Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

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6. Juli 1907 
BAUZEITUNG 
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Wettbewerb Bahnbofempfangsgebäude Leipzig In engerer Wahl 
Architekt Willy Graf, Stuttgart 
Ebenso ist angestrebt, die beiden großen Lichthöfe archi 
tektonisch bedeutsam zu gestalten. Besondere Sorgfalt 
wurde auch auf die Anlage der Bahnsteighallen ver 
wendet. 
Die üblichen Dachoberlichter sind hier vollständig 
vermieden und durch hohes Seitenlicht ersetzt. lieber 
dem 25 m breiten und annähernd 300 m langen Kopf 
bahnsteig ist eine einzige 24 m hohe Seitenoberlichthalle 
geplant. Die Lichtflächen dieser Halle betragen an 
nähernd die der Grundfläche. Sechs zu 45 m weit gespannte 
Hallen überdecken die Längsbahnsteige und sind ebenfalls 
durch hohes Seitenlicht bis zu 2 / 3 der Grundfläche be 
leuchtet. Die Bahnsteighallen sind in Eisenbeton kon 
struiert angenommen, wodurch eine monumentale Wir 
kung gesichert ist. Hier dürfte der Beweis erbracht 
sein, daß auch diese bisher vom Architekten geradezu 
stiefmütterlich behandelten Bahnsteighallen ästhetisch be 
friedigend gelöst werden können. Heber den äußeren 
Aufbau des Empfangsgebäudes will ich nur bemerken, 
daß ich von dem Grundsatz ausging, eine Baugruppe zu 
schaffen, die sich organisch aus dem Grundriß entwickelt. 
Stuttgart, 24. Juni 1907. 
Willy Graf. 
Hauptversammlung des Ernst-Ludwig- 
Vereins zu Darmstadt 
Der Verein, dessen Ziel bekanntlich die Errichtung 
billiger Kleinwohnungen ist, hielt seine diesjährige Haupt 
versammlung am 27. Juni im Saalbau zu Darmstadt unter 
reger Beteiligung ab. Als Vertreter des Finanzministers 
war der Vorsitzende der Ministerialabteilung für Bau 
wesen, Ministerialrat Geheimrat B’reih. v. Biegeleben, 
erschienen. In Verhinderung des Vereinsvorsitzenden 
leitete Oberbürgermeister Köhler-Worms die Versamm 
lung und begrüßte zunächst die Vertreter der Regierung 
und sonstigen Behörden, wies hierbei auf das rege 
Interesse hin, das dem Verein von allen Seiten zuteil 
werde, und führte noch an, daß der Verein auf der hessi 
schen Landesausstellung 1908 seine Bestrebungen auch 
praktisch vorführen werde. 
Sodann erhielt das Wort Landeswohnungsinspektor 
Gretzschel zu dem Geschäftsbericht. Derselbe gab 
einen Rückblick auf die Entwicklung des Vereins von 
den ersten Anfängen bis heute und auf dessen Tätigkeit. 
Besonders erwähnenswert ist der große unerwartete Er 
folg, den der Verein durch die Veranstaltung seines 
Wettbewerbs zur Erlangung billiger Wohnungen erzielt 
hat, indem die damals gewonnenen und veröffentlichten 
Entwürfe nicht nur den gemeinnützigen Bauvereinen, 
sondern auch Privaten vielfach als Grundlage für die 
Projektierung und Ausführung dienen. Der Verein zählt 
jetzt 278 Mitglieder, darunter eine größere Anzahl Körper 
schaften; es bestehen heute 41 Bauvereine im Lande. 
Im Jahre 1906 sind 88 Häuser auf dem Lande erstellt 
worden. Die Bauvereine erfreuten sich vielfach der 
Unterstützung der Gemeinden durch Uebernahme von 
Bürgschaften, Geländestellung u. dergl., nur wenige Ge 
meinden verhielten sich ablehnend. Finanzielle Beihilfen, 
Darlehen u. s. w. leisteten die Sparkassen, die Landes 
hypothekenbank, namentlich die Landesversicherungs 
anstalt. Bezüglich der Beteiligung des Vereins auf der 
Landesausstellung 1908 wurde erwähnt, daß es dort gelte, 
praktische Beispiele darzustellen, und daß zu diesem Zweck 
mustergültige Bin- und Zweifamilienhäuser 
mit kleinen Wohnungen einschließlich der Einrichtung 
derselben errichtet werden sollten. Auch Modelle und 
Pläne sollten ausgestellt werden. Es sei gelungen, fünf 
hessische Großindustrielle und Fabrikbesitzer, nämlich 
Freih. Heyl zu Herrnsheim, Dörr & Reinhart in Worms, 
Dyckerhoff & Söhne in Amöneburg, W. Opel in Rüssels 
heim und Cloos in Nidda, zu gewinnen, die sich durch Er 
richtung je eines Hauses an dem Unternehmen beteiligen 
wollten. Als Architekten für die Häuser seien Professor 
Olbrich, Professor Walbe, Direktor Wienkoop, Architekten 
Mahr und Markwort, sämtlich in Darmstadt, sowie Archi 
tekt Gg. Metzendorf in Bensheim gewonnen. Man ver 
spreche sich hiervon großen Erfolg, und den genannten 
Firmen und den Architekten sei der Dank des Vereins
	        

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