Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

3. August 1907 
BAUZEITUNÖ 
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worden. In Flonheim ist der Streik der Maurer be 
endet; die Arbeit ist zu den alten Bedingungen wieder 
aufgenommen worden. 
Wettbewerbe 
Entwürfe für die architektonische Ausbildung 
der Möhnetalsperre. Es wird vom Vorsitzenden des 
Ruhrtalsperrenvereins für die im Deutschen Reiche ansässi 
gen Architekten ein Wettbewerb zum 1. Oktober d. J. aus 
geschrieben. Es gelangen 3 Preise von 2000, 1500 und 
750 M. zur Verteilung; nicht preisgekrönte Entwürfe 
sollen für je 400 M. angekauft werden. Eine andre Art 
der Verteilung der Gesamtsumme der Preise ist Vor 
behalten. Zu den Preisrichtern gehören u. a. Prof. 
G. Frentzen-Aachen, Wasserwerksdirektor Hegeler-Gelsen- 
kirchen, Stadtbaurat Kullrich-Dortmund, Reg.-Baumeister 
a. D. Link-Essen, Prof. J. M. Olbrich-Darmstadt, Reg.- 
und Baurat v. Pelser-Berensberg in Arnsberg. Stell 
vertreter sind Stadtbaurat Guckuck-Essen und Wasser 
werksdirektor Reese-Dortmund. Unterlagen gegen 6 M., 
die zurückerstattet werden, durch das Bureau des Ruhr 
talsperrenvereins, Essen, Bachstraße 6. 
Figürliche Darstellungen in Medaillenform. Zur 
Erlangung von künstlerischen Entwürfen: Figürliche Dar 
stellungen in Medaillenform, die sich zur Ausschmückung 
größerer Wandflächen in Treppenhäusern, Speisesälen, 
Fassaden u. s. w. eignen, veranstaltet die Fachzeitschrift 
„Der Maler“ einen öffentlichen Wettbewerb unter den 
in Deutschland geborenen bezw. lebenden Künstlern. Für 
die besten Entwürfe werden folgende Preise verteilt: 
ein I. Preis 200 M., zwei II. Preise ä 100 M., sechs 
III. Preise ä 50 M. Außerdem behält sich der Verlag 
vor, weitere vom Preisgericht empfohlene Arbeiten zum 
Preise von je 40 M. anzukaufen. Als Einlieferungstermin 
ist der 30. November 1907 festgesetzt. 
Neubau einer Realschule in Eckernförde. Unter 
den reichsangehörigen, im Deutschen Reiche wohnenden 
Architekten wird ein Wettbewerb ausgeschrieben mit Frist 
bis zum 21. Oktober. Drei Preise von 1200, 800 und 
400 M. sind ausgesetzt. Der Ankauf weiterer Entwürfe 
für je 300 M. bleibt Vorbehalten. Dem siebengliedrigen 
Preisgericht gehören u. a. an Geh. Baurat Mühlke in 
Berlin, Stadtbaurat Pauly in Kiel und Kgl. Baugewerk 
schuldirektor Hirsch in Eckernförde. Das Bauprogramm 
nebst Lageplan kann von dem Magistrat in Eckernförde 
gegen Einsendung von 1 M. bezogen werden. 
Kleine Mitteilungen 
Württ. Kunstverein Stuttgart. Wegen Reini 
gung u. s. w. bleiben die Ausstellungssäle von Montag 
5. August ab bis auf weiteres geschlossen. 
Stuttgart. Die Erste Kammer hat in ihrer Sitzung 
vom 25. Juli die Bahnhofsvorlage einstimmig ge 
nehmigt. Damit ist die Ausführung des Schillerstraßen 
projekts endgültig festgelegt. In der Sitzung hatte Minister 
präsident v. Weizsäcker eindringlich betont, der Bahnhofs 
umbau dürfe keine Minute mehr verschoben werden, da 
die gegenwärtigen Stuttgarter Bahnhofsverhältnisse un 
haltbar seien. — Ein Stadtbauplan, der für die künftige 
architektonische Gestaltung der Stadt Stutt 
gart von großer Bedeutung ist, kam in der Gemeinde 
ratssitzung vom 26. Juli zur Erledigung. Es handelt sich 
um den Bebauungsplan für das durch die Verlegung des 
Hauptbahnhofs freiwerdende Gebiet zwischen Schloß-, 
Königs-, Schiller-, Alleen- und Friedrichstraße, den bis 
herigen Platz des Hauptbahnhofs. Das Gebiet des letzteren 
wird vom künftigen Hauptbahnhof in der Schillerstraße 
an durch eine Hauptverkehrsstraße bis zur Schloßstraße 
durchschnitten werden. Der Gemeinderat stimmte dem 
Bebauungsplan bei mit dem Zusatz, daß das denkwürdige 
Königstor an seinem jetzigen Platz oder doch in nicht 
größerer Entfernung davon erhalten bleiben sollte. 
Gießen. Der hiesige Stadtbaumeister Braubach 
erhielt den Ruf, als Ingenieur eine von der Deutschen 
Handelsgesellschaft mit Unterstützung des Reiches aus 
gerüstete wissenschaftliche Expedition nach Südwest 
afrika mitzumachen. Die Expedition wird sich vornehm 
lich mit der Untersuchung der Wasserverhältnisse im 
Süden der Kolonie beschäftigen und der Anlage von 
Talsperren ihre Aufmerksamkeit widmen. Die Stadt 
verordnetenversammlung genehmigte den erforderlichen 
Urlaub. 
Privatarchitekten und öffentliche Bautätigkeit. 
Wie eine stärkere Beteiligung der Privatarchitekten an 
städtischen und staatlichen Bauten zu ermöglichen sei, 
diese Frage bildet einen Hauptberatungsgegenstand auf 
dem außerordentlichen Bundestage des Bundes deutscher 
Architekten in Leipzig. In der sehr lebhaften Debatte 
über diesen Gegenstand wurde von mehreren Rednern 
darüber geklagt, daß den Privatarchitekten durch die 
steigende Zunahme der amtlichen Baubureaus, die in 
vielen Fällen kostspieliger, umständlicher und langsamer 
arbeiteten als die Privatarchitekten, städtische und staat 
liche Bauaufträge kaum mehr erteilt würden, keineswegs 
immer zum Nutzen der betreffenden Behörden. Im 
Interesse der deutschen Architektenschaft, des freien 
Wettbewerbs und in Verbindung damit der Hebung und 
Förderung der deutschen Baukunst sei dies sicher zu 
beklagen. Im weiteren Verlaufe der Verhandlungen 
wurden die Mittel beraten, die anzuwenden seien, um 
der immer mehr zunehmenden Konkurrenz der Bau 
stellen der Landwirtschaftskammern zu begegnen. Mau 
beschloß, eine dreigliedrige Kommission zu ernennen, 
die die Aufgabe hat, statistisches Material in größerem 
Umfange zu sammeln und dieses zu einer Denkschrift zu 
verarbeiten, die dann den maßgebenden Behörden und 
Ministerien zu übermitteln sein würde. 
Der Kampf gegen die Reklametafeln. In einer 
früheren Nummer des Dürer-Blattes ist ein Aufsatz, über 
schrieben „Weg mit der Blechpest!“ abgedruckt. „Jetzt 
ist es auch bei uns in Deutschland schon so weit,“ heißt 
es dort, „daß sich längs aller Eisenbahnen und nament 
lich neuerdings auch seit Aufkommen des Automobil 
sports an allen Landstraßen und Dörfern solche Reklame 
schilder im freien Felde sowohl wie an Gebäuden in 
aufdringlichster Weise bemerkbar machen. Wer zum Bei 
spiel in diesem Sommer die an Naturschönheiten so reiche 
Strecke von München nach Garmisch und Partenkirchen 
und andre ins bayrische Oberland führende Bahnen 
befahren hat, der wird über diese nichtswürdige Ver 
unzierung der Natur ganz gewiß empört gewesen sein. 
Dort gibt es wirklich kein Bauernhaus, keinen Zaun, 
keine Scheune mehr, wo nicht jene Reklamen zu lesen 
wären. Auch die schöne Plakatgalerie bei der Einfahrt 
in den Münchner Bahnhof ist gewiß zahllosen Reisenden 
schon störend aufgefallen. Sie versperrt jetzt vollständig 
den früher an klaren Tagen so reizenden Anblick der 
Alpenkette. Am schlimmsten ist es ja freilich in der 
Schweiz, und dort scheint jetzt auch wirklich eine 
tatkräftige Gegenbewegung einzusetzen. Man begnügt 
sich dort auch nicht mehr, Vereinigungen zu bilden, die 
durch Wort und Schrift gegen diesen Unfug Vorgehen 
und auch gesetzgeberische Maßnahmen dagegen herbei 
zuführen suchen, sondern man faßt die Sache auch in 
andrer Weise praktisch an; so sollen sich schon die 
Hotelbesitzer zusammengeschlossen haben, um solchen 
Firmen, welche die Natur mit ihren Reklamen verun 
zieren, einfach ihre Aufträge zu entziehen. Da es meist 
Erzeugnisse der Nahrungsmittelbranche sind, die da 
empfohlen werden, wird das schon helfen. Besonders 
unter den Schokoladenfabriken der Schweiz scheint ein 
förmlicher Wettbewerb in dieser Art von Natur Schändung
	        

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