19. Januar 1907
BAUZEITUNG
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antworten, kann nicht unsre Aufgabe sein. Man
wird auch da den Rat eines erfahrenen Heizungstechnikers
eiuholen und seinem Rate vertrauen
müssen. 1 ) Nach ihrer Natur ordnen sich alle
Systeme in drei Klassen, in Luft-, Wasser- und
Dampfheizungen. Ihre besonderen Unterschiede,
Vor- und Nachteile wollen wir im folgenden kurz
zu erörtern versuchen, wobei wir in der Hauptsache
das vom Baugewerksschuldirektor Wustandt
in Koburg neubearbeitete Buch „Jeeps Feuerungsaulagen“
als Unterlage benutzen.
Bei der Luftheizung wird die von außen
zugeführte Luft entweder unmittelbar an der Feuerstelle
(Feuerluftheizung) oder mittelbar durch
Wasser oder Dampf erwärmt (Wasser oder Dampfluftheizung).
Wird frische Luft zugeführt, so
spricht man von Frischluftheizung, bei Wiedererwärmung
derselben Luft von Umlaufluftheizung.
Die Luftheizung eignet sich wegen der mit ihr verbundenen
starken Lüftung vornehmlich für Versammlungsräume
, Theater, Kirchen u. s. w., in
denen Menschen in großer Zahl, aber mit Unterbrechung
sich aufhalten, auch für Schulen und Familienhäuser,
sofern ihre Hauptausdehnung in die Höhe
sich erstreckt, da die Warmluftkanäle von der Feuerstelle
aus sich höchstens 12 m weit wagerecht führen lassen.
Schwierigkeiten bereitet oft die Unterbringung der aufsteigenden
Luftkanäle in den dünnen Wandungen moderner
Hausbaukonstruktion. Bei freistehenden, dem Windanfall
besonders stark ausgesetzten Gebäuden treten Störungen
in der Erwärmung leicht dadurch ein, daß der erhöhte
Luftdruck einerseits den Austritt der warmen Luft in
das Zimmer verhindert, anderseits noch kalte Luft in sie
hineintreibt. Der Verbrennungsprozeß erfordert sorgfältige
Ueberwachung, da ein zu starker Betrieb neben Ueberwärmung
der Räume auch durch Verbrennen des in der
Luft enthaltenen organischen Staubes die Luft verschlechtert.
Die Vorteile der Luftheizung liegen einmal
in ihrer Gefahrlosigkeit und leichten, bequemen Handhabung,
dann aber in ihrer Billigkeit gegenüber andern
Zentralanlagen. Die Einfachheit der Feuerstelle sowohl
wie der Kanäle, welche von den Bauunternehmern selbst
ausgeführt werden können, und der Fortfall jeglicher
Heizkörper machen die Luftheizung zum billigsten System
in der Anlage; der Betrieb stellt sich aber insofern
teurer, als die notwendige Ableitung von Luft Wärmeverluste
bedingt. Allerdings ist dieser Nachteil dort ein
Vorzug, wo Menschenansammlungen u. s. w. einen kräftigen
Luftwechsel erfordern.
Die Wasserheizung unterscheidet man nach der erreichten
Wasserwärme von 90°—130°—160° als Nieder-,
Mittel- und Hochdruckwasserheizung; erstere bezeichnet
man wohl auch mit Warmwasserheizung, letztere mit Heißwasser-
oder Perkinsheizung. Die Heizungsanlage besteht
in einem System von Rohren, in denen warmes Wasser
umläuft, das seine Wärme an die Zimmerluft abgibt und
dann zur Erwärmungsstelle zurückkehrt, um aufs neue
erwärmt seinen Umlauf zu wiederholen. Der Kreislauf
erfolgt selbsttätig durch die Erwärmung. Zur Regelung
und zum Ausgleich der durch die Erhitzung eintretenden
Spannungen dient das Ausdehnungsgefäß. Es ist offen
bei Warmwasserheizungen, und steht unter Druck bei
den übrigen Systemen, um das Wasser über 100° erhitzen
zu können. Der Vorteil der Hochdruckheizung, die leichtere
Verteilung der im ganzen System gleichen, meist
23 mm weiten Rohre wird reichlich durch die nahe
*) Wir wollen hier auch nicht auf die Besonderheiten eingehen,
die durch die Bezeichnungen Stockwerksheizung im Gegensatz zur
Hausheizung, Fernheizung, Fußboden- oder Wandheizung gekennzeichnet
werden.
Explosionsgefahr aufgewogen, wozu die mangelnde Wärmeregelung,
die eigentlich nur bei einem einzigen zu heizenden
Raum möglich ist, und die schlechtere Ausnutzung
des Brennstoffes kommt. Auch bei der Mitteldruckheizung
erkauft man die etwas billigere Anlage mit der größeren
Strahlung des Heizkörpers und der Explosionsgefahr.
Dagegen kann bei der Warmwasserheizung ohne Umstände
eine bestimmte Wassertemperatur im Kessel erhalten
werden, so daß hiermit eine weitgehende zentrale
Regelung der Wärmeabgabe sich von selbst gibt. Im
Gegensatz zur Luftheizung hat man bei der Warmwasserheizung
Apparate, die nach Einstellung selbsttätig den
Verbrennungsprozeß so regeln, daß das Wasser eine bestimmte
Temperatur erhält. Die Anlage ist haltbar und
geräuschlos, wenn auch teuer in der Herstellung; der
Betrieb stellt sich billig.
(Schluß folgt)
Prüfungsanweisung zur württembergisclien
Bauwerkmeisterprüfung
Das Ministerium des Innern hat nunmehr auf Grund
der Ministerialverfügung vom 26. April 1902 die Prüfungsanweisung
für die Bauwerkmeisterprüfung erlassen. Wir
heben aus der Anweisung folgendes hervor:
1. Die Prüfungskommission besteht aus dem Vorstand
der Ministerialabteilung für das Hochbauwesen oder dessen
Stellvertreter als Vorsitzendem, aus Lehrern der Baugewerkeschule,
technischen Mitgliedern der Ministerialabteilungen
für das Hochbauwesen und für den
Straßen- und Wasserbau und andern praktischen Bautechnikern.
Sie wird wie seither vom Ministerium des
lunern bestellt.
2. Bei Bemessung der von den Kandidaten nachzuweisenden,
in der Regel dreijährigen praktischen Vorbereitungszeit
ist die praktische Beschäftigung entsprechend
zu berücksichtigen, die schon vor der Vorprüfung stattgefunden
hat. (Hiermit soll wohl die auch schon in
diesem Blatt hervorgehobene Unstimmigkeit zwischen der
betreffenden Bestimmung der Ministerialverfügung vom
26. April 1902 [§ 5 lit. cj und der Verfügung des Kultministeriums
über die Vorprüfung vom 13. Mai 1902
[§ 1 Ziff. 2] beseitigt werden.)
3. Die Prüfungsgegenstände, die Prüfungsdauer und
der Umfang des Prüfungsgebiets sowie der Wert der
Prüfungsergebnisse sind wie folgt bestimmt:
Abb. 8. Kraftstation bei Heimbach