstühle in 
Verbindung stünde, doch wurde dieser kaum ernstlich in 
Erwägung gezogen. Dieselbe Gesellschaft, die in 1875 
die Vorarbeiten machte und sich das 
Monopol gesichert hat, gedenkt die Aus 
führung zu übernehmen. 
Daß ein derartiger Bau nicht nur als 
möglich, sondern als leicht betrachtet 
wird, beweist, welche Fortschritte die 
Wissenschaft gemacht hat, daß sie Wunder 
vollbringen kann, wie man sie sich in 
den Tagen unsrer Voreltern nicht hätte 
träumen lassen. W. W a 1 d a u. 
Anmerkung der Redaktion. Zu 
obigen Ausführungen wird noch von 
London folgendes berichtet: Nach dem 
im englischen Parlament vorgelegten Ge 
setzentwurf über den Kanaltunnel werden 
auf beiden Seiten, in Frankreich wie in 
England, je 8 Millionen aufzubringen 
sein. Nach der Schätzung soll der vor 
aussichtliche Personenverkehr sich auf 
1300 000 Passagiere beziffern und die 
Bruttoeinnahme von Passagier- und Fracht 
beförderung sowie alle andern Ein 
nahmequellen 1 540 000 Lstr. erreichen. 
Schätzt man die jährlichen Ausgaben 
auf 400 000 Lstr., so bleiben immer noch 
1114000 Lstr. Reingewinn oder je 
570000 Lstr. für die englische wie die 
französische Gesellschaft. Die vielleicht 
für den Anfang vorauszusehende Scheu 
vor der langen Tunnelfahrt werde sich 
gewiß bald verlieren, die Vermeidung 
des Umsteigens in den Hafenorten und der 
damit verbundenen Verzögerungen und 
Belästigungen sowie mit der Seefahrt ver 
knüpften Unannehmlichkeiten und schließ 
lich die Verringerung der Reisezeit werde 
bald entscheidend in die Wagschale fallen. 
Was die technische Ausführung anbelangt, 
so werde es notwendig werden, zwei 
Tunnels zu bohren, um jede Betriebs 
störung auszuschließen. Jede der beiden 
Bohrungen wird 18 Fuß inneren Durchmesser erhalten. 
Die Länge unter Wasser wird 24 Meilen betragen, die 
Gesamtlänge 30 Meilen. Die Bohrung soll durchwegs 
durch die graue Kalkschicht erfolgen, welche auf der 
englischen Seite 87, auf der französischen 80 Fuß dick 
ist. Sie bildet eine äußerst homogene und undurch 
lässige Masse. 
Zur Landesproporz wähl 
schreibt man uns: Wie bekannt, ist die neuere Zusammen 
setzung in der württembergischen Kammer so, daß von 
den Oberämtern und den guten Städten je ein Abgeord 
neter in die Zweite Kammer gewählt wird. Ferner werden 
durch Proporzwahlen noch 17 Abgeordnete gewählt. Hierbei 
soll besonders auch den einzelnen Berufsklassen noch 
Gelegenheit gegeben werden, einen passenden Vertreter 
in den Landtag zu schicken. Dabei ist aber zu beachten, daß 
Wir wissen, daß Hofwerkmeister Haußer ganz der 
Mann ist, um als Techniker unsre Interessen in der richtigen 
Weise im Landtag zu vertreten. Ist doch derselbe ein Mann 
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der Praxis, der vermöge seiner vielseitigen Erfahrungen auch 
als Vorstand der Baugewerksberufsgenossenschaft Einsicht 
in all die verschiedenen Gebiete unsers Berufes hat. 
Bei den mancherlei Fragen, welche den Landtag in 
den nächsten Jahren beschäftigen werden: neue Bauord 
nung , neues Brandversicherungsgesetz, Bahnhofumbau 
Stuttgart u. s. w. sowie auch Reorganisation der Bau 
gewerkeschule, Vorbildung der Techniker u. s. w., wird 
Hofwerkmeister Haußer mit seiner reichen Erfahrung und 
praktischem Verständnis unsern Stand in jeder Beziehung 
gut vertreten. 
Darum möchten wir nicht nur unsre Vereins 
mitglieder, sondern alle Techniker freundlich 
aufmuntern, auf ihren Wahlzettel den Namen 
Hofwerkmeister Haußer in Berg zu setzen, 
und zwar, wie es gestattet wird, dreimal. Die übrigen 
Namen überlassen wir unsern Kollegen zur freien Aus 
wahl. J. M.
	        

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