Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

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Wettbewerb Schule für Wangen 
Motto „Zur alten Linde“ 
Bei meinem neulichen Aufenthalt in 
Illingen wurde mir von der dortigen 
Kirchenrenovation berichtet, die ich 
interessehalber in Augenschein nahm. 
Da bekam ich aber merkwürdige Dinge 
zu schauen. Die alten (ca. 1627) Hart 
holzsäulen der Emporen, die gedreht sind 
und originelle Gestaltung besitzen, waren 
herausgenommen und durch neue, „ge 
schmackvoll gefaste“ Säulen ersetzt, welch 
letztere wohl zu den sonstigen Renovations- 
arbeiten, nicht aber zur Kirche mehr 
passen, die sehr hübsche Architekturteile 
in Portalen u. s. w. besitzt. Die alten Säulen, die noch 
gut erhalten sind, wurden pro Stück um 2 M. an einen 
dortigen Bürger verkauft und von letzterem beim Bau 
eines Schuppens verwendet. Yom Geistlichen des Ortes 
hörte ich, daß das Innere, der Kirche nach den vor 
ca. 21 Jahren gefertigten Plänen eines Stuttgarter 
Architekten durch einen dortigen Landbaumeister reno 
viert würde. Heute würde der betreffende Architekt 
wohl selbst nicht mehr die Renovation nach diesen 
Zeichnungen ausführen, nachdem glücklicherweise ein 
Umschwung in der Art solcher Renovierungsarbeiten 
eingetreten ist. Die Emporen und die in das Kirchen 
dach hinaufgezogene Holzdecke lassen von einer länd 
lichen, gesunden Baukunst nichts mehr sehen. Eine äußere 
Freitreppe wurde kurzerhand weggerissen und verkauft; 
sie prangt jetzt, teilweise mit halbierten Füllungsplatten, 
vor einem Wohnhause. Ein alter Schlußstein, wohl vom 
früheren Kirchengewölbe herrührend, war seiner Archi 
tekturglieder entledigt worden, um als Mauerstein ver 
wendet und verputzt werden zu können. Die alte eichene 
Kirchentruhe, schwer mit Eisen beschlagen, 2 m lang und 
gut erhalten, hat man um das glänzende Angebot von 
5 M. losgeschlagen. Es wäre zu wünschen, daß der 
Artikel „Die Pflege der Kunst durch die Geistlichen“ 
in Nr. 26 der „Bauzeitung für Württemberg etc.“ eine 
möglichst weite Verbreitung erfährt. Ein Trost war es 
mir noch, in Illingen zu hören, daß inzwischen der Landes 
konservator die Kirche besichtigt habe und weiteren 
vermeintlichen Verbesserungen — man 
wollte auch noch eine äußere Freitreppe 
zur Empore abreißen — Einhalt getan hat. 
Unbegreiflich bleibt mir nur, daß man für 
diese Renovierungsarbeiten keinen hierzu 1 
geeigneten Architekten mit der Bauleitung 
beauftragte. Das reizend gelegene Illinger 
Kirchlein hat im Innern viel von seiner 
früheren Schönheit eingebüßt und das 
noch für teures Geld. Möchte man das 
Aeußere der Kirche bei einer späteren 
Erneuerung doch etwas schonender be 
handeln. W. Klatte. 
Ausbildung von Technikern 
zu Gewerbelehrern in Württemberg 
Eine Bekanntmachung des Kgl. Gewerbe-Oberschul 
rats im „Staatsanz.“ besagt, daß auf den 1. April 1909 
eine größere Anzahl hauptamtlicher Lehrstellen an Ge 
werbeschulen errichtet werden, für welche die gleichen 
Gehaltsverhältnisse wie für die Hauptlehrstellen an der 
mittleren Abteilung höherer Schulen in Aussicht zu nehmen 
sind. Neben denjenigen Lehrkräften, die sich vom Real 
oder Volksschullehrer durch ein mehrjähriges technisches 
Fachstudium für den Dienst an Gewerbeschulen heran 
gebildet haben, kommen bei Besetzung dieser Stellen 
namentlich auch Techniker (Architekten, Ingenieure, 
Werkmeister, Maschinentechniker u. dergl.) in Betracht, 
die zuvor noch eine besondere Vorbereitung für 
den Gewerbeschuldienst erhalten haben. 
Zu letzterem Zweck veranstaltet der Kgl. Gewerbe- 
Öberschulrat in den nächsten Jahren zu Stuttgart be 
sondere Kurse in der Dauer von 5 / 4 Jahren, die 
jeweils am 2. oder 7. Januar beginnen sollen. In un 
mittelbarem Anschluß an die Kurse wird eine staat 
liche Gewerbelehrer-Dienstprüfung abgehalten, 
durch deren Erstehen die Techniker ihre Befähigung zur 
Anstellung im württembergischen Gewerbeschuldienst 
nachzuweisen haben. Die Zulassung zu den Kursen ist 
an den Nachweis einer guten Allgemeinbildung sowie 
einer abgeschlossenen technischen Fachbildung gebunden; 
letztere muß, auch wenn eine besondere Prüfung nicht 
abgelegt wurde, mindestens auf jener Höhe stehen, die 
von Maschinentechnikern in der Diplomprüfung an der 
Baugewerkschule, von Hochbautechnikern in der staat 
lichen Werkmeisterprüfung und, soweit es sich um kunst 
gewerbliche Techniker handelt, in der Zeichenlehrer- 
Dienstprüfung nachzuweisen ist. Bedürftigen Kursteil 
nehmern kann ein Studienkostenbeitrag in mäßiger Höhe 
gewährt werden. 
Da die zum Gewerbelehrerstudium schon zugelassenen 
Kandidaten eine vorwiegend hochbautechnische Aus 
bildung erhalten, ist zunächst der Bedarf an maschinen 
technisch gebildeten Lehrkräften zu decken. In die 
Kurse der näch 
sten Jahre sollen 
daher in erster Li 
nie Maschinen- 
technikeraufge- 
nommen werden. 
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Grundriß 
Wettbewerb Schule für Wangen 
Motto „Zur alten Linde“ 
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Architekt Alfr. Fischer, Stultgarl
	        

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