Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

14. September 1907 
BAUZBITUNG 
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irdischen Güter, die ihm später zufielen und von denen 
er einen reichlichen Betrag zu IJnterstützungszwecken 
verwendete, nicht hinweghelfen. 
Ende Juli reiste v. Ernst in die Schweiz, um sich 
zu erholen. Die ersten Wochen fühlte er sich wohl, bis 
plötzlich die Krankheit (Blinddarmentzündung) sich ein- 
stellte, die trotz zweimaliger Operation am 28. August 
in Meiringen zum Tode führte. 
Der Dahingegangene war ein Mann von ausgeprägter 
Eigenart, der — wie das bei derartigen Persönlichkeiten, 
namentlich bei solchen mit ausgesprochener Neigung zur 
Kritik, der Fall zu sein pflegt — nicht durch das Leben 
geht, ohne andre im Streit der Meinungen zu verletzen 
oder auch zur Kritik herauszufordern, der aber bei 
dem vielen, was er für die Allgemeinheit, zum Teil 
unter recht erschwerenden Umständen, getan und für 
sie gelitten hat, wohl ein Anrecht darauf besitzt, 
als ein Ganzer gewürdigt und beurteilt zu werden. 
Viele Tausende werden dem Verstorbenen ein treues 
Andenken bewahren! B. 
Mahnung an Bautechniker 
Wir erhalten folgende Zuschrift: 
Die Stadtgemeinde Zuffenhausen schreibt die vor nicht 
langer Zeit erst neubesetzte Stadtbaumeisterstelle schon 
wieder zur Bewerbung aus. Wir haben schön bei der 
letzten Neubesetzung dieser Stelle unsern Kollegen Vor 
sicht empfohlen und können nicht umhin, uns wieder mit 
der Sache zu befassen. 
Die dem früheren Inhaber der Stelle entstandenen 
Unannehmlichkeiten sind wohl noch zur Genüge bekannt 
— doch hatte jener die Stelle über acht Jahre bekleidet —, 
und muß man zu dem Glauben kommen, daß nicht die 
Eigenschaften oder Fähigkeiten der Stelleninhaber die 
Unstimmigkeiten verschulden, sondern daß die herrschen 
den Verhältnisse in Zuffenhausen den raschen Wechsel 
und die Unmöglichkeit des Bleibens für einen tüchtigen 
und standesbewußten Techniker herbeiführen. 
Sollte aber tatsächlich am jetzigen so rasch erfolgten 
Wechsel der Inhaber der Stelle mit die Schuld tragen, 
so muß angeführt werden, daß bei der geringen Bezahlung, 
wie seinerzeit von uns bemerkt, solchen Stellen gewachsene 
Bewerber nicht auftreten. Auf alle Fälle mahnen wir 
unsre Kollegen wieder zur Vorsicht und raten, ja keine 
niederen Forderungen zu stellen, damit wenigstens 
eine annehmbare Bezahlung einigermaßen für die zu er 
wartenden Mißhelligkeiten und weitgehende dienstliche 
Inanspruchnahme entschädigt. 
Für die in Frage stehende Stelle dürfte wohl ein 
Anfangsgehalt von 4600 M. zum Ansatz kommen. Die 
jenigen Kollegen, welche als Bewerber für die Stelle 
auftreten wollen, bitten wir in ihrem und im Standes 
interesse, unsre Mahnungen zu beachten und ja sehr vor 
sichtig zu sein, hauptsächlich bei einem etwaigen Ver 
tragsabschluß, denn es ist schon mehrmals in letzter Zeit 
bei Neubesetzung von technischen Stellen in Gemeinde 
verwaltungen vorgekommen, daß den Gewählten erst nach 
ihrem Dienstantritt Vertragsbestimmungen und Dienst 
anweisungen aufgedrungen worden sind, welche vorher 
wohl nicht angenommen worden wären und zu deren 
Anerkennung den Stelleuinhaber nur die geschaffene 
Zwangslage bestimmen konnte. 
Mit koll. Gruß an alle Kollegen namens mehrerer 
Ein Ausschußmitglied des B. V. W. 
Y ereinsmitteiliingen 
Württ. Btiubeamten-Verein. Einladung des Aus 
schusses zu einer Sitzung am Sonntag, den 6. Oktober d. J., 
vormittags 10*/ 2 Uhr, im Erdgeschoß des Gesellschafts 
hauses der „Bauhütte“, Büchsenstraße 53 in Stuttgart. 
Tagesordnung: Bekanntgabe der Einläufe, Vorbildungs 
frage, Neuaufnahmen u. s. w. Vollzähliges Erscheinen 
sehr erwünscht. Der Vorstand. 
Als Vereinsmitglieder ab 1. Januar 1908 wurden an 
gemeldet die StaatsstraßenmeisterEipper in Leutkirch und 
Schobel in Saulgau. 
Wettbewerbe 
Der Krankenhauswettbewerb Zweibriicken ist 
nunmehr in neuer Form zum 1. Dezember d. J. aus 
geschrieben worden. Bausumme 400 000 M., Zeichnungen 
1:200. Drei Preise von 2000, 1500 und 1000 M. Unter 
den Preisrichtern Bezirksbaumeister Bau, Baumeister 
Mohr, Stadtbaumeister Grewenig, sämtlich in Zwei 
brücken. Ein Ankauf nichtpreisgekrönter Entwürfe ist 
Vorbehalten. Der Betrag von 2 M. für die Unterlagen 
wird bei Einreichung eines Entwurfs zurückerstattet. Der 
Baustil ist freigestellt; in der Pfalz ist die Renaissance 
vorwiegend. Die Erweiterungsmöglichkeit der Gebäude 
ist vorzusehen. Die Bauausführung erhält das Stadtbau 
amt in Zweibrücken. 
Entwürfe zu Grabdenkmälern für den Johannis- 
Kirchhof in Nürnberg. Den Nürnberger Blättern zu 
folge plant die „Vereinigte protestantische Kirchenver 
waltung“ daselbst einen Wettbewerb zu dem Zweck, 
durch Gewinnung von Entwürfen, die dem besonderen 
Charakter dieses eigenartigen und ehrwürdigen Friedhofes 
angepaßt sind, der zunehmenden Störung der Stimmung 
Einhalt zu tun. Nur freudig könnte das Vorgehen be 
grüßt werden. 
Entwürfe für eine Häusergruppe an der Kaiser- 
Wilhelm-Straße in Breslau. Der zum zweiten Male 
ausgeschriebene Wettbewerb des Ausschusses „Alt- und 
Neu-Breslau“ wendet sich an die Architekten deutscher 
Eeichsangehörigkeit und betrifft die Bebauung eines im 
Privatbesitz befindlichen Geländes von rund 8000 qm mit 
Wohnhäusern. Es gelangen drei Preise von 2000, 1200 
und 800 M. zur Verteilung; ein Ankauf nichtpreis 
gekrönter Entwürfe für je 500 M. ist Vorbehalten. Frist 
30. November 1907. Dem Preisgericht gehören an die 
Architekten Bauinspektor Berger, Landesbauinspektor 
Dr. Burgemeister, Baurat Grosser, Architekt Henry, 
Regierungs- und Baurat Maas, Magistratsbaurat Nathan 
sohn, Stadtbauinspektor Reißmüller und Magistratsbaurat 
Rimpier. Das Baugelände ist in eine Anzahl von Grund 
stücken aufzuteilen und so zu bebauen, daß jedes Grund 
stück innerhalb der baupolizeilich zulässigen Grenzen 
möglichst ausgenutzt wird. Die einzelnen Gebäude sollen 
in jedem Stockwerk tunlichst nur eine W ohnung von 5 bis 
8 Zimmern enthalten. Die Zeichnungen sind 1:200 ver 
langt, dazu ein Schaubild. Ueber Stil, Material sind 
Angaben nicht gemacht, auch nicht über eine etwaige 
Beteiligung eines Preisträgers an der Ausführung. Die 
Aufgabe an sich erscheint anziehend. 
Entwürfe für die Anlage des Südwest-Kirch- 
hofes von Stahnsdorf bei Berlin. Es wird vom 
geschäftsführenden Ausschuß der Berliner Stadtsynode 
zum 1. Februar 1908 für deutsche Architekten und Garten 
künstler ein Preisausschreiben erlassen. Es gelangen drei 
Preise von 6000, 4000 und 2000 M. zur Verteilung; ein 
Ankauf nichtpreisgekrönter Entwürfe für je 1000 M. ist 
Vorbehalten. Ein Anspruch auf Ausführung seines Ent 
wurfes steht keinem Teilnehmer am Wettbewerb zu; über 
eine etwaige Beteiligung eines preisgekrönten Verfassers 
an der Ausführung ist nichts bemerkt. Dem Preisgericht 
gehören als Vertreter der bildenden Kunst oder der 
Gartenkunst an Bildhauer Prof. Börmel in Grunewald, 
Baurat Büttner in Steglitz, Geh. Oberbaurat Hoßfeld in 
Berlin, Hofgartendirektor Vogeler in Charlottenburg und 
Stadtobergärtner Weiß in Berlin. Unterlagen gegen 
5 M., die zurückerstattet werden, durch die Berliner 
Stadtsynode, Berlin C. 2, Neue Friedrichstraße 69.
	        

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