Volltext : Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

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13.  Juli  1907

BAUZEITUNG

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Wettbewerb  Schule  für  Wangen
Motto  „Natur“

Einheitlicher  Bebauungsplan
für  Groß-Berlin
Es  ist  mit  Freude  zu  begrüßen,  daß
die  bisherige,  fast  planlose  Ausdehnung
Groß-Berlins,  wie  sie  in  der  bruchstückweise ­
  erfolgenden  Bebauung  von  Vororten ­
  und  in  der  Ansiedlung  von  Landhausvierteln ­
  und  gewerblichen  Anlagen,
in  der  Yerhökerung  fiskalischer  Wälder
und  kommunalen  Besitzes,  in  dem  Fehlen
irgendeines  großzügigen  Gesamtplanes
sich  kundgibt,  eine  Reaktion  in  den  beiden
großen  Architektenvereinen  Berlins  hervorgerufen ­
  und  zur  Einsetzung  eines  gemeinsamen ­
  Ausschusses  geführt  hat,  der
die  Gewinnung  des  fehlenden  Grundplanes ­
  für  die  bauliche  Entwicklung  Groß-Berlins  in
die  Hand  nehmen  soll.  Die  „Leitsätze“  dieses  Ausschusses ­
  sind  nunmehr  in  einer  soeben  im  Verlag  von
Ernst  Wasmuth-Berlin  erschieneilen  Schrift  Groß-Berlin
bekanntgegeben.  Sie  bezwecken  die  Ausschreibung
eines  künstlerisch-technischenWettbewerbs,  zu  welchem
die  Mittel  durch  einen  Zweckverband  der  beteiligten
Stadt-  und  Landkreise  beschafft  werden  sollen.  Ist
die  Aufgabe  an  sich  eine  ungewöhnlich  große  und
wichtige,  da  es  sich  um  die  Regelung  der  Ansiedlung ­
  von  2—3  Millionen  Menschen  handelt  —  so
hoch  wird  der  in  den  nächsten  25  Jahren  zu  erwartende
Bevölkerungszuwachs  Groß-Berlins  eingeschätzt  —,  so  ist
anderseits  die  Ueberzeugung  eine  ziemlich  allgemeine,  daß
es  mit  der  zersplitterten  Behandlung  dieser  Fragen  wie
bisher  nicht  weitergehen  kann.  Man  bedenke,  daß  außer
der  eigentlichen  Stadt  Berlin  etwa  20  Vorortgemeinden
selbständig  über  die  großen  Verkehrslinien  und  Bebauungsfragen ­
  entscheiden!  Es  ist  nicht  zuviel  gesagt,  wenn  man
behauptet,  daß  Groß-Berlin  in  bezug  auf  das,  was  man
Stadtbauplan  nennt,  nicht  bloß  hinter  den  meisten  deutschen ­
  Großstädten  wie  München,  Breslau,  Frankfurt  a.  M.,
sondern  auch  hinter  vielen  Mittelstädten  erheblich  zurücksteht. ­
  Man  glaubt  deshalb],  daß  die  in  Betracht  kommenden ­
  Stadtgemeinden  Berlin,  Charlottenburg,  Wilmersdorf, ­
  Schöneberg,  Rixdorf,  Potsdam,  sowie  die  beteiligten
Landkreise  Hiederbarnim,  Teltow  und  Westhavelland  in
der  Erkenntnis  innerer  Notwendigkeit  auf  die  Anregung
der  Architektenvereine  eingehen  werden.  Der  gemeinsame ­
  Ausschuß,  zu  welchem  Persönlichkeiten  wie  Geheimrat ­
  March,  Oberbaurat  Stübben,  Prof.  Bodo  Ebhardt,
Stadtbaurat  Krause,  Landesbaurat  Th.  Göcke  gehören,
will,  wie  im  Hauptverein  der  Architekten  mitgeteilt
wurde,  demnächst  eine  Versammlung  der  Beteiligten ­
  einberufen,  auch  Volkswirte  und  Hygieniker ­
  heranzuziehen,  damit  von  vornherein  schon
bei  der  Programmfeststellung  dem  großen  Unternehmen ­
  in  sachkundigster  Weise  der  Boden  geebnet ­
  werde.  Wie  gewaltig  die  Aufgabe  ist,  die
es  zu  lösen  gilt,  erhellt  aus  folgendem:
Der  Inhalt  des  zu  entwerfenden  Grundplanes
soll  ein  doppelter  sein,  nämlich:  a)  die  grundsätzliche ­
  Regelung  der  Ansiedlung  auf  dem  vom  Anbau
noch  nicht  erreichten  Gelände  von  Groß-Berlin
in  der  beschriebenen  Ausdehnung,  b)  die  möglichen
Verbesserungen  in  den  bereits  bebauten  Teilen
Berlins  und  seiner  Vororte.  Beide  Teile  der  Aufgabe ­
  sind  unter  Beachtung  der  fortgeschrittenen
technischen,  gesundheitlichen  und  wirtschaftlichen
Ansprüche  des  neuzeitlichen  Städtebaues  in  künstlerischer ­
  Weise  zu  lösen.  Nach  den  individuellen
Eigenschaften  der  einzelnen  Gebietsteile  sind  die
Bedingungen  eines  auch  im  sozialen  Sinne  befriedigenden ­
  Wohnungsbaues  für  die  verschiedenen

Ein  Preis  800  M.
Architekt  Fritz  Müller,  Stuttgart

Bevölkerungsschichten  sowie  der  zweckmäßigen  und  erleichterten ­
  Ansiedlung  von  Groß-  und  Kleingewerben  vollauf ­
  zu  berücksichtigen.  Im  wesentlichen  handelt  es  sich
um  ein  großzügiges  Netz  von  Hauptverkehrsstraßen,  von
Schnellbahnen  und  Wasserwegen,  um  die  Freihaltung  ausgedehnter ­
  Wald-  und  Wiesenflächen,  die  Durchdringung
der  Baumassen  mit  Parkstraßen  und  Promenaden,  Sportund
  Spielplätzen  und  um  die  tunlichste  Vorherbestimmung
von  Plätzen  für  öffentliche  Bauten.  Die  wohldurchdachte,
von  künstlerischem  Geist  getragene  Regelung  dieser  Grundlinien ­
  der  Stadtentwicklung  soll  in  enger  Anlehnung  an
die  wasserreiche  Schönheit  der  märkischen  Landschaft
die  technische  und  ästhetische  Einheit  einer  mächtigen
Großstadt  des  20.  Jahrhunderts  vorbereiten.  Der  so  beschaffene ­
  Grundplan  soll  die  Ausgangspunkte  liefern  und
das  Gerippe  bilden  für  die  von  den  Gemeinden  nach  den
gesetzlichen  Vorschriften  zu  entwerfenden  und  festzustellenden ­
  Bebauungspläne.
Wie  sich  der  Ausschuß  die  Ausführung  seiner  großzügigen ­
  Pläne  denkt,  wird  in  der  Schrift  des  näheren
ausgeführt.  In  dem  Ring  der  Vor-  und  Nachbarorte
Berlins  wird  die  Bebauung  aus  ideellen  Gründen  viel
weniger  dicht  als  im  Innern  sein  dürfen,  vielleicht  etwa
nur  einem  Drittel  des  Flächenausmaßes  entsprechen;  als
Gesamtareal  wird  nach  dieser  Schätzung  ein  Kreis  erforderlich ­
  sein,  der  den  Potsdamer  Platz  zum  Mittelpunkt
hat  und  25  km  im  Halbmesser  mißt;  Spandau  und  Potsdam ­
  werden  darin  aufgehen.  Wie  aber  soll  sich  zu  diesem
Zukunftsgelände  die  Gegenwart  stellen?  Ist  es  richtig,
wenn  weiterhin  in  diesem  ganzen  großen  Umkreis  ohne
Einheitlichkeit  drauflos  gebaut  wird?  Nein!  sagt  der
Ausschuß.  Zwar  ist  London  trotz  seiner  großen  „Grafschafts ­
  “-Gemeinschaft  baulich  ein  mittelpunktloses  Agglo-
            
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