Volltext: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

2. November 1907 
BAUZEITUNG 
351 
„Wenn die Uebernahme von Privatarbeiten den Ober 
amtsbaumeistern nach Art. 73 Abs. 6 des Entwurfs unter 
sagt wird, werden sich gerade die letzteren zu Ortsbau 
technikern vorzugsweise eignen, und die Ausnutzung der 
Möglichkeit ihrer Berufung zu diesem Amte wird sich 
für viele Gemeinden aus sachlichen und finanziellen 
Gründen empfehlen, sofern sich in diesem Falle das 
baupolizeiliche Verfahren am einfachsten, sichersten und 
wohl auch am billigsten gestalten wird.“ 
Erfahrene Baumeister stehen vielfach auf dem 
Standpunkt, daß nicht das Gesetz, sondern die Beamten 
drückend empfunden werden, und der Ageordnete Schmid- 
Neresheim selber erklärte, daß er der bestimmten Ueber- 
zeugung sei, daß viele Klagen über die Bauordnung nur 
daher rühren, daß die Bauordnung eine nicht richtige 
Auslegung erfahren hat und daß nicht danach gesucht 
würde, in welcher Weise das Bauen erleichtert werden 
könnte und wie die Bauordnung in ihrer milderen, ge 
rechteren und praktischeren Form — selbstverständlich 
immer im Rahmen des Gesetzes — zur Anwendung ge 
bracht werden kann. 
Soviel kann hier festgestellt werden, daß schon unter 
der Herrschaft der gegenwärtigen Bauordnung der Beamte 
eine bedeutende Rolle spielte; betrachtet man nun erst 
den Entwurf der neuen Bauordnung, so findet man, 
daß hier weit mehr Anforderungen an den Beamten ge 
stellt werden, abgesehen von der komplizierteren Bau 
technik. Es ist deshalb dringend nötig im Interesse 
einer gesunden Handhabung der Baupolizei, daß tech 
nische Beamte, die das nötige Maß theoretischer Kennt 
nisse und praktischer Erfahrungen besitzen, angeordnet 
werden. Ohne auf dem Standpunkt zu stehen, die Fähig 
keit nach der Schulbank und dem Examen zu taxieren, 
muß doch anbetrachts solch einer verantwortungsvollen 
Aufgabe im Interesse der Gemeinden und im Interesse 
der der Herrschaft der Baupolizei unterstellten Bauhand 
werker unbedingt verlangt werden, daß in der Befähi 
gung ein Maßstab gesetzt wird und daß diese Ortsbau 
technikerstellen nur mit geprüften Technikern besetzt 
werden sollen. 
Der Abgeordnete Schmid-Neresheim will, daß wenig 
stens nur solche Leute als Ortsbautechniker bestellt 
werden, die zur Führung des Meistertitels berechtigt 
sind, bemerkt aber, daß er es für viel besser halten würde, 
nur geprüfte Bauwerkmeister zu nehmen. Dieser Kom 
promißgedanke, den übrigens die Motive auch schon er 
wogen haben, bedeutet aber herzlich wenig. Was bietet 
der Meistertitel der verzweigten Theorie und Praxis der 
Baupolizei? Eben draußen auf dem Lande besteht das 
Bedürfnis, daß eine alle Bauhandwerksberufe prak 
tisch und theoretisch verstehende Persönlichkeit 
beratend und gebietend vorhanden ist. Möchte die Regie 
rung und die Kammer diese schwerwiegende Angelegen 
heit zur Genüge prüfen! (Fortsetzung folgt) 
A Vom Holzmarkt 
Man berichtet uns aus Fachkreisen: Wenn auch im 
allgemeinen der rheinische Holzmarkt ein etwas zuver 
sichtlicheres Gepräge zeigt als vor Wochen, so ist doch 
der Verkehr in letzter Zeit wieder zurückgegangen. Das 
ist auf die Abnahme der Tätigkeit im Baufache zurück 
zuführen, die angesichts der vorgeschrittenen Jahreszeit 
einerseits, anderseits aber auch infolge des unverändert 
hohen Geldstandes sich nicht weiterentwickeln konnte. 
Wohl haben ja im allgemeinen die Preise unter dem 
Einfluß des rückgängigen Verkehrs an Stabilität eine Ein 
buße nicht erlitten, indessen war aber auch eine weitere 
Befestigung nirgends wahrzunehmen. Mit einer Ver 
mehrung des Verkehrs kann jetzt auf keinen Fall mehr 
gerechnet werden. Ara Brettermarkte des Rheins merkte 
man eine Regung im Handel nicht. Die rheinischen und 
westfälischen Sägewerke haben mit ihren Bezügen in 
letzten Wochen sehr zurückgehalten, weil sie die außer 
ordentlich hohen Frachten nicht anlegen wollen, die all 
gemein bei Verladungen per Schiff verlangt werden. 
Uebrigens rechnen die betreffenden Abnehmer auch nicht 
mit besonders großem Verbrauch während der Winter 
monate. Was die einzelnen Sorten betrifft, so hat die 
breite Ware nach wie vor das meiste Interesse auf sich 
gezogen. Weit weniger gesucht waren schmale Bretter, 
worin es auch an Angebot nicht fehlte. Bukowinische 
und galizische Bretter haben zwar nicht in zu großen 
Posten am Markte gelegen, indessen war immer Ware 
genügend vorhanden, so daß der Bedarf darin schlank 
gedeckt werden konnte. Reine Ware dieser Provenienzen 
war immer gesucht, obgleich sie bei den Konsumenten 
weniger gut im Ansehen steht als die süddeutsche, worin 
aber reine Ware nur in beschränkten Posten angeboten 
wird. Aus letzterem Grund ist aber auch die süddeutsche 
saubere Ware im Werte höher als die ausländische. Der 
Markt in geschnittenen Kanthölzern hat sich im all 
gemeinen nicht recht entwickeln können, weil Bedarf 
fehlte. Das Angebot darin ist gegenwärtig viel zu groß 
gegenüber der Nachfrage, woher es auch kommt, daß die 
Preise gedrückt sind. Der Markt in Hobelbrettern zeigte 
die bisherige Haltung. Dadurch, daß die Frachten gegen 
wärtig so hoch sind, stellen sich die Einstellungspreise 
entsprechend höher, und die billigen Offerten verschwinden 
deshalb mehr und mehr von dem Markte. Der amerikanische 
Pitch-Pine-Markt tendiert gegenwärtig sehr fest, und es 
werden von drüben allgemein höhere Preise verlangt. Das 
gleiche gilt auch von Red-Pine. Die Beschäftigung der 
Hobelholzindustrie des Rheins ist wie immer in dieser 
Jahreszeit mäßig. 
Y ereinsmitteiliingen 
Württ. Baubeamten-Verein. Einladung. Am 
Dienstag, den 5. November, abends 7 Uhr, be 
ginnen die monatlichen zwanglosen Zusammenkünfte im 
Vereinszimmer der „Bauhütte“, Stuttgart, Büchsen 
straße 53, I. Stock. Die verehrlichen Mitglieder und 
Freunde des Vereins werden hierzu herzlich eingeladen. 
Der Ausschuß. 
Deutscher Arbeitgeberbund für dasBaugewerbe. 
In Norderney sind sämtliche Maurer, Zimmerer und 
Bauhilfsarbeiter wegen nicht bewilligter Lohnforderungen 
in den Streik eingetreten. In Blankenburg (Schwarza 
tal) ist der Maurerstreik im Sande verlaufen. Die Arbeiten 
konnten durch Arbeitswillige ausgeführt werden, die 
Streikenden sind bisher nicht wieder eingestellt worden. 
Die geführten Einigungsverhandlungen scheiterten an der 
nicht bewilligten Erhöhung des Lohnsatzes. In Cottbus 
ist der Zimmererstreik nach 21wöchiger Dauer durch 
die Streikleitung der Gesellen für beendet erklärt worden. 
Er ist für letztere ohne jeden Erfolg geblieben, da sich 
die Zimmermeister zu keinem Zugeständnis herbeiließen 
und den aufgedrungenen Kampf beharrlich und unentwegt 
durcbführten. In Saarbrücken ist der am 24. Juli 
ausgebrochene Streik der Zimmerer nach zehnwfichiger 
Dauer beendet. Der Streik endete mit einer vollständigen 
Niederlage der Arbeitnehmer, indem sie die Arbeiten 
bedingungslos wieder aufnehmen mußten. Ein Vertrag 
ist nicht wieder abgeschlossen worden. In Straßburg i. E. 
ist der Streik der Bauhilfsarbeiter durch den Abschluß 
eines bis zum 31. März 1910 laufenden Tarifvertrages 
beendet. 
Wettbewerbe 
Gesellschaftsbaus für die Aktiengesellschaft 
Bonner Bürgerverein. Es wurden zwei Preise von 
je 1000 M. den Architekten Schreiterer & Below in Köln 
und Heinrich Mattar in Leipzig-Köln und zwei Preise
	        

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