Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

BAUZEITUNG 
ilr.31 
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mäßigen Farben durch mildere und feiner belebte Töne 
gelten. Um darauf zu dringen, ist sehr wohl ein Weg 
gangbar, den die vorhin angezogene Darmstädter Ver 
ordnung in bezug auf farbige Anstriche verfolgt. Man 
fordere die Vorlage von Proben, die der Genehmigung 
bedürfen, dann wird sich das, was wünschenswert ist, 
bald durchsetzen lassen. Und wenn die Ziegler erst be 
merken, daß feste Forderungen nach bestimmter Richtung 
hin gestellt werden, wenn sie dabei einsehen, daß diese 
neueren Forderungen gar nicht so unvorteilhaft für ihre 
Betriebe sind, wie sie jetzt noch allgemein glauben, so 
wird auch das Entgegenkommen und der Wetteifer bei 
ihnen nicht fehlen. Dann werden auch weitere Vervoll 
kommnungen sich einstellen; ich zweifle gar nicht, daß 
sich bei gutem Willen auch eine wirtschaftlich und tech 
nisch durchführbare Abhilfe für die unangenehm glatte 
Oberfläche des Maschinensteines finden wird. Bemühen 
sich doch jetzt schon einsichtige Ziegler um derartige 
Fortschritte, und wo in technischen Dingen ein Wille ist, 
ist auch ein Weg! 
Nun kann man sich wohl leicht auf den Standpunkt 
stellen, es sei unnötig, sich mit solchen schwierigen Dingen 
zu plagen, da man ganz gut ohne Backsteinbau künstlerisch 
auskommen könne. Aber hier liegt meines Erachtens in 
der letzten Annahme ein Irrtum vor. Bisher ist der Back 
steinhau räumlich noch stark im Vordringen begriffen. 
Fast bei jeder Fahrt durch deutsche Gaue, in Hessen, in 
Franken, am Rhein und an der Weser, in Westfalen und 
im südlichen Hannover wie in Württemberg, ist man er 
staunt, ihn in Anwendung zu finden, selbst in den vom 
Verkehr abgelegeneren Landstrichen. Wo man früher an 
so etwas gar nicht dachte, sind Verblendsteinziegeleien 
entstanden und finden Abnehmer für ihre Erzeugnisse. 
Das ist als zeitweise Aenderung und Störung einer von 
früher her abgeschlossen überlieferten landschaftlichen 
Eigenheit sicher zu bedauern, aber es ist kaum anzu 
nehmen, daß der Widerstand dagegen auf Erfolg rechnen 
kann. Schon aus allgemeinen inneren Gründen wird die 
Heimatpflege es sich nicht zum Ziele setzen können, unter 
den ganz veränderten heutigen Verhältnissen das alte 
Aussehen der Landschaft unter allen Umständen fest- 
halten zu wollen. Ihre Aufgabe kann es nur sein, die 
ziellose Verschleuderung alter Schönheit und die unnötige 
Entstellung zu verhindern. An Stelle fruchtlosen Wider 
standes ist es wohl erfolgversprechender, die unvermeid 
lichen Neuerungen in künstlerisch befriedigende Bahnen 
zu leiten. Für das Vordringen des Backsteinbaues gibt 
es aber einen sehr triftigen und auch berechtigten Grund. 
Ein guter Verblendstein gibt beim heutigen Stand der 
Technik die Sicherheit, daß alle Kosten, Mühen und 
Störungen, die mit äußeren Ausbesserungen der Gebäude 
verbunden sind, auf absehbare Zeit vermieden werden. 
Diese Dauerhaftigkeit ist ein so großer praktischer Vor 
zug, daß ihn jeder, der mit den Unterhaltungskosten 
rechnen muß, nicht leicht sich entgehen lassen wird. So 
wird das Streben, den Backsteinbau durch Verbote an 
einzelnen Stellen zu verdrängen, sein Fortschreiten an 
andern nicht hindern können. Schon der Umstand, daß 
solche Verbote, wie das angezogene Darmstädter Orts 
statut, sich notgedrungen auf einzelne Stadtteile be 
schränken, läßt das erkennen. Und wir würden auf diesem 
Wege im Städtebau uns dem sicher unerwünschten Zu 
stand nähern, den wir im Wohnungswesen glücklich über 
wunden haben, daß nämlich in einer Art „guten Stube“ 
alles nach strengen Grundsätzen in künstlicher Ordnung 
gehalten wird, während man an den Städten des täglichen 
Lebens alles gehen läßt, wie es eben geht, ohne künst 
lerische Ansprüche zu erheben. 
Aber noch mehr, die vielfach gegen den Backsteinhau 
verbreitete Abneigung hat es schon dahin gebracht, daß 
im Privatbau seine künstlerische Förderung vernachlässigt 
worden ist. Die Bearbeitung seiner Aufgaben und der 
Einfluß auf seine Technik ist infolgedessen überwiegend 
Kräften geringeren Ranges überlassen geblieben. Die 
künstlerische Rückständigkeit des modernen Verblend 
steinbaues, welche vielfach eine Schädigung der Städte- 
und Landschaftsbilder herbeiführt, ist eine Folge dieser 
künstlerischen Anarchie. Die geschilderte Art des durch 
schnittlichen heutigen Verblendsteinbaues bestimmen 
weniger die Architekten als die Ziegeleibesitzer. Nicht 
nur, indem sie allen Wünschen nach Verbesserung ihrer 
Erzeugnisse das Gehör verweigern, sondern auch, indem 
sie mit den Verblendsteinen selbst womöglich unberechnet 
auch die Fassadenzeichnungen liefern, um Abnehmer für 
ihre Steine sich zu sichern. Ein Fortschreiten auf dem 
Wege von Verboten wird kaum andre Folgen haben, als 
diesen Zustand weiter zu verschärfen, anstatt ihn zu 
verbessern. Es führt dadurch zu immer weiteren Schädi 
gungen an andern Stellen, liegt also durchaus nicht im 
Sinne einer weiterblickenden Denkmal- und Heimatpflege. 
Eine gesunde Kunstübung darf praktische Vorteile 
wie diejenigen, die dem Backstein seine neuerliche Ver 
breitung verschafft haben, nicht bekämpfen, sondern sollte 
sie ihren künstlerischen Zwecken dienstbar machen. Nicht 
stellenweise verbieten sollte man ihn, sondern auf ihn, 
dessen Anwendung man doch nicht hindern kann, Einfluß 
gewinnen. Daß die Härten und Unzuträglichkeiten, die 
dem Ziegelbau heute vielfach anhaften, abgestreift werden 
können, ist unzweifelhaft. Wenn die dahin gerichteten 
Bestrebungen bisher den gewünschten weitgreifenden Er 
folg nicht gehabt haben, so liegt das daran, daß diese 
Bestrebungen auf den Widerstand der fest zusammen 
geschlossenen Verblendsteinfabrikanten stoßen. Und doch 
hängt bei der gewaltigen Rolle, welche die Farbe in 
diesen Dingen spielt, jeder Fortschritt von der Ein 
wirkung auf die Ziegelherstellung ab. Hier ist der einzelne 
machtlos, hier muß die Aufklärung über das, was gut 
uüd böse ist, von allen berufenen Seiten ausgehen. Es 
ist für Denkmalpflege und Heimatschutz eine dringende 
Forderung, daß die Ziegelbereitung und der Ziegelbau 
aus einem künstlerischen Erstarrungszustande wieder zu 
der Höhe gehoben werden, deren sie fähig sind. 
Neues über den Hausschwamm 
Unter diesem Titel veröffentlicht Prof. Dr. Ludwig- 
Greiz im „Prometheus“ (herausgegeben von Dr. Otto 
N. Witt, Verlag von Rudolf Mückenberger-Berlin) einen 
Aufsatz, dem wir folgende Ausführungen entnehmen: 
Richard Falck in Breslau, ein Schüler des Mykologen 
O. Brefeld, hat soeben in der Zeitschrift für Hygiene 
und Infektionskrankheiten (65. Band, S. 478—605) den 
Nachweis erbracht, daß der wilde und der echte 
Hausschwamm bei aller makro- und mikroskopischen 
üebereinstimmung zwei physiologisch wohlunterscheid 
bare Arten darstellen. Das Wachstum des Myzels (der 
vegetativen Teile) vollzieht sich bei ersterem zwischen 
0° und 34°, mit einer optimalen Temperaturzone zwischen 
22° und 26°, bei letzterem zwischen 0° und 27° und 
der optimalen Temperaturzone zwischen 16° und 22°. 
Die Anpassungen beider an den natürlichen Standort 
kommen auch noch in einem andern wichtigen Unter 
schied zum Ausdruck: der Einwirkung ultramaximaler 
Temperaturen. Das Myzel des echten Hausschwamms 
der Häuser wird durch eine konstante Temperatur von 
34 0 nach viertägiger Einwirkung, bei 38 0 nach drei 
Stunden getötet, bei 40° nach 60 Minuten; das des Haus 
schwamms der Wälder stirbt dagegen bei 38° erst nach 
sieben Tagen, hei 40—41 0 nach vier Stunden ab. Für 
gerichtliche Entscheidungen ist es wichtig, nachzuweisen, 
ob es sich um den ersteren Schwamm, der allein der 
Urheber der Infektionskrankheit der Häuser ist, oder um 
den letzteren handelt. 
Nach Falck kann dieser Nachweis nur durch Er- 
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