Volltext: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

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BAUZBITUNG 
Nr. 26 
Ein Preis 500 M. Architekt Ludw. Bührer, Stuttgart 
die Elektrizität, ähnlich wie bei Straßenbahnen, durch 
Kabelleitung mit Rollenkontakt zugeleitet wird und der 
entweder die Schiffschraube des Remorkörs oder die 
Kettentrommel des Schleppers treibt. 
Eine zweite Art ist das Schraubensteuer (Äbh. 2). 
Bei diesem System wechselt jedes Lastschiff beim Ein 
lauf in die betreffende Elußstrecke sein gewöhnliches 
Steuer gegen ein besonders durchgebildetes neues Steuer 
um, in das eine durch einen Elektromotor betriebene 
Schiffschraube eingelassen ist. Auch hierbei erfolgt die 
Stromführung vom Land aus durch Schleppkabel. Das 
Einsetzen der Steuer ist zeitraubend und die Handhabung 
ist für einen schlichten Schiffer zu umständlich. 
Der Vorteil dieser beiden Systeme, daß sich jedes 
Schiff mit beliebiger Schnelligkeit vor- und rückwärts 
bewegen kann, wird durch die starke Wellenbewegung, 
die durch die Schiffschrauben erzeugt wird, größtenteils 
wieder aufgehoben. 
Zu der zweiten Gruppe von Maschinen für elektrische 
Bewegung der Schiffe gehört die Trägerbahu und 
Drahtseilhängebahn. 
Bei der Träger bahn (Abb. 3 und 4) bewegen sich 
die aufgehängten Schlepplokomotiven (Katzen) an eisernen 
Balken. Diese entlang dem Ufer in 1—6 m Höhe ge 
führten Eisenhalken müssen die schwere Laufkatze tragen 
und daher in kleinen Entfernungen von Masten gestützt 
sein. Die an diesen Trägern aufgehängten Schlepp 
lokomotiven, die den Strom den darüber hingezogenen 
Drähten entnehmen, haben zur Vermehrung der Reibung 
auf den glatten Eisenhalken seitlich 
und unten weitere Adhäsionsräder, die 
sich an den Träger derart anpressen, 
daß der Gleitwiderstand der Loko 
motive ungefähr verdreifacht wird. 
Das vierte System, die Draht 
seilhängebahn (Abb. 5), wird in 
Amerika schon lauge zum Transport 
von gefällten Bäumen in Wäldern an 
gewandt. Auch bei diesem System 
bewegt sich die Katze über dem Lein 
pfad, und zwar an Drahtseilen. Die 
Zugkraft wird hierbei in sinnreicher 
Weise durch Windtrommeln und durch 
ein zweites Drahtseil auf den Erdboden 
übertragen. 
Der Vorteil, den diese zwei Systeme 
bieten, liegt im Wegfall der Schiff 
schraube und in der Ermäßigung des Wellenschlags. 
Ein Nachteil besteht darin, daß die Motoren nicht an 
einander vorbeilaufen können; wenn sich zwei Schiffe 
in entgegengesetzter Richtung treffen, so kann der Boots 
führer die Motoren wechseln, indem er die Zugleinen 
austauscht und die Motoren in andrer Richtung laufen 
läßt. Um bei großem Verkehr den häufigen Wechsel 
der Zugleinen bei Kreuzungen zu vermeiden, kann das 
Seil auf beiden Ufern verlegt und die Fahrtrichtung der 
Schiffe getrennt werden. 
Bei der dritten und letzten Gruppe von Konstruktionen 
für elektrischen Schiffzug wird dieser durch eine auf dem 
Leinpfad laufende Lokomotive bewerkstelligt, die sich ent 
weder als gewöhnliches Landfuhrwerk ohne Schienen oder 
auf einer, zwei oder drei Schienen fortbewegt. Eine Haupt 
schwierigkeit liegt hierbei an dem schon eingangs erwähnten 
Umstand, daß die Zugkraft nicht in der Fahrtrichtung aus 
geübt wird, was besondere Vorkehrungen zur Uebertragung 
des Zugs von der Lokomotive auf die Fahrbahn bedingt. 
Das ohne Vermittlung einer Schiene auf dem Leinpfad 
sich fortbewegende elektrische Automobil (Abb. 6), 
das Cheval electrique der Franzosen, besteht aus einem 
mit Elektromotor versehenen Wagen, der von einer längs 
des Leinpfads geführten elektrischen Leitung Strom 
empfängt. Seine beiden Hinterräder haben ausnehmend 
breite Reifen mit sehr starker, schräger Riffelung zur 
Aufnahme und Uebertragung des gegen das Wasser zu 
gerichteten Seitenzugs. Mit dieser Konstruktion sind starke 
Reibungsverluste verbunden. 
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Wettbewerb Schulhaus in Heslach. Motto „Ostecke“. Grundrisse. Ein Preis 500 M. 
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Architekt Ludw. Bührer, Stuttgart
	        

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