Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1907)

BAUZEITUNG 
Nr. 46 
364 
Architekt Ed. Brill, Stuttgart 
Wasser- und Aussichtsturm für Hamburg 
bedeutet, weil durch geschlossene Wan 
dungen eine Entleerung des Platzes nicht 
mit der nötigen Ruhe und Sicherheit 
vor sich gegangen wäre. 
Der Kern der Anlage ist ein tief 
liegender, aber nach Süden amphi 
theatralisch ansteigender Promenade- 
undVersammlungsplatz, den verschiedene 
Baulichkeiten und ein Teich umgeben 
und der von vier hochliegenden Straßen 
umzogen wird. Er ist durch einen 
leicht gehaltenen Torbau an der West 
seite und fünf andre offene Zugangswege 
von den genannten Straßen erreichbar. 
An diesen Straßen liegen in bunter 
Reihe alle diejenigen Attraktionen, die 
eben unbedingt erforderlich sind, Stim 
mung zu wecken und den Rubel rollen 
zu lassen. Die Fassaden sind durch 
aus originelle Schöpfungen, einfach 
komponiert, aber geschmackvoll gestaltet, 
ganz abweichend von den in Form, Farbe 
und Erfindung übertriebenen geschmack 
losen Festwiesen- und Yolksfestbauten, 
die an manchen Orten errichtet werden 
und jeden einigermaßen geschmack 
begabten Menschen zur sofortigen Um 
kehr zwingen. Heiter, sonnig und ein 
ladend liegt auf der Ebene der Augusta- 
anlage hinter Baumreihen und Blumen 
beeten das Restaurant Zur lustigen 
Witwe, ein Bau mit größerer Längen 
ausdehnung, begrenzt von zwei breiten, 
behaglichen, mit Giebeln gekrönten 
Seitenrisaliten. Es folgt eine Zucker 
bude in Rundtempelform, dann als 
Gegenstück zum erstgenannten Gebäude 
die Spießbraterei, ein mit leicht-eleganter 
Vorhalle umzogener Bau mit dominieren 
dem Mittelbau. Das am Schluß der 
Augustaanlage errichtete Panorama 
gebäude zeigt eine sehr gute und mit 
einfachsten Mitteln erreichte Ausbildung 
der Zweckform, hervorzuheben ist der 
lerisch liebevolle Behandlung zeigt. Daß mit diesen Ver- 
gntigungsorten, besonders für die Ortsansässigen, die 
erforderlichen Lock- und Anziehungspunkte geschaffen 
werden, ist klar. 
Die Bezeichnung Vergnügungspark scheint uns im 
vorliegenden Fall nicht ganz zutreffend zu sein, denn es 
ist von einem Park keine Rede, es handelt sich vielmehr 
lediglich um eine nach landschaftlich-romantischen Grund 
sätzen angeordnete Gruppierung von Bau- und Garten 
anlagen ohne Parkcharakter. Daher sind diejenigen, die 
hier in den letzten Tagen für ßelassung dieser Anlage 
mit der Begründung eintraten, ein Analogon zum Wiener 
Prater zu haben, recht genügsame Leute. Damit soll 
aber über die vorliegende Leistung kein abfälliges Urteil 
abgegeben werden; es sei vielmehr hervorgehoben, daß 
an allen Punkten auf eine ansprechende, künstlerisch 
wahre, stilvolle, neuzeitlichem Geschmack entsprechende 
Ausbildung des Gesamtbildes, des Einzelbaus und der 
Einzelheit Wert gelegt wurde. Wenn das Ganze trotz 
dem einen etwas zerrissenen Eindruck machte, so rührt 
dies in erster Linie wohl davon her, daß die Anlage 
Massenverkebr aufnehmen und allen Eventualitäten eines 
solchen gewachsen sein mußte. Die künstlerisch an 
sprechendere, mehr geschlossene Gruppierung hätte diese 
Möglichkeiten nicht geboten, ja sogar eine ernste Ge 
fährdung der hier zu Freude und Lust Versammelten 
Querschnitt mit dem' gegebenen Profil des Wasserbehälters
	        

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