Volltext: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

20. Juli 1907 
BAUZBITUNG 
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Stadtbauinspektor Brandt in Altona, Geh. Baurat Dr. 
L. Hoffmann in Berlin und Prof. C. Hocheder in München. 
Straßenbrücke über den Norrstrom in Stock 
holm. Ein internationales Preisausschreiben erläßt die 
II. Abteilung der Finanzdeputation der Stadt mit Frist 
zum 15. Dezember d. J. Drei Preise von 7000, 4000, 
3000 Kr. (1 Kr. = 1,16 M.). Ankäufe zu je 1000 Kr. 
sind Vorbehalten. Die Brücke soll drei Oeffnungen er 
halten und massiv in Stein oder Beton mit Granit 
verkleidung hergestellt werden. Unterlagen und Zeich 
nungen (Text auch in deutscher Sprache) vom Stadtbauamt 
(Byggnadskontor) gegen 26 Kr. Die Preisrichter werden 
noch nicht genannt. 
Kleine Mitteilungen 
Württ. Kunstverein Stuttgart. Neu ausgestellt: 
Herbstsaat, Aehrenleserin, Gärtnerin, Vorfrühling auf 
der schwäbischen Alb, Donaulandschaft, Blühende Obst- 
bäume, Tauwind, Sägmühle im Winter, Blühende Baum 
wiese, Wiesental, Blumen vonM.Filser; Morgenstimmung, 
Nach dem Gewitter, Im Freien, Hofinneres, Farbige Zeich 
nung von M. Schräg; Motiv aus Viterbo (Aquarell) von 
Willy Fuchs; Zeichnungen von A. Schlehahn; Andacht 
von Edmund Blume; Japanerin von P. W. Ehrhardt; 
Landschaften von B. Kaiser; Blumenstücke von ß. Borg 
mann; Guaschbilder von H. Hofmeier; Weibliche Akt- 
figürchen (Bronze) von O. üfert u. s. w. 
Tübingen. Zur Erhaltung des Stadtbildes 
haben die bürgerlichen Kollegien Vorschriften für Bau 
ausführungen am Marktplatz, in der Umgebung der Stifts 
kirche, des Schlosses, des Wilhelmstiftes und am linken 
Neckarufer erlassen. 
Heidelberg. Das prächtige Hallenschwimm 
bad, das mit einem Kostenaufwand von 800 000 M. vor 
einem Jahr erbaut wurde, ist im Wege der Zwangsvoll 
streckung um 460 000 M. an die Stadt Heidelberg über 
gegangen. 
Freiburg i. Br. Am stillen Münsterplatz grüßt nocli 
manches hochgiebelige Gebäude aus grauer Zeit zu dem 
bekannten schönen Turm hinüber, an dessen teilweise 
Erneuerung die Architekten denken. Unter diesen alten 
Bauten ziehen zwei die besondere Aufmerksamkeit der 
Fremden an: das Kornhaus (in dessen unterem Kaum 
Früchte des Feldes aufgestapelt sind und der Obstmarkt 
abgehalten wird, während im oberen Teil die Väter der 
Stadt zu Kate sitzen) und das zu Beginn des 16. Jahr 
hunderts errichtete Kaufhaus (in dessen Saal die 
Studentenschaft Antritts- und Abschiedskommerse abhält 
und in dessen hochgelegener lauschiger Stube sich der 
Breisgauverein Schauinsland in die Geschichte des Landes 
vertieft und die Gauhrüder gute Unterhaltung bei einem 
heimischen Schoppen aus neuer oder alter Zeit finden). 
Leicht prägen sich die Linien des im Stil der Früh 
renaissance gehaltenen Kaufhauses mit seinen mächtigen 
Kaiserstandbildern dem Gedächtnis ein. Doch wie die 
Zeit Wunden deckt, so schafft sie dem Alter auch kranke 
Stellen, und so soll auch, wie man der „Frkf. Ztg.“ 
schreibt, im Kaufhaus nächstens das Werk umfassender 
Erneuerung beginnen. Eine neue städtische Anleihe von 
15 Milk Mark soll die Mittel dazu bringen. Die gleichen 
Mittel will man in Anspruch nehmen, um eine seit Jahren 
von Einheimischen und Touristen viel besprochene Neue 
rung durchzuftihren, nämlich eine wunde Stelle des der 
Stadt vorgelagerten, ehemals mit gewaltigen Schlössern 
besetzten Schloßberges zu heilen, die durch das Wachs 
tum der Stadt ihr unbequem gewordene Lage der Höllen 
talbahn zu, ändern u. s. w. Im allgemeinen wird neuer 
dings etwas weniger gebaut, abgesehen von öffentlichen 
Instituten, und auch der Zuwachs der Bevölkerung dürfte 
in letzter Zeit weniger rasch vor sich gegangen sein als 
jahrelang vorher. Das Ergebnis der neulichen allgemeinen 
Zählung wird darüber Klarheit schaffen. Erfreulich ist, 
daß man in der Bauweise der Privathäuser neuerdings 
wieder nach einer Zeit der mehr kokett herausstaffierten 
und verputzten Arbeit Dauerhaftigkeit, Zweckmäßigkeit 
und Natürlichkeit zum Siege schreiten sieht. Und die 
Stadtverwaltung fährt daneben fort, in ihren groß an 
gelegten Bauten auch dem heimischen Kunstgewerbe 
Stätten dankbarer Betätigung zu schaffen. 
Schiffbarmachung des Rheins bis zum Boden 
see. In Konstanz tagte am 6. Juli eine von Vertretern 
der Handelskammern Schopf heim, Säckingen und Konstanz 
und zahlreichen Städten des See- und Schwarzwaldkreises 
gut besuchte Versammlung, um über die Vorarbeiten der 
Schiffbarmachung des Rheins bis zum Bodensee zu be 
raten. Nach einem Vortrag von Handelskammersekretär 
Braun wurde nach lebhafter Erörterung eine Erklärung 
angenommen, die die Schiffbarmachung des Rheins bis 
zum Bodensee im Interesse der Volkswirtschaft für nötig 
erachtet und verlangt, daß die badische Regierung die 
Regulierung des Rheins bis Basel nur dann unterstütze, 
wenn dieselbe gleichzeitig bis zum Bodensee in sichere 
Aussicht gestellt werde, da durch eine Wasserstraße nur 
bis Basel eine schwere wirtschaftliche Schädigung der 
in Frage kommenden Landesteile unausbleiblich wäre. 
Es wurde ein Ausschuß von sieben Herren, von denen 
drei den Handelskammern, drei den Städten und einer 
dem Kreisausschuß entnommen sind, gebildet. Diese 
haben die nötigen Vorarbeiten einzultiten und sich vor 
allem mit Vertretern der Bodenseeuferstaaten ins Be 
nehmen zu setzen. 
Vom Kölner Dom. Seit mehreren Jahren gingen 
von Zeit zu Zeit Notizen durch die Blätter, daß ruch 
lose Hände an den verschiedenen Domportalen mit 
Stöcken große Stücke von Konsolen und Statuen abge 
schlagen hätten, wobei man sich über den Vandalismus 
böser Menschen entrüstete. Es scheint, daß, obschon wir 
einen Dombaumeister besitzen, keine Instanz vorhanden 
ist, die den Ursachen der Veränderungen an diesen 
Partien des Doms nachzugehen gehabt hätte, denn es 
bedurfte, wie gesagt, mehrerer Jahre, bis die Wahrheit 
an den Tag kam. Es hat sich dann herausgestellt, daß 
nicht kirchenfeindliche Menschen am Werke waren, sondern 
daß es sich um natürliche Abbröckelungen des 
nicht wetterfesten Gesteins handelt. Die Gefahr, die von 
den fallenden Steinstücken drohte, wurde so groß, daß 
die Portale zeitweise gesperrt werden mußten, bis die 
notwendigsten Sicherungsarbeiten geschehen waren. Auf 
diesen Anlaß scheint das Projekt der Errichtung größerer 
Dombauhütten zurückzuführen zu sein, die auf derNord- 
und Südseite der Türme erstehen sollten. Das Holzgerippe, 
das die Dimensionen dieser Baulichkeiten veranschaulichen 
sollte, zeigte aber so umfangreiche Formen, daß, wie 
die „Frkf. Ztg.“ meldet, die Kommission, bestehend aus 
dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz und den Vertretern 
der Regierung, des Domkapitels und der Stadt, dieser 
Tage die Ausführung der Hütte an der Südseite, dem 
Domhotel gegenüber, ablehnte und nur die Vergrößerung 
in der Hütte an der Nordseite, dem Bahnhof gegenüber, 
genehmigte. 
Heimatschntz in der Schweiz. Die Bestrebungen 
der neuen schweizerischen Vereinigung für Heimatschutz 
haben einen schönen Erfolg zu verzeichnen; Der Statzer- 
wald ist gerettet! Für die Strecke St.Moritz—Pontresina 
der Berninabahn sah das erste Projekt eine Linienführung 
durch den Statzerwald vor, an der „Meierei“ und am 
stillen Statzersee vorbei, wodurch der schönste Wald und 
die einzige Waldpromenade des Oberengadin durch 
schnitten und zerstört worden wäre. Man hat gegen 
dieses barbarische Vorhaben der Berninabahngesellschaft 
einen langen und zähen Kampf führen müssen, aber 
schließlich ist der Erfolg nicht ausgeblieben. Die Linie 
soll nun in einem Tunnel durch die Charnadürasschlucht
	        

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